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Elternbildung

Erziehen ohne Strafe – die häufigsten Einwände

Viele Eltern sind skeptisch und können sich nicht vorstellen wie eine Erziehung ganz ohne Strafen funktionieren soll. Die Psychologin Nadine Zimet geht hier auf die häufigsten Vorbehalte ein.
Text: Nadine Zimet Bild: Gabi Vogt/ 13Photo

1. Eltern haben weder die Zeit noch die Nerven, jedes Fehlverhalten ihres Kindes ausführlich zu bereden.

Tausendmal das Gleiche zu sagen (wie etwa: «Wasch die Hände!», «Sei nicht so grob!», «Stell den PC ab!»), kostet auch viel Nerven, Ärger und Zeit. Fehlverhalten entsteht immer aus einem Bedürfniskonflikt zwischen Eltern und Kind. Das Gespräch über Bedürfnisse und Strategien bringt Verständnis, Verbundenheit und die Bereitschaft, andere Strategien zu entwickeln, die für alle akzeptabel sind und somit nicht mehr zu Fehlverhalten führen. Die Zeit, die es braucht, um dies zu lernen, ist eine schöne Zeit. Wir entschleunigen und vereinfachen die Kommunikation. Denn für Kinder sprechen wir immer zu schnell, zu viel und am Thema vorbei. Teilen wir ihnen unsere Bedürfnisse nicht mit, bleiben wir für sie wie ein versiegeltes Buch. Zwar spüren sie unsere Wut, aber sie verstehen nicht, welche Bedürfnisse hinter unserer Wut schlummern und nicht respektiert worden sind. Dieses Verständnis ist der erste Schritt, um Konflikte langfristig zu lösen, Fehlverhalten zu vermeiden oder nachhaltig zu ändern.

2. Eine Konfliktlösung in wenigen Schritten ist nicht praktikabel, weil sich im Alltag mit Kindern laufend neue Konflikte ergeben, die nach einer raschen Lösung verlangen.

Die Schritte sind leicht verständlich und mit etwas Übung schnell durchgeführt, während sich Machtkämpfe jedoch wiederholen, Sieg und Niederlage entzweien und die Stimmung verderben.

3. Gerade weil Kinder ihre Bedürfnisse oft nicht kennen, brauchen sie klare Ansagen von Erwachsenen.

Es lohnt sich, die Zeit aufzubringen, um Kinder in Kontakt mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen zu bringen und ihnen Wege zu zeigen, wie sie diese erfüllen und gleichzeitig auch die Bedürfnisse anderer respektieren können. Das macht Kinder empathisch, autonom und stark.

4. Spätestens dann, wenn Kinder, die ohne Bestrafung aufwachsen, in einer Konfliktsituation auf Kinder treffen, die «herkömmlich» erzogen wurden, funktioniert die Methode nicht.

Kinder lernen schneller als Erwachsene. Sie werden zu Experten im Lösen von Konflikten. Sie sagen, was sie fühlen und brauchen, ohne die anderen anzuklagen, und wissen, wie sie für sich Verantwortung übernehmen können.
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5. Es wird Eltern niemals gelingen, das Umfeld ihres Kindes (Schule, Nachbarschaft) in ihre straflose Erziehungsmethode einzubeziehen.

Familien, die gelassen reagieren, sind beliebt und inspirieren durch ihre besonnene Art Nachbarschaft und Schule.

6. Kinder sind auf authentische Reaktionen von Erwachsenen angewiesen. Diese dürfen auch einmal wütend ausfallen. Echte, authentische Interaktion geht verloren, wenn Eltern jedes Mal versuchen, ein Problem vernünftig mit dem Kind zu reflektieren.

Wenn Vater oder Mutter wütend sind, fühlt sich das Kind schuldig, weil es denkt, dass es etwas falsch gemacht hat und sich ändern muss. Diese Schuldgefühle überfordern das Kind. Authentisch wäre es, zu sagen: «Ich bin wütend, weil ich jetzt dringend Ruhe brauche», und mit dem Kind darüber zu sprechen und ihm Zeit zu geben, dies zu verstehen.

7. Nicht jeder Konfliktsituation mit Kindern liegt ein tieferes kindliches Bedürfnis zugrunde. Manchmal wollen Kinder einfach nur Grenzen austesten, eine Reaktion provozieren, ausprobieren, wie weit sie gehen können.

An dem Punkt ist der Machtkampf, wer der Stärkere ist und wer recht behält, bereits in vollem Gange …

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