Elternbildung

Einfühlungsvermögen statt Machtkampf

Ein Kind, das rebelliert und keine Autoritäten respektiert, stellt seine Eltern auf die Probe. Und hält ihnen den Spiegel vor: Das Verhalten hat es sich meist abgeschaut.
Text: Jesper Juul
Illustration: Petra Dufkova/Die Illustratoren

Eine Mutter schreibt an Jesper Juul: 

Mein Sohn Simon, 7, hat eine starke Persönlichkeit und fordert mich immer wieder
heraus. Simon war von klein auf seinen Altersgenossen überlegen und hat ein grosses Selbstvertrauen.
Sie lassen Ihrem Sohn nur zwei Optionen: Ihre Wertvorstellungen zu übernehmen – oder sich zu widersetzen.
Jesper Juul
Mit den zwei jüngeren Geschwistern geht er einfühlsam um. Auch mit seinen Freunden gibt es kaum Probleme. Er ist charmant und sehr beliebt bei anderen Kindern. Die Schwierigkeit liegt im Umgang mit Erwachsenen. Er hört oft nicht, was ich sage. Er macht einfach, was er
will. Für mich scheint es so, als würde er mich nicht ernst nehmen.

Eine weitere Herausforderung ist seine Impulsivität. Wenn er sich ungerecht behandelt fühlt oder etwas nicht so abläuft, wie er es sich vorstellt, wird er wütend. Er schreit, wirft Sachen um sich und knallt die Tür. Oft schlägt er dann auch seine Geschwister. Manchmal habe ich das Gefühl, dass er sich wegen jeder Kleinigkeit aufregt. Es ist sehr anstrengend, vor allem weil seine Stimmung schnell umschlägt.

Mein Mann und ich sind sehr streng. Wir wollen unsere Kinder zu respektvollen Menschen erziehen. Neulich haben wir ein Belohnungssystem eingeführt. Wenn sich Simon anständig verhalten hatte, durfte er einen Kleber auf einer Tabelle einfügen. Das hat leider nur für kurze Zeit funktioniert. Irgendwann war ihm einfach egal, wenn er keinen Sticker bekam. Weil die Tabelle für Simon keinen Anreiz mehr bot, haben wir nun als Belohnung Zeit mit uns vereinbart. Wenn er sich eine Woche anständig aufführt, machen wir zum Beispiel einen Ausflug mit dem Dampfschiff. Aber auch das klappt nicht so richtig.

Simon geht gerne in die Schule und lernt schnell. Aber auch in der Schule gerät er immer wieder mit Erwachsenen aneinander, vor allem mit einer Lehrperson. Er respektiert sie nicht und befolgt ihre Regeln nicht. Immer wieder erhalte ich von der Schulleitung negative Rückmeldungen.

Ich mache mir grosse Sorgen um Simon, weil er durch sein Verhalten überall aneckt. Dabei ist er ein so toller Bub. Wie kann ich ihm helfen, seine impulsive Persönlichkeit in den Griff zu bekommen? Wie kann ich ihm beibringen, vor anderen Menschen Respekt zu haben? Wäre Strafen oder Belohnen sinnvoll?

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