Elternbildung

Wie Schule gelingt: Das Video und die wichtigsten Aussagen

Was ist eine gute Schule, was ein guter Lehrer? Wie können Kinder am besten lernen? «Wie Schule gelingt»: Über dieses Thema hat Psychologe und Lerncoach Fabian Grolimund mit Nik Niethammer gesprochen. Hier können Sie das Gespräch im Kulturpark als Video anschauen und die wichtigsten Punkte nachlesen.
Redaktion: Florina Schwander
Livestream: Smovie
Rund 2000 Mal macht sich ein Kind morgens auf zum Kindergarten oder zur Schule, bis es die obligatorische Schulzeit abgeleistet hat. Es sind 2000 prägende Tage, die den weiteren Lebensweg erheblich mitbestimmen. Was sollen die Kinder aus dieser Zeit mitnehmen? Was braucht es, damit sie mit positiven Gefühlen auf ihre Schulzeit zurückschauen können, bereit sind für das weitere Leben und sich ihre Lernfreude erhalten?

Hier sehen Sie das Video des ganzen Gesprächs von Fabian Grolimund und Nik Niethammer
Die ganze Veranstaltung wurde live auf Facebook übertragen. 

Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

Was ist eine gute Schule? 

  • ca. Minute 3: Was macht eine gute Schule aus? Der Sohn von Fabian Grolimund hat kürzlich seinen ersten Schultag absolviert. Was wünscht er sich für seinen Sohn für eine Schule? Ich wünsche mir für meinen Sohn eine Schule, wo die Lehrpersonen ihn im Blick haben, wo das Klassenklima gut ist. Ich möchte, dass er am Morgen gerne hingeht – ohne Ängste. 
  • ca. Minute 4: Schulbashing bringt nichts. Wir haben in der Schweiz einen grossen Einfluss auf das Schulsystem. Wir konnten beispielsweise abstimmen über den Lehrplan. Wir haben einen viel grösseren Gestaltungsspielraum als beispielsweise Deutschland und aus diesem Grund nervt mich das ewige Genörgle über unser Schulsystem.
  • ca. Minute 27: 10 Fragen für die Schule. Eine gute Schule ist eine Schule, die sich genau diese Frage immer wieder stellt: Was ist eigentlich eine gute Schule? Und wie so oft sind die Fragen wichtiger als die Antworten. 
Hier können Sie das Foto als Bilddatei herunterladen. 
Hier können Sie das Foto als Bilddatei herunterladen. 
  • ca. Minute 29: Warum sind Privatschulen so erfolgreich? Es sind vor allem die Eltern, die für ein gutes Klima sorgen, die an einem Strick ziehen und ähnliche Interessen haben. Für staatliche Schulen ist es in dem Bereich schwieriger, die Elternschaft ist oft viel heterogener. 

Was braucht ein Kind zum Lernen?

  • ca. Minute 9: Gutes Lernumfeld. Was braucht ein Kind, damit es gerne und gut lernen kann? Den Kindern geht es vor allem um die Stimmung in der Schule. Sie wollen an einen Ort kommen, wo sie sich geborgen fühlen. Und: Es braucht keinen Systemwechsel, aber die zwei bis drei Prozent der Lehrpersonen, die fehl am Platz sind, die sollten sich einen anderen Job suchen,  dann wäre ein grosses Problem gelöst. 
  • ca. Minute 20: Das kooperative Lernen ist wichtiger als das individualisierte Lernen. Kinder lernen besser in Gruppen, das hat unter anderem die Forschung von John Hattie gezeigt. Für die Lehrperson nicht immer einfach: Sie sollte das Kind dort abholen wo es individuell gerade steht und ihm gleichzeitig das Gefühl geben, es lerne in einer Gruppe. 
  • ca. Minute 23: Schule ohne Fächer. Finnland will 2020 alle traditionellen Schulfächer abschaffen und stattdessen Phänomen-Unterricht halten, sprich Ereignisse und Themen interdisziplinär behandeln. Gerade im Lehrplan 21 gibt es einigen Spielraum, Sachen auszuprobieren, Unterricht in Blöcken zu halten, Themen übergreifend zu behandeln. 
Anzeige

Braucht es noch Noten?

  • ca. Minute 34: Eigentlich sind alle gegen Noten – warum gibt es sie noch? Sind die Widerstände der Eltern so gross? Noten sind keine gute Art von Feedback, Fabian Grolimund ist klar gegen Noten. Von Ampel- oder ähnlichen Bewertungssystemen hält er wenig, so lange man nichts an er Haltung ändert, ein Kind bewerten zu wollen. (ca. Minute 41)
  • ca. Minute 36: Gutes Feedback ist etwas vom wichtigsten in einem Lernprozess. Wenn ein Kind nicht weiss, wo es steht, kommt es auch nicht weiter. Noten sind kein gutes Feedback und kommen zudem oft zu spät. Schreibt ein Kind ein Diktat und erhält drei Tage später eine Note dafür, ist das zeitlich schon zu weit weg, als dass es konstruktiv damit umgehen kann.
Eingangs des Gesprächs hat Pianistin Michiko Tsuda als Einstimmung ein halbstündiges Klavier-Konzert zu Ehren der Stiftung Elternsein gegeben, 
Eingangs des Gesprächs hat Pianistin Michiko Tsuda als Einstimmung ein halbstündiges Klavier-Konzert zu Ehren der Stiftung Elternsein gegeben, 

Sind Hausaufgaben sinnvoll?

  • ca. Minute 44': Hausaufgaben sollten zu Schulaufgaben werden. Eltern sollten zuhause keine Nachhilfe geben müssen. Von den Hausaufgaben profitieren vor allem ältere Kinder, also die, die schon eine gute Selbststeuerung haben. Kinder, die nicht gut selbständig arbeiten können, bei denen schaden Hausaufgaben zusätzlich. 
  • ca. Minute 45': Fixe Zeiten für Hausaufgaben machen Sinn. Als Eltern kann man mit der Lehrperson das Gespräch suchen und dann fixe Zeiten abmachen, zum Beispiel eine halbe Stunde für ein bestimmtes Fach. Ist das Kind mit den Aufgaben in dieser Zeit nicht fertig, dann wird das der Lehrperson so mitgeteilt. 
  • ca. Minute 50': Selbständiges Arbeiten lernt man nicht durch Hausaufgaben. Ein Kind, das nicht gerne oder gut von sich aus etwas macht, lernt das auch nicht durch Hausaufgaben. 

Was ist eine gute Lehrperson?

  • ca. 1h35: Was ist eigentlich ein guter Lehrer? Es gibt Antworten aus dem Publikum und Nik Niethammer liest seine persönliche Wunschvorstellung vor: 
«Für mich persönlich ist ein guter Lehrer jemand, der erklärt, begleitet, anregt, führt, für eine Sache brennt. Der sein Handwerk versteht. Der Vorbild ist, ermuntert, tröstet, sich für die Neigungen und Probleme seiner Schülerinnen und Schüler interessiert, etwas erwartet und einfordert, Winderstand aushält, klar kommuniziert, sich um ein entspanntes Verhältnis zu den Eltern seiner Schüler bemüht und seinen Beruf mit Freude und grosser Leidenschaft ausübt.» 

Lieblings-Aussage des Abends: 

  • ca.  Minute 52': Meine Kinder sollen in eine Schule gehen, die gut genug ist. Sie muss nicht perfekt sein. Kinder können auch gedeihen, wenn die Bedingungen nicht komplett optimal sind. 

«Wir möchten nicht, dass so getan wird, als wäre eine Revolution nötig, weil angeblich nichts funktioniert und das System Schule kaputt ist. Wir möchten aufzeigen, wie Lehrpersonen und Eltern Positives bewirken und einen Unterschied machen können.» So beschrieben die Lernexperten Fabian Grolimund und Stefanie Rietzler vor einem halben Jahr ihr ­Konzept «Wie Schule gelingt». Ihr Fazit im akutellen Dossier: In öffentlichen Schulen tut sich einiges. Und: Wenn Eltern möchten, dass sich noch mehr bewegt, sollten sie die Lehrpersonen ihrer Kinder unterstützen. «Wie Schule gelingt» – ein Dossier, das Mut macht. Hier können Sie ein Einzelheft bestellen. 
«Wir möchten nicht, dass so getan wird, als wäre eine Revolution nötig, weil angeblich nichts funktioniert und das System Schule kaputt ist. Wir möchten aufzeigen, wie Lehrpersonen und Eltern Positives bewirken und einen Unterschied machen können.» So beschrieben die Lernexperten Fabian Grolimund und Stefanie Rietzler vor einem halben Jahr ihr ­Konzept «Wie Schule gelingt». Ihr Fazit im akutellen Dossier: In öffentlichen Schulen tut sich einiges. Und: Wenn Eltern möchten, dass sich noch mehr bewegt, sollten sie die Lehrpersonen ihrer Kinder unterstützen. «Wie Schule gelingt» – ein Dossier, das Mut macht. Hier können Sie ein Einzelheft bestellen. 

Mehr lesen zum Thema Schule: 


  • Die Schule – unser Feind?
    Unser Bildungssystem ist in Verruf geraten. Aber den Kindern hilft das mediale Schulbashing nicht. Wie sollen Eltern damit umgehen?

  • Herr Gfeller, wie arbeiten Lehrer und Eltern besser zusammen?
    Vielen Lehrpersonen machen die hohen Anforderungen an ihren Beruf zu schaffen, sie sind Burn-out-gefährdet, steigen aus. «Es reicht heute nicht mehr, eine ambitionierte Lehrperson zu sein, die ihren Beruf liebt», sagt Urs Gfeller von der Pädagogischen Hochschule Bern. Der Pädagoge über den allgemeinen Autoritätsverlust, zu hohe Ideale und wichtige Sätze am ersten Elternabend.

0 Kommentare

Zugehörige Tags

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren

Diese Webseite nutzt Cookies. Cookies werden zur Benutzerführung und Webanalyse verwendet und helfen dabei, diese Webseite zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit unserer Cookie-Police einverstanden. Mehr Infos hier.