Moderne Nomaden: Hündin Maila reist immer mit

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Seit vier Jahren schreibt unsere Reisebloggerin über ihr nomadisches Familienleben. Die kleine Dansky-Hündin Maila trat bisher im Hintergrund auf, dabei spielt sie eine zentrale Rolle im Alltag der Familie.
Text + Bilder: Debora Silfverberg

Mailas Lieblingssatz besteht aus drei Wörtern: «Du kommst mit!» Hört sie diese Aufforderung, stellt sie ihre Ohren auf – so weit es der Knick in der Mitte erlaubt – und kommt freudig angetrippelt. Die kleine Hündin ist unser fünftes Familienmitglied. Sie kam vor neun Jahren als Welpe zu uns. Seither begleitet sie uns, wo auch immer wir hingehen. Bereits zwei Drittel ihres Hundelebens reist Maila mit dem Rest ihres Rudels im Wohnmobil durch Europa.

Mehr als zweimal um die Welt

Ein Blick auf den Kilometerzähler zeigt: Unsere Hündin ist weiter als zweimal um die Welt
gefahren. Sie hat mehr Sehenswürdigkeiten besucht als mancher Mensch. Nicht, dass sie ein
besonders kulturinteressiertes Tier wäre. Solange sie etwas Neues schnüffeln oder irgendwo
auf einem Ausguck sitzen kann, spielt es keine Rolle, wo wir uns befinden – ob in den
Römerstrassen von Pompeji oder in einem Wikinger-Dorf in Dänemark.

Unser Alltag wäre um einiges grauer ohne sie. Maila bereichert uns jeden Tag aufs Neue. Mittlerweile können wir uns ein Leben ohne Hund kaum mehr vorstellen. Das war nicht immer so.

Ein Haustier, bitte!

Als unsere Töchter damals ihr Kindergarten- und Schulalter erreichten, wurde ihr Wunsch nach einem Haustier immer grösser. Wir Eltern hatten nichts dagegen, es gab jedoch ein paar Vorbehalte: Ich mag keine Säugetiere und Vögel in Käfigen. Katzenhaare bewirken Fliessschnupfen und Asthma. Schlangen und Spinnen begeisterten zwar die älteste Tochter, den Rest schauderte der Gedanke eher. Fische? Sind hübsch anzusehen, aber nicht sehr kuschelig. Was bleibt da noch übrig? Ein Hund, natürlich.

Welche Hunderasse passt zu uns?

Keiner von uns Eltern wuchs mit Hunden auf, also wussten wir nicht, was dabei auf uns zukommen würde. Es schien das Haustier zu sein, das von allen am meisten Zeit und Aufmerksamkeit fordert. Waren wir bereit dazu, einen grossen Teil unseres Alltags in seine Pflege zu investieren?

Eines war klar: Die Rasse müsste sich für Hundeanfänger ohne überdurchschnittlichen Bewegungsdrang eignen. Täglich zwei Stunden stramm laufen würde uns bestimmt guttun, realistisch wäre es jedoch nicht. Ausserdem eignet sich nicht jeder Hund, der schön oder süss aussieht, für eine Familie mit Kindern.

Unsere Hündin wirkt auf Reisen fröhlicher. Die immergleiche Gassi-Runde zuhause stumpft sie eher ab.

So kamen wir auf den Dansky

Als wir «Lupo» kennenlernten, fiel uns die Entscheidung leicht. Die Kindergärtnerin unserer Kinder hütete den Vierbeiner ihrer schwedischen Verwandten. Uns beeindruckte, wie freundlich er mit der Kinderschar umging.

Lupo war zwar klein, sah in unseren Augen jedoch wie ein richtiger Hund aus – keine Beleidigung für kleine Wollknäuel. Daraufhin googelten wir den Schwedisch-Dänischen Hofhund (Dansky). Die meisten Züchter für diese Rasse waren weit weg in Skandinavien zu finden. Wir waren uns schnell einig: Genau der passt zu uns.

Diese Einschätzung bestätigte sich über die letzten neun Jahre immer wieder. Unser Hund nimmt es wie wir gerne gemütlich. Wenn es regnet, bleibt sie lieber in ihrem weichen Körbchen, als hinauszugehen. Gleichzeitig schliesst sie sich motiviert jeder Bergwanderung an und wirkt selbst nach sechs Stunden nicht müde.

Maila sorgt stets für gute Laune. Jeden Morgen, egal um wie viel Uhr die Familie aus dem Bett kriecht, springt sie sofort auf, um in den Tag zu starten. Selbstverständlich für sie mit einer Portion Hundefutter. Für jeden, der als Erster aufsteht, legt sie ein Tänzchen hin.

Unsere jüngste Tochter schläft gerne etwas länger. Sobald wir Maila dazu auffordern, weckt sie die Schlafmütze mit einem liebevollen Küsschen – also einem feuchten Schlabber auf die Backe – auf. Oft kuschelt sich unser kleiner Vierbeiner danach zu ihr ins Bett, bis beide aufstehen.

Ein idealer Reisehund

Maila stört der enge Raum im Wohnmobil nicht – im Gegenteil. Sie liebt es, wenn das Rudel gemeinsam an einem Ort verweilt. Wenn wir in unserem Haus in Frankreich für die nächste Reise packen, packt unseren Vierbeiner die Nervosität. Erst wenn sie vorne im Führerhäuschen warten darf und somit weiss, sie kommt mit, ist ihre Welt wieder in Ordnung.

Wir empfinden Maila als fröhlicher, wenn wir reisen. Regelmässig neue Orte zu erkunden und neue Gerüche zu erschnüffeln, aktiviert ihren Geist. Zuhause immerfort dieselbe Runde Gassi zu gehen, stumpft ihn eher ab. Für sie lebt es sich wunderbar als Reisehund. Draussen findet sie laufend neue Spuren. Das Wohnmobil hingegen bietet ein behagliches Rudel-Lager.

Die Wörter «Futter» und «Sonne» sowie die Namen der Familienmitglieder inklusive Grosseltern lösen bei Maila Glücksgefühle aus.

Maila hört aufmerksam zu, wenn man mit ihr spricht. Ihr Optimismus und ihre Lebensfreude werden, wie eingangs erwähnt, durch gewisse Wörter verstärkt. Ganz zuoberst auf der Liste steht «Futter!». Auf dieses Wort reagiert sie meist mit einem kleinen Freudehüpfer. Darauf folgen die Namen sämtlicher Familienmitglieder, inklusive Grosseltern.

Werden diese erwähnt, stellt sie ihren Kopf schräg und schaut uns aufmerksam an. Trifft sie das erweiterte Rudel tatsächlich, springt sie in die Luft vor Freude, und der ganze Hund wedelt. Auch das
Wort «Sonne» löst Glücksgefühle bei ihr aus. Sei es ein Feuerchen oder das Sonnenlicht: Maila liebt es, in der Wärme zu liegen.

Was Maila nicht mag

Man kann Maila mit Wörtern auch kurzfristig betrüben. «Du bleibst da!», mag sie überhaupt nicht. Ebenso: «Du musst warten – es ist noch nicht Zeit!». Bei beiden Aussagen zieht sie sich traurig in ihr Körbchen zurück. Unser Hündchen hasst ausserdem Regen und Wasser allgemein. Das Wort «nass» verbindet sie damit.

Schwimmen? Nein, danke. Dann lieber am Strand herumflitzen und Löcher buddeln. Nach Mäusen zu wühlen, ist übrigens eine ihrer bevorzugten Beschäftigungen. Das ist ihrer Rasse zuzuschreiben.

Danskys sind sehr sozial, menschenbezogen und ausgeglichener im Wesen als Terrier.

«Nein, sie ist kein Terrier»

Nicht viele Menschen südlich der dänischen Grenze kennen Danskys. Deshalb wird Maila oft für einen Jack Russell gehalten – ein kleiner Terrier. Dansky oder «Dansk-Svensk Gårdshund» sind Bauernhofhunde aus Skandinavien und eine eigene Rasse.

Traditionell dienten sie als Rattenfänger, Wach- und Begleithunde für Bauernfamilien und sogar als Wärmflasche fürs Bett. Sie sind verspielt, freundlich und kooperativ. Deshalb wurden sie auch als Zirkushunde engagiert. Für ein paar Leckerli führt auch Maila mit Vergnügen allerlei Sprünge und Kapriolen vor. Danskys sind sehr sozial, menschenbezogen und ausgeglichener im Wesen als Terrier.

Ein guter Anfänger-Hund

Maila eignete sich als Ersthund ausgezeichnet für uns. Selbstverständlich verdient jeder Hund, gut erzogen und hundegerecht gehalten zu werden. Jeder erste Hund wird jedoch unweigerlich zum Versuchskaninchen – in etwa wie das erste Kind. Wir begingen bestimmt den einen oder anderen Fehler.

Würde Maila 80 Kilogramm auf die Waage bringen, wären wir vermutlich beim Erziehen etwas strenger gewesen. Unser Hündchen wiegt aber weniger als manche Katze. Nichtsdestotrotz, sie hört gut und folgt unseren Anforderungen und Signalen (fast immer). Ausserdem sind Hunde auch später noch lernfähig – kein Grund zur Sorge also.

Hündin Maila mit den beiden Teenagertöchtern
Ein Leben ohne Maila können sich die beiden Töchter von Debora Silfverberg noch gar nicht richtig vorstellen.

Maila und ihr Wachtrieb

Danskys haben einen Wachtrieb. Wenn Fremde ins Haus oder ins Wohnmobil kommen, gibt sie Laut. Oft reicht es, dass jemand bloss vorbeigeht. Für uns ist Maila die liebste und zärtlichste Hündin der Welt. Dennoch müssen wir Besucher, insbesondere Kinder, daran erinnern, Maila nicht in ihrem Körbchen zu streicheln. Dasselbe gilt für Fremde, die sie anfassen wollen, wenn sie zum Beispiel angeleint vor dem Laden wartet.

Unser Hund hat noch niemanden gebissen. Angeknurrt oder geschnappt jedoch schon. Viele Hunde verhalten sich so, wenn Unbekannte zu schnell zu nahe kommen. Da wir uns selbst als liebenswürdige, gastfreundliche und höfliche Familie einschätzen, mussten wir lernen, dies zu akzeptieren. Andererseits beruhigt es uns, nachts im Wohnmobil neben einem Wachhund zu schlafen. Vor allem wenn alle Vorhänge zugezogen sind und die Grösse des Tieres nicht erkennbar ist.

Moderne Nomaden

Die ganze Serie finden Sie hier.

Alle Beiträge zu «Das Glück reist mit» finden Sie hier.

Ein graues Schnäuzchen

Mit ihren neun Jahren gehört Maila nicht mehr zu den Jüngsten. Ihr Schnäuzchen verändert langsam die Farbe von braun zu grau. Ihre Zähnchen werden etwas schräg. Auch wenn die Lebenserwartung von Danskys uns noch einige Jahre verspricht, wissen wir: Irgendwann geht unser Rudelleben mit ihr zu Ende. Meine jüngere Tochter reflektierte jüngst, dass sie und ihre Schwester wahrscheinlich nicht mehr zu Hause sein werden, wenn dieser Zeitpunkt eintrifft.

Hündin Maila bei Sonnenuntergang auf einer Blumenwiese.
Maila ist bereits neun Jahre alt. Die Familie hofft auf weitere schöne Jahre mit ihrem vierbeinigen Liebling.

Dazu fällt mir zum Abschluss ein Witz ein: Ein katholischer Priester, ein protestantischer Pastor und ein jüdischer Rabbi diskutieren darüber, wann das menschliche Leben beginnt. «Beim Punkt der Befruchtung», ist sich der Priester sicher. «Wenn das Herz beginnt zu schlagen», kontert der Pastor. Der Rabbi schüttelt den Kopf und widerspricht: «Das Leben beginnt, wenn die Kinder ausgezogen sind und der Hund gestorben ist.»

Im Kern stimmt das. Gleichwohl löst der Gedanke bei mir neben einem lachenden Auge ein weinendes aus.