Während der Pubertät geht die zunehmende Selbständigkeit der Jugendlichen mit Risikofreude einher: Neugieriges Ausprobieren gehört ganz selbstverständlich zum Mindset. Social Media und Internet sind beliebte Abenteuerspielplätze, was in den meisten Fällen völlig okay ist.
Allerdings lauern ernst zu nehmende Gefahren auf die Jugendlichen. Denn das Netz ist ein Abbild der Realität, wir finden auch hier Menschen mit unlauteren Absichten. Kinder sind besonders gefährdet, weil ihnen Misstrauen mitunter fremd ist. Darauf zielen Cyberkriminelle ab.
Eine 7-Jährige interessiert sich nicht für Liebesfallen im Internet, ein 13-Jähriger schon.
Kinder vor jeder Gefahr zu schützen, ist unmöglich und aus erzieherischer Sicht auch nicht immer sinnvoll. Aber die Jugendlichen müssen lernen, was auf sie zukommt und in welchem Moment die Alarmglocken läuten sollten.
Drei Betrugsmaschen sind besonders perfid und weit verbreitet. Sprechen Sie mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter altersgerecht über die Problematik. Das heisst: Eine 7-Jährige interessiert sich nicht für Liebesfallen im Internet, ein 13-Jähriger schon.
Sextortion: Gefährliche Liebschaften
Sextortion setzt sich aus den beiden englischen Wörtern «sexual» und «extortion» (Erpressung) zusammen. In der Pubertät kann es vorkommen, dass man einen Onlinekontakt sympathisch und nett findet. «Schickst du mir ein Bild von dir, am besten ohne Kleider?», klingt es aus dem Chat, und weil Liebe blind macht, gibt man dem Wunsch nach. Kaum ist das Bild gesendet, wechselt der Ton. Plötzlich steht die Drohung einer Veröffentlichung im Raum.
Diese Betrugsmasche ist weit verbreitet und zielt speziell auf jüngere Menschen im Alter von 12 bis 17 Jahren. Die polizeiliche Kriminalstatistik geht davon aus, dass rund 85 Prozent der Opfer von Cybersexualdelikten unter 20 Jahre alt sind. Die James-Studie 2024 fand zudem heraus, dass 25 Prozent aller Jugendlichen bereits einmal aufgefordert wurden, erotische Bilder von sich zu versenden.
Die männlichen Opfer werden meist mit Geldforderungen erpresst; bei jungen Frauen geht es häufiger um die Forderung nach immer expliziteren Bildern. Täter und Opfer sind oft miteinander bekannt. Gedroht wird in beiden Fällen mit der Veröffentlichung der Fotos.
Interaktive Lernmodule
Phishing: Die Jagd nach geheimen Daten
Viele Jugendliche verfügen bereits über ein eigenes Bankkonto, auf dem sie ihr Sackgeld, den Lohn für den Ferienjob oder den Sparbatzen der Grosseltern beiseitelegen. Genau darauf haben es manche Betrüger abgesehen.
Die Masche ist einfach, aber sehr effektiv: Ein Mail sieht exakt so aus, als ob es von der Bank kommt. Alles ist perfekt nachgebildet und wirkt vertrauenswürdig. Unter einem Vorwand wird nach dem Passwort gefragt. Und weil man am Wettbewerb mitmachen oder das Sicherheitsproblem abwenden will, gibt man seine Daten preis. Und gewährt damit den Cyberkriminellen den vollen Zugriff auf das Bankkonto.
Schockanrufe von Cyberkriminellen: Das Kind als Köder
Nicht nur Jugendliche sind im Visier der Betrüger, auch die Eltern. Mit sogenannten Schockanrufen wird uns Eltern vorgegaukelt, dass unsere Tochter oder unser Sohn in einen Unfall verwickelt ist. Man benötige eine Spezialanwältin, um die Sache rasch und ohne Richter regeln zu können. Hierzu müsse man sofort 10 000 Franken überweisen beziehungsweise übergeben. Und weil uns Eltern unsere Kinder alles wert sind, tun wir wie verlangt. Um dann festzustellen, dass an der ganzen Geschichte gar nichts dran ist und das Kind wie vereinbart auswärts übernachtet hat.
9 Tipps für mehr Sicherheit
Sextortion
1. Wissen aufbauen: Zeigen Sie Ihrem Kind, dass nicht immer alles so ist, wie es scheint.
2. Niemals erotische Bilder: Definieren Sie diese rote Linie gemeinsam mit Ihrem Kind; auch wenn das Gegenüber bekannt ist.
3. Stop – Block – Tell: Austausch abbrechen und User sperren. Bei Erpressung die Polizei einschalten.
Phishing
4. Zweifeln Sie: Banken fragen nie nach Passwörtern.
5. Schauen Sie hin: Prüfen Sie den Absender des E-Mails peinlich genau.
6. Weitere Alarmzeichen: Seien Sie vorsichtig, wenn dramatisiert wird. Achten Sie auf Schreibfehler oder eine unpassende Anrede.
Schockanrufe
7. Prüfen: Stellen Sie fest, wer Sie anruft. Rufen Sie dann zurück. Oft wird das nicht funktionieren.
8. Fragen: Mittels KI kann man die Stimme Ihres Kindes perfekt nachahmen. Stellen Sie eine Frage, die nur Ihr Kind beantworten kann.
9. Misstrauen: Soll Geld in bar übergeben werden? Sollen Sie das Geld auf ein ausländisches Konto überweisen? Das ist suspekt.







