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Zuhause

«Vielleicht zieht einmal ein Elternteil zu uns»

Die Niggs wohnen in einem Hausteil. Sie haben es gerne gesellig, beherbergen einen Austauschstudenten und schmieden bereits Pläne für die Zeit, wenn die Kinder einmal ausgezogen sind. Nur ein Wunsch bleibt unerfüllt.
Text: Stefan Michel
Bilder: Rita Palanikumar / 13 Photo
Die Familie ist fürs Gruppenbild bereit – nur einer fehlt noch: Erik, der siebzehnjährige Austauschschüler aus Milwaukee im Norden der USA und seit sieben Monaten Gast bei den Niggs in Hinwil im Zürcher Oberland. «Meine Frau und ich haben im Jugendalter in Gastfamilien gewohnt. Letztes Jahr fanden wir, der Zeitpunkt sei ideal, um selber einen Gast aufzunehmen und so etwas zurückzugeben», erzählt Michel Nigg. Dann taucht Erik plötzlich auf und gesellt sich dazu. Erik wohnt in der oberen Etage des Hausteils der Familie Nigg. Das sind: Silvia und Michel Nigg mit ihren Kindern Janis, 14, Vania, 10, und Mahara, 8. Ganz oben befinden sich ein Badezimmer, ein Büro und der Wohn- Ess-Bereich, der auf einen Balkon über die ganze Hausbreite hinausgeht. Die anderen Familienmitglieder schlafen im Parterre, die Zimmer liegen nebeneinander, alle haben eine Glasfront und direkten Zugang auf den Gartensitzplatz. Auf gleicher Höhe befinden sich zwei weitere Bäder und eine Sauna. 

Zuvor lebten die Niggs in Illnau ZH in einer Eigentumswohnung. 

Sie benötigten mehr Platz und wollten näher an einem Dorfkern mit Schulen und Einkaufsmöglichkeiten wohnen. Hinzu kamen die Ansprüche an Ästhetik, Qualität und Veränderbarkeit des Hauses: «Die zweigeschossige Wohnung können wir mit geringem Aufwand in zwei eingeschossige verwandeln, wenn die Kinder einmal ausgezogen sind. Vielleicht zieht einmal ein Elternteil zu uns», sagt er. 
«Die zweigeschossige Wohnung können wir mit geringem Aufwand in zwei eingeschossige verwandeln, wenn die Kinder einmal ausgezogen sind.» 
Silvia und Michel Nigg haben lange recherchiert und über 100 Wohnobjekte im Kanton Zürich online angeschaut. Ein halbes Dutzend besichtigten sie persönlich. «Meistens war bei 60 von 100 Anforderungspunkten Schluss. Hier kommen wir auf 80 von 100. Mehr ist nicht realistisch, und wir fühlen uns sehr wohl hier», erklärt Architekt Michel Nigg. Platz musste reichlich vorhanden sein, nicht nur für die fünfköpfige Familie, sondern auch für Besuch. Mindestens einmal pro Woche übernachteten früher Verwandte oder Freunde im Haus. Jetzt bewohnt Erik das Gästezimmer. Auch heute vergeht kaum eine Woche, ohne dass sie mit Gästen in grosser Runde am Esstisch sitzen. 
Platz musste reichlich vorhanden sein, nicht nur für die fünfköpfige Familie, sondern auch für Besuch. 
Erik, der ohne Deutschkenntnisse im vergangenen Sommer zu den Niggs kam und nun fliessend Deutsch spricht, hat zu Hause in den USA mehr Platz gehabt: «Meine zwanzigjährige Schwester und ich hatten den ganzen oberen Stock unseres Hauses für uns. Aber das bedeutete auch viel mehr Chaos», meint er lakonisch. Die Lage war mitentscheidend dafür, dass Michel und Silvia Nigg vor acht Jahren den Hausteil in Hinwil ab Plan kauften. Der Bahnhof ist nah, Zürich ist in 25 Minuten erreicht. Dort hat Michel Nigg sein Architekturbüro. Die Kinder sind zu Fuss in zehn Minuten in der Schule. Erik fährt mit der S-Bahn oder per Velo nach Wetzikon, wo er das Gymnasium besucht. Was noch besser sein könnte? Silvia würde den Kindern Freunde an der gleichen Strasse wünschen, ist doch der Nachwuchs der meisten Nachbarn bereits erwachsen. Ziehe jemand neues dazu, seien deren Kinder meist noch ganz klein. Als einzigen Makel nennt Janis den Schulweg, der den Berg hoch führe. Und Michel Nigg findet: «Alles, was wir uns noch wünschen könnten, wäre Luxus. Seeblick vielleicht – würde unser Haus sieben Meter höher stehen, könnten wir den Zürichsee sehen.»

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