Sara Tiboni, 44, lebt mit ihrer Tochter Annica, 15, und ihrem Sohn Mathis, 12, in Winterthur ZH. Vom Vater der Kinder ist sie getrennt.
Sara: «Mathis findet grundsätzlich kein Ende, das kenne ich schon vom Gamen. Auch da hatten wir viel Streit, bis wir für jedes einzelne Game genau festlegten, wann er es spielen darf. Daher bin ich auch beim Handy sehr streng, obwohl ihm das noch nicht so wichtig ist. Das war bei Annica am Anfang anders.»
Annica: «Eigentlich alle in meiner Klasse waren plötzlich in irgendwelchen Klassen- oder Gruppenchats. Ich konnte die mit dem iPad nicht nutzen, mit dem Handy dann aber schon.»
Sara: «Man kommt da als Eltern schon unter Zugzwang. Mich hat das gestresst. Eigentlich wollte ich ihr noch kein Handy geben, aber sie sollte doch auch dazugehören in der Klasse.»
Annica: «Als alle in der Klasse neu Handys hatten, gab es schon viel Spam im Klassenchat, oft waren da Hunderte Nachrichten. Kolleginnen von mir hat das schon sehr gestresst, mich eigentlich nicht. Ich habe einfach nicht alles gelesen. Und es ist dann auch schnell ruhiger geworden.»
Sara: «Ich habe aber gerade Whatsapp so eingestellt, dass die App abends ab einer bestimmten Zeit nicht mehr genutzt werden kann. Ich finde, irgendwann muss man einfach in Ruhe schlafen.»
Ich habe die Regel versäumt, dass das Handy im Schlafzimmer nichts zu suchen hat. Das ist eine schlechte Angewohnheit – auch von mir.
Sara, Mutter
Annica: «Manchmal ist das aber schon mega dumm, zum Beispiel wenn mich spätabends noch jemand fragt, mit welchem Zug wir am nächsten Tag in die Schule fahren, und ich es dann nicht mehr lesen kann.»
Sara: «Aber wir haben bei manchen Apps die Beschränkungen ja auch wieder rausgenommen, worauf du teilweise von dir aus gesagt hast: Mach das wieder rein, ich bin sonst zu viel am Gerät. Das fand ich spannend. Ehrlicherweise habe ich es aber auch versäumt, bei uns zu Hause die Regel einzuführen, dass Mobiltelefone im Schlafzimmer nichts zu suchen haben. Das ist eine schlechte Angewohnheit – auch von mir, ich bin oft zu viel am Gerät.»
Handy ermöglicht Kontakt – trotz Trennung
Annica: «Ich finde es aber okay, wenn du dein Handy mehr nutzt, du organisierst ja auch viele wichtige Dinge damit und bist nicht ständig auf Insta, so wie ich.»
Sara: «Doch, das bin ich doch auch!»
Annica: «Oh, dann habe ich ab sofort nicht mehr so viel Verständnis dafür. Was echt nervt bei meinem Mami: Sie ist einfach nicht multitaskingfähig. Wenn sie am Handy ist und ich sie was frage, kann sie nicht parallel antworten, sondern starrt nur auf den Bildschirm.»
Sara: «Das stimmt, das kannst du besser. Je älter ich werde, desto weniger Dinge kann ich gleichzeitig machen. Aber ich finde es auch wichtig, dass man sich nur auf eine Sache konzentriert. Deshalb gibt es auch während des Essens kein Handy. Und im Sommer war ich mit Mathis wandern, da hatten wir mal zwei Tage keinen Empfang, das ging wunderbar – oder, Mathis?»
Mathis: «Ja, das war sogar schön. Wenn ich zu Hause gerade keine Beschäftigung habe, bin ich schnell am Gamen oder am Handy.»
Sara: «Oh ja, am liebsten schon gleich nach dem Aufstehen … Ich finde aber auch, dass die Handys für uns als Familie viel Gutes mit sich bringen. Ich bin vom Vater der Kinder getrennt, sie leben zur Hälfte bei ihm. Seit beide Kinder ein Handy haben, sind wir viel mehr in Kontakt, wenn sie gerade nicht da sind. Oder sie schreiben auch mit ihrer Oma, das finde ich mega schön.»





