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Schule

Homeschooling: «Lernen im besonderen Kontext»

Der Kanton Appenzell ist besonders liberal bei der Zulassung für «Homeschooling». Vier Fragen an Walter Klauser Amtsleiter Volksschule Kanton Appenzell Ausserrhoden.
Text: Claudia Landolt
Bilder: Martin Mischkulnig / 13 Photo

Herr Klauser, welche Bedingungen müssen Unschooler erfüllen?

Die Bewilligung zum Häuslichen Unterricht wird erteilt, wenn gewisse Richtlinien weitgehend erfüllt sind oder erfüllt werden. Dabei ist uns bewusst, dass für den Häuslichen Unterricht betreffend Organisation, Inhalten und Gestaltung ein gewisser Handlungsspielraum gegeben sein muss. Von «Unschoolern» sprechen wir übrigens nicht, das Lernen findet in einem besonderen Kontext statt.

Wie testen Sie die schulischen Fähigkeiten der Unschooler-Kinder, und gibt es Noten?

Die Leistungen werden durch angeordnete Tests primär in Mathematik und Deutsch (Sek. I auch in den Fremdsprachen) überprüft. Es werden keine Noten erteilt. Die Testergebnisse sind nur ein Element des Controllings und sollen den Eltern eine Unterstützung bei der Standortbestimmung sein. Zudem nimmt das Amt für Volksschule periodisch Einblick in Lerntagebücher, Schülerarbeiten usw. und die Lernenden werden nach Möglichkeit einmal im Jahr vor Ort besucht.

Wie beurteilen Sie Lernforschritt und Bildungsniveau der Kinder?

Die Kinder mit Häuslichem Unterricht stellen betreffend Lernfortschritten und -leistungen eine sehr heterogene Gruppe dar. Einzelne Kinder erreichen ein sehr hohes Niveau, andere können die Grunderwartungen nur knapp erfüllen. Ohne durch empirische Ergebnisse gestützt, ergeben sich diesbezüglich keine systematischen Unterschiede.

Warum ist Appenzell in Bildungsfragen liberaler als andere Kantone?

Das Amt für Volksschule setzt sich dafür ein, dass möglichst alle Kinder im integrativen Sinne die Volksschule besuchen. Die Optionen des Häuslichen Unterrichts sind jedoch gesetzlich festgelegte Alternativen. Erst in den letzten zehn Jahren hat die Zahl der Kinder mit Häuslichem Unterricht zugenommen, in der Mehrheit der Fälle durch den Zuzug von Eltern. Im Rahmen der anstehenden Gesetzesrevision werden die Bewilligungskriterien politisch diskutiert werden. Die heutige «liberale» Lösung respektiert das besonders hohe Mass an Verantwortung von Eltern, welche im Häuslichen Unterricht einerseits ihre Kinder im Lernen begleiten, andererseits auch die soziale und emotionale Entwicklung ihrer Kinder fördern.

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Information zu den Bewilligungen: 


Website: www.ar.ch, Stichwort: Richtlinien Häuslicher Unterricht

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