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Psychologie

Burnout – was heisst das? 

Wenn eine lang andauernde Belastung zur Überforderung wird, brennt die Seele aus: Ursachen, Symptome und wie man aus der Krise rausfindet.
Text: Virgina Nolan
Bilder: Daniel Auf der Mauer / 13 Photo

Definition

Burnout gilt als umgangssprachliche Bezeichnung für die Erschöpfungsdepression. Symptome
Kinder und Jugendliche, die davon betroffen sind, ziehen sich häufig zurück, wirken dabei antriebslos und haben kein Interesse mehr an Hobbys oder Freunden. Viele klagen über Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit. Jugendliche sind oft gereizt und übellaunig, jüngere Kinder können durch Spielunlust, verstärkte Trennungsangst oder Bauchweh auffallen. Halten solche Symptome über Wochen an, ist der Rat einer Fachperson hilfreich; besonders dann, wenn das Gespräch mit dem Kind keine Besserung bringt. Dann helfen Elternberatungsstellen weiter.

Unterschied

Die Symptome, welche die Erschöpfungsdepression mit sich bringt, treten auch bei der klassischen Depression auf. Die Krankheitsbilder sind allerdings nicht zu verwechseln: Die Erschöpfungsdepression entsteht, wie der Name schon sagt, aus der Erschöpfung heraus, bei der klassischen Depression ist die Erschöpfung eine Folge der Krankheit.

Zahlen

Über die Häufigkeit des Burnouts im Kindes- und Jugendalter gibt es kaum Daten. Der Jugendpsychiater und Buchautor Michael Schulte-Markwort schätzt, dass etwa drei bis fünf Prozent aller Kinder und Jugendlichen davon betroffen sind, meist Teenager. «Es gibt allerdings viele Hinweise darauf, dass die Altersgrenze sinkt», sagt Schulte- Markwort.

Anfälligkeit

Meist habe er es mit leistungsorientierten Mädchen zu tun, die an ihrem Perfektionismus zerbrächen, sagt Schulte-Markwort. Allerdings beanspruchten Knaben auch seltener Hilfe: «Sie sind oft nicht so redefähig und -willig wie Mädchen.» Generell, so der Jugendpsychiater, treffe Burnout Jugendliche an Gymnasien häufiger als Altersgenossen, die eine Schule mit niedrigerem Leistungsprofil besuchen. Es ist zudem bekannt, dass Kinder aus Scheidungsfamilien ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen haben. Gilt das auch fürs Burnout? «Mein Befund lässt den Schluss leider zu», sagt Schulte-Markwort. Laut dem Jugendpsychiater sind auch Kinder aus armutsgefährdeten Familien und solche mit Mobbingerfahrungen anfälliger für Erschöpfungsdepressionen.
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Die Bilder zu diesem Dossier stammen vom Zürcher Fotografen Daniel Auf der Mauer. Der 38-Jährige fotografiert regelmässig Reportagen und Porträts für internationale Publikationen wie «The New York Times» und «Der Spiegel». Alle im Dossier abgebildeten Jugendlichen haben der Veröffentlichung von Text und Bildern zugestimmt.

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