Vorlesen: Wie lange soll man Kindern vorlesen?
Familienleben

«Bitte nie mit dem Vorlesen aufhören!»

Passend zum Schweizer Vorlesetag am 27. Mai: Drei Fragen an Barbara Jakob über die Wichtigkeit des Vorlesens.  
Interview: Florina Schwander
Bild: Stocksy / zVg

Frau Jakob, wie lange soll man vorlesen? Irgendwann lesen Kinder doch selber.

Solange es für beide Seiten stimmt: Bitte nie mit dem Vorlesen aufhören! Vorlesen ist Beziehungspflege, Vergrösserung des Wortschatzes, Stimulation der Fantasie beim Kind – Vorlesen ist auf so vielen Ebenen wertvoll für Kinder und Eltern. Was man dabei nicht vergessen darf: Selber zu lesen ist für Kinder gerade am Anfang sehr anstrengend. Es gibt den sogenannten ersten Leseknick in der dritten, vierten Klasse, so nennt man den Übergang vom einfachen Lesen einzelner Sätze zu längeren Büchern mit vielen Seiten. Indem man durch das Vorlesen dem Kind das Dekodieren der Buchstaben abnimmt, die es beim Selberlesen machen müsste, hilft man ihm, diese heikle Phase zu überstehen und stärkt den gesamten Leseprozess. 

Viele Kinder bestehen darauf, ­Geschichten auf Mundart zu hören. Was ist genau der Unterschied zwischen Vorlesen und Erzählen?

Grundsätzlich würde ich immer vom Kind ausgehen. Wenn das Kind die Geschichte gerne in der Familiensprache hören möchte, dann ist das oftmals Mundart, und das ist völlig okay so. Beim freieren Erzählen ist man näher an der Alltagssprache, der vertrauten Sprache. Beim wortgetreuen Vorlesen im Standarddeutsch sind wir näher bei der literarischen Sprache. Beide Formen sind wertvoll. Bei uns beispielsweise wollte ein Kind schon sehr früh, dass wir ihm «richtig» vorlesen. Richtig hiess für es: So wie wir es bei seinen älteren Geschwistern machen, nämlich auf Standarddeutsch. Das ist von Kind zu Kind verschieden. 

Viele lesen sehr gerne vor. Es gibt aber auch Menschen, die nicht gerne ­vorlesen oder nicht wissen, wie. Was dann? 

Ich finde, man soll sich nicht verstellen und realistisch bleiben. Was liegt drin in unserem Familienalltag, was nicht? Vielleicht lohnt es sich zu überlegen, warum man nicht gerne vorliest. Viele Eltern setzen sich abends mit dem Kind hin und erzählen, was sie den Tag hindurch erlebt haben. Das sind auch Geschichten, die wichtig sind für alle Beteiligten. Und: Egal, ob Sie ganz ruhig oder mit lebendiger Mimik vorlesen, Hauptsache, Ihnen und Ihrem Kind ist es wohl dabei.

Auf der Webseite des SIKJM finden sich weitere Tipps zum gemeinsamen Vorlesen und spannende Bücher für jedes Alter. www.sikjm.ch
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Barbara Jakob ist wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien SIKJM. 

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