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Familienleben

Wie vereinbare ich Familie und Job? 5 Tipps für Eltern

Sie versuchen täglich den Spagat zwischen Beruf und Familie? Werden permanent von Ihrem schlechten Gewissen geplagt, weil Sie niemandem gerecht werden? Sie fühlen sich im Hamsterrad, allein und unverstanden? Höchste Zeit, ein paar Dinge zu ändern.
 Text: Claudia Landolt

1. Sie sind nicht perfekt 

Alle Eltern wünschen sich ausreichend Zeit für ihre Kinder, den Partner, den Haushalt, die Hobbys. Doch niemand schafft es, einen verantwortungsvollen Job zu machen, immer Zeit für die Kinder zu haben, die Partnerschaft zu pflegen, einen makellosen Haushalt zu führen und am Wochenende Freunden ein erstklassiges Dinner zu servieren. Es gilt sich einzugestehen, dass der Tag nur 24 Stunden hat und sich nicht strecken lässt. Sie und Ihr Partner, Ihre Partnerin müssen Abstriche machen – verabschieden Sie sich vom Supereltern-Anspruch. Es sei denn, Sie heissen Sheryl Sandberg (CEO von Facebook) oder Melissa Meyers (Yahoo-Chefin), die beide eine Armada von Nannys und Hausangestellten beschäftigen, um alles unter einen Hut zu kriegen.

2. Sie sind nicht allein 

Vereinbarkeit ist kein individuelles Problem. In Hunderttausenden Schweizer Familien üben Mütter und Väter täglich den Spagat zwischen Familie und Job. Höchste Zeit also, mit sich ehrlich zu sein: Gestehen Sie sich ein, dass in den allermeisten Fällen entweder der Beruf oder die Familie leidet, wenn Sie versuchen, beide Teile gleich stark auszuleben. Das gelänge nur dem, der an einer Persönlichkeitsspaltung leidet. Der zweite Schritt: Sprechen Sie über Ihre Situation. Thematisieren Sie Ihr Dilemma im Freundeskreis, in der Familie, bei der Arbeit. Nur so wird Selbstverständliches zum Selbstverständlichen.
Verabschieden Sie sich vom Anspruch, Super-Eltern sein zu müssen.

3. Stellen Sie sich ein paar Fragen 

Zum Beispiel die hier: Wie viel Geld brauchen wir mindestens zum Leben? Wie kann es verdient werden? Wer macht Babypause, und wie lange soll diese dauern? Wer möchte wie viel Zeit in den Job investieren? Und: Wie viel Hilfe für Kinderbetreuung und Haushalt können wir finanzieren? Für wen ist zu welchem Zeitpunkt welcher berufliche Entwicklungsschritt wichtig? Wie viel Zeit wollen wir mit unseren Kindern verbringen? Wie lässt sich innerhalb dieser Rahmenbedingungen der Haushalt sinnvoll aufteilen? Nicht immer finden Sie sofort eine Lösung. Ist sie einmal gefunden, müssen Sie sie immer wieder überdenken. Nichts ist für die Ewigkeit, besonders nicht mit Kindern.

4. Legen Sie Regeln fest 

Mit dem Sohn auf dem Fussballplatz und das Smartphone vibriert? Wir alle wissen nur zu gut, was passiert, wenn der Chef sich am Abend oder am Wochenende meldet. Sie greifen nach dem Smartphone, lesen, tippen und tippen, immer weiter. Was tun? Werden Sie sich über ihre eigene Rolle in der Partnerschaft, der Familie und der Arbeitswelt klar. Entwicklen Sie ein Bewusstsein dafür, für den Arbeitgeber nicht rund um die Uhr erreichbar sein zu müssen. Und stellen Sie mit der Familie Regeln auf fürs Arbeiten zu Hause.
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5. Sie haben allen Grund, stolz zu sein

Gehören Sie zu den Eltern, die sich laufend entschuldigen? Dafür, dass Sie arbeiten? Dafür, dass Sie nicht arbeiten? Dass Ihr Kind krank ist? Oder dass Sie sich gerade mit dem Kind beschäftigen? Vergessen Sie es. Auf dem Spielplatz oder an Schulanlässen flüstern Sie ins Telefon, wenn Ihr Chef oder Ihre Chefin anruft und nach etwas fragt. Nein, Sie hätten besagtes Dokument jetzt gerade nicht vor sich liegen, denn Sie seien nicht am Schreibtisch, sondern mit den Kindern zugange. Hören Sie auf damit. Woher nur diese Schuldgefühle? Sie kümmern sich um Ihre Kinder. Es gibt keine wertvollere, sinnvollere, nachhaltigere Tätigkeit. 
Warum Schuldgefühle? Sie kümmern sich um Ihre Kinder. Es gibt keine sinnvollere, wertvollere, nachhaltigere Tätigkeit.
Brüllen Manager am Flughafen in München oder London in ihr Handy, demonstrieren sie: Ich bin wichtig. Ein bisschen von deren Selbstbewusstsein kann Ihnen nicht schaden. Wer wie Sie jeden Tag den Kampf der Vereinbarkeit von Beruf und Familie führt, ist genauso wichtig, verdient Respekt und Anerkennung. Die Statistik gibt Ihnen recht: Modellrechnungen wie beispielsweise jene des Prognos-Institutes in Basel ergaben, dass Teilzeitarbeit für Unternehmen einen «Return on Investment» von 25 Prozent generiert. Im Klartext: Wenn ein Unternehmen 100 Franken in ein Teilzeitmodell investiert, bekommt es 125 Franken zurück. Das Unternehmen profitiert von weniger Krankentagen und produktiveren und besser motivierten Teilzeitarbeitenden. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal ins Telefon flüstern, weil Sie gerade nicht am Schreibtisch sitzen. Und beim nächsten Lohngespräch.

Bild: Plainpicture

Dieser Text erschien innerhalb unseres Dossiers zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Lesen Sie alle Texte in unserer aktuellen Ausgabe. Sie können diese hier bestellen.

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1 Kommentar

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Von ingrid am 10.11.2016 19:09

Das nenne ich eine komplett gelungene RÜCKENSTÄRKUNG und eine wohltuende Streicheleinheit für die Seele. (y)
Liebe Grüße aus Berlin.

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