«In Australien ist das Leben zu 99 Prozent normal»
Familienleben

Serie: Familien und Corona weltweit – Teil 2

«In Australien ist das Leben zu 99 Prozent normal»

Wie geht es Familien im Ausland in der Corona-Zeit? Was wünschen sie sich und wie werden sie Weihnachten verbringen? Wir haben uns auf die Suche gemacht und einige Familien in anderen Ländern befragt. Hier berichtet Sabrina Forlin, wie die Situation in Australien aussieht.
Redaktion: Hanna Lauer
Bilder: Sabrina Forlin
Sabrina Forlin, 38, ist Marketingspezialistin an einer Universität. Vor neun Jahren ist die Schweizerin nach Australien ausgewandert. Zusammen mit ihrem Partner Jonathan Miller, 40, und den beiden Kindern Luca, 4, und Luna, 2, lebt sie im australischen Brisbane. Hier führt der gebürtige Engländer Jonathan Miller einen Herrencoiffeursalon.

Wie ist aktuell die Situation mit dem Coronavirus in Ihrem Land?

Wir wohnen im australischen Brisbane im Bundesstaat Queensland. Die Corona-Situation tangiert uns fast gar nicht – wir haben sehr wenige aktive Fälle. Bei uns besteht auch keine Maskenpflicht und das Leben fühlt sich zu 99 Prozent normal an. Uns wird freigestellt, ob wir im Büro oder im Homeoffice arbeiten möchten. Ich selber arbeite an einer Universität im Marketing, aber vorwiegend von zu Hause aus. So machen es auch 80 Prozent meiner Arbeitskolleginnen und -kollegen. Ich glaube, die Leute bevorzugen Homeoffice, auch wenn Corona gar kein Thema wäre.
Luca und Luna können normal in die Kita.
Luca und Luna können normal in die Kita.
Die Grenze zum Nachbarsstaat New South Wales (dort liegt auch Sydney) wurde Anfang Dezember wieder geöffnet. Andere Bundesstaaten waren stärker betroffen, im Bundesstaat Victoria mit der Stadt Melbourne, zum Beispiel, wurden die Massnahmen erst kürzlich gelockert.

Wie ist die Arbeitssituation bei Ihnen und Ihrem Partner?

Jonathan arbeitet fünf Tage pro Woche. Er ist selbständig und arbeitet von Dienstag bis Samstag in seinem Herrencoiffeursalon. Ich arbeite drei Tage pro Woche, Montag bis Mittwoch, vorwiegend im Homeoffice. Manchmal muss ich für ein Meeting an die Uni.
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Wie ist die Kinderbetreuung organisiert?

Die Kinder sind Dienstag, Mittwoch und Donnerstag in der Kita.

Wie nah ist Corona? Waren Sie selber schon in Isolation oder Quarantäne?

Wir sind glücklicherweise alle negativ. Bei uns ist Corona wirklich weit entfernt. Im März mussten wir Erwachsenen in Queensland alle vorsichtshalber für fünf Wochen in Quarantäne, aber die Kita war dennoch offen und die Regierung erliess uns die Kitagebühren.

Weihnachten steht vor der Tür: Wissen Sie schon, wie Sie feiern werden?

Wir werden unsere Weihnachten entweder mit Freunden am Meer oder in der Nähe eines Pools verbringen. Zur Weihnachtszeit herrschen bei uns in Brisbane heisse 35 Grad. Unsere Familien in der Schweiz und in England können nicht mit uns feiern, aber das sind wir uns gewohnt. Darum verbringen wir die Festtage jeweils mit befreundeten Familien.

Wie erleben Sie die Situation als Ganzes: Hat Corona dem Familienleben ungewohnte Türen geöffnet oder eher für zusätzlichen Stress gesorgt?

Für uns persönlich hat sich nicht vieles geändert, ausser, dass wir nicht wie geplant im Juni in die Schweiz reisen konnten. Und dennoch ist es schwierig mitanzusehen, wie es in anderen Ländern – speziell auch in unseren Heimatländern, zu und hergeht. Besonders, weil bei uns in Australien mittlerweile alles unter Kontrolle ist, was Corona betrifft.
Die Familie ist froh, dass Corona den Alltag in Australien aktuell nicht gross beeinflusst.
Die Familie ist froh, dass Corona den Alltag in Australien aktuell nicht gross beeinflusst.
Ich denke, in Australien konnte dank rigorosem Contacttracing und harten Lockdowns (Melbourne war insgesamt rund fünf Monate im Lockdown!) die Krise recht gut bewältigt werden – hoffen wir, es bleibt so.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Dass wir unsere Familien besuchen können und ohne Einschränkungen reisen dürfen.
Lesen Sie in Teil 3 unserer Serie Familien im Corona-Alltag auf der ganzen Welt, wie die Situation in Amerika aussieht. Alle bisher erschienen Familienporträts können Sie hier nachlesen: Familien und Corona weltweit. 

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