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Familienleben

Fünf Mythen über Geschwister

Das Jüngste wird verwöhnt und das Älteste ist das Klügste? Claudia Landolt klärt den Wahrheitsgehalt von fünf Geschwistermythen.
Text: Claudia Landolt
Bilder: Gabi Vogt / 13 Photo
Mythos 1
Der Älteste ist immer der Intelligenteste.


Das sagt der Experte: «Intelligenz ist fluider als angenommen», sagt Jürg Frick, Pädagoge, Psychologe und Geschwisterforscher aus Zürich. Die Annahme, dass Erstgeborene intelligenter sind, sei unbrauchbar und gehöre in die Rumpelkiste. «Das ist viel komplexer und wohl nie ganz zu verstehen.»


Mythos 2
Einzelkinder sind verwöhnt.

Das sagt der Experte: «Einzelkinder sind besser als ihr Ruf», sagt Jürg Frick. Zwar neigten die Eltern dazu, es materiell zu verwöhnen. Doch ohne Geschwister lernten sie viel schneller, auf andere Kinder zuzugehen, um nicht allein spielen zu müssen. Auch ohne Geschwisterrivalen entwickeln die Kinder eine innige Beziehung zu ihren Eltern.
Liebe und Rivalität: Sophie mit ihren Brüdern Lorenz (l.) und Matthias.
Liebe und Rivalität: Sophie mit ihren Brüdern Lorenz (l.) und Matthias.
Mythos 3
Eltern haben ihre Kinder gleich lieb.

Das sagt der Experte: «Eltern haben zu jedem Kind eine andere Bindung», sagt der Sozialpädagoge und Autor Joachim Armbrust. Oft sei das situationsabhängig, meist aber auch grundsätzlich. Sei es, weil sie sich im Charakter stark ähnlich sind, oder sei es, weil die Geburt sehr prägend war. «Das merken auch die anderen Geschwister. Deshalb sollte man es auf keinen Fall verleugnen, sondern erklären, woher diese Bindung stammt und gleichzeitig dem anderen Kind vermitteln, dass es genauso wertvoll für die Eltern ist, auch wenn man anders mit ihm umgeht», so Armbrust.


Mythos 4
Nesthäkchen haben es einfacher.

Das sagt der Experte: Vielleicht werden sie zwar mit mehr Nachsicht behandelt, doch sie fühlen sich oft benachteiligt. «Es ist die Kombination von Vor- und Nachteilen, die Geschwisterbeziehungen für die Persönlichkeit eines Menschen so prägen», sagt Psychologe und Pädagoge Hartmut Kasten. Oft sähen die Geschwister nur die negativen Seiten. In Wahrheit profitierten aber alle Geschwister voneinander, ganz gleich, ob älter oder jünger.


Mythos 5
Die Eifersucht nimmt ab, je älter die Kinder werden.

Das sagt der Experte: «Eifersucht ist nie überstanden», weiss Joachim Armbrust. Auch wenn man als Erwachsener die Gründe für eine Ungleichbehandlung einordnen oder sogar verstehen und nachvollziehen kann – die Eifersucht beschäftige Geschwister ein ganzes Leben lang. Manchmal sogar nach dem Tod der Eltern, sagt der Experte.



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