Psychologie

Was tun, wenn die Tochter den Lebensmut verliert?

Wenn ein Kind depressiv wird, stellt das die ganze Familie vor eine grosse Herausforderung. Die Suche nach der Ursache hilft oft wenig. Wichtig ist Vertrauen – und dass das Kind die Depression nicht zu seiner Identität macht.
Text: Jesper Juul
Illustration: Petra Dufkova/Die Illustratoren
Die Mutter der 16-jährigen Anna schreibt, ihre Tochter sei plötzlich depressiv geworden. Dabei sei Anna bisher eher wie Pippi Langstrumpf gewesen: stark und unabhängig. Anna und ihre zwei Geschwister (12 und 14 Jahre) hatten immer den Raum und die Möglichkeit, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

Anna ist schön, intelligent und gut in der Schule, sagt die Mutter. Sie wusste bereits sehr früh, was sie will. Es war ein grosser Schock für die Familie, als Anna von einem Tag auf den anderen so deprimiert wurde und der Mutter erzählte, dass sie sogar ab und zu an Selbstmord denke. Sie wisse plötzlich nicht mehr, was sie tun solle, und fühle sich falsch. Die Eltern von Anna und auch ihre Geschwister finden nicht, dass Anna alles falsch mache. Sie fühlen sich deswegen verwirrt und hilflos. Die Mutter arbeitet im Gesundheitswesen und der Vater hat einen Bauernhof. Natürlich gab es auch in der Familie von Anna immer wieder Streitigkeiten, Höhen und Tiefen, aber schlimm seien ­diese nicht gewesen, sie hätten alle daraus gelernt. 
Eine Lebenskrise kann durch ein traumatisches Erlebnis ausgelöst werden – aber auch aus heiterem Himmel hereinbrechen.
Anna war bei einem Psychiater, der ihr Antidepressiva verschrieben hat, und sie geht nun einmal die Woche zu einem Psychologen. Der Vater macht jeden Tag einen langen Spaziergang mit ihr und alle Familien­mitglieder reden viel miteinander. Dieser Zustand dauert nun seit vier Monaten an und die ganze Familie ist sehr angespannt und verstört. Doch das Schlimmste, so die Mutter, sei die Angst um Anna: die Angst davor, dass sie sich tatsächlich das Leben nimmt. Deshalb hat die ganze ­Familie dauernd ein Auge auf den Teenager. Die Eltern fragen sich, was sie falsch gemacht haben.

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