Ich habe drei Kinder im Alter zwischen 6 und 10 Jahren und ich drehe jeden Rappen um, um uns über Wasser zu halten. Der Vater der Kinder und ich haben uns vor zwei Jahren getrennt. Glücklicherweise leben wir in einer von der Stadt subventionierten Wohnung mit überschaubaren Mietkosten. Trotzdem sind wir jeden Monat am Limit unserer finanziellen Möglichkeiten.
Ich kalkuliere rund 500 Franken für Essen und Haushalt ein, damit kaufe ich Lebensmittel und alles, was es sonst noch so braucht im Haushalt. Manchmal gönnen wir uns ein Stück Fleisch, aber in der Regel liegt das nicht drin. Deshalb ernähren wir uns praktisch ausschliesslich vegetarisch.
Wir besitzen kein Auto, und wir machen nur Ferien in der Schweiz. Wir können zum Glück ein Ferienhaus von Freunden nutzen und müssen nicht viel Miete bezahlen. Ich weiss genau, dass wir «arm» sind im herkömmlichen, schweizerischen Sinne, trotzdem schäme ich mich nicht für unseren «Lifestyle». Denn er entspricht in seiner Einfachheit und Bescheidenheit meiner Lebensphilosophie.
Ich bin sicher, dass man den Kindern schon sehr früh beibringen kann, was wichtige Werte sind. Und das sind nicht teure Ferien in fernen Ländern und auch nicht, dass jedes Kind ein eigenes Zimmer haben muss. Uns fehlt es an nichts. Wir führen ein schönes und ausgewogenes Leben – und ja, wir müssen auf unser Budget achten.
Meine Kinder bekommen von mir viele Werte vermittelt, die jenseits davon sind, wie viel Geld man hat.
Meine Kinder tragen Kleider aus der Secondhand-Börse, aber ich finde, sie sind nie schlecht oder schäbig angezogen. In meinem Freundeskreis ist es durchaus normal, dass wir Kleider und Spielsachen austauschen und weitergeben, anstatt immer Neues anzuschaffen.
Meine Kinder bekommen von mir viele Werte vermittelt, die jenseits davon sind, wie viel Geld man als Familie hat. Sie finden es sogar komisch, wenn sie bei Freunden sind, die in einem grossen Haus wohnen. Sie leben bescheiden und ehren diesen Umstand gebührend. Das kann für ihre Zukunft nicht verkehrt sein.
Ich arbeite Teilzeit in einer sozialen Institution. Mein Ex-Mann bezahlt nicht viele Alimente. Dafür gleicht er das mit seiner Präsenz als Vater aus. Die Kinder sind regelmässig bei ihm, und wir diskutieren gemeinsam darüber, wie unsere Kinder gross werden sollen.
Sowohl er als auch ich leben mit neuen Partnern zusammen. Mein Partner hat auch eigene Kinder. Das ist nicht immer einfach, aber es ist auch bereichernd. Wir wursteln uns durch, aber ich glaube nicht, dass die Kinder darunter leiden. Denn wir sind immer ehrlich zu ihnen, und das kann in der Konsequenz nicht so schädlich sein für sie.






