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Unterwegs

Wie Familienferien gelingen

In die Berge? Oder auf den Bauernhof? Mit dem Planwagen oder lieber mit dem Velo? Das Angebot an Familienreisen ist riesig. Fritz+Fränzi zeigt Ihnen die neusten Trends. Und sagt, worauf Sie bei der Planung achten müssen.
Text: Virgina Nolan
Familien mit Kindern machen Lärm, haben Sonderwünsche, und obendrein sitzt ihnen der Geldbeutel nicht ganz so locker. Umso mehr erstaunt es, wie die Tourismusbranche sie dieser Tage umgarnt. Prospekte für Familienferien flattern ins Haus, in Bahnhofshallen hängen Plakate, von denen selig Mutter, Vater und Kind lächeln – beim Biken, Wandern oder Sandburgenbauen. «Reiseanbieter haben Familien als Zielpublikum neu entdeckt», sagt Damian Pfister, Vizedirektor bei der Reka. «Lange waren sie aufgrund ihrer geringen Kaufkraft uninteressant. Heute gibt es immer mehr Familien, die für ihre Ferien tiefer ins Portemonnaie greifen.» Die Reka merkt dies laut Pfister etwa an der steigenden Zahl an Konkurrenten: «Früher konnten wir ein Feriendorf eröffnen, und es funktionierte fast überall. Das ist nicht mehr so einfach. Alle buhlen um Familien.» Diesen Eindruck bestätigt Schweiz Tourismus (ST). «Es ist eine eher neue Entwicklung, dass Familien so begehrt sind», sagt Sprecher Alain Suter. Als weitere gute Nachricht hält er bereit, dass auch die Angebote fürs kleine Budget so vielfältig wie nie seien. In der Tat: Ich kenne keine Familie, die sich Ferien nicht leisten könnte. Aber dafür zahlreiche, die sich darüber den Kopf zerbrechen, wie der ideale Urlaub aussehen soll. Im Dschungel der Möglichkeiten eine gescheite Wahl zu treffen, darin scheint für uns Glückliche die Herausforderung zu liegen. Fritz+Fränzi leistet an dieser Stelle Entscheidungshilfe – mit Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Familienferien.

Wohin geht's?

Das, was die anderen treiben, beeinflusst auch unsere Konsumentscheidungen. Beim Reisen ist das nicht anders – und offenbar ist der Katzensprung ein Trend. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? 2013 waren 64 Prozent der Familien, die in der Schweiz Ferien machten, Einheimische. Das besagt der «Tourismus Monitor Schweiz 2013», eine Umfrage von Schweiz Tourismus, an der 14 000 Feriengäste teilnahmen. Zudem zeige sich, sagt Sprecher Suter, dass Familien ihre Ferien vermehrt «auf eigene Faust gestalten», etwas entdecken wollten, ohne dass sie jemand dazu anleite. Ähnliches ergibt die Nachfrage beim Reiseveranstalter Hotelplan Suisse. «Pauschalreisen werden weniger gebucht», sagt Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir, «der Wunsch nach Individualität ist gross.» Und: Hotelplan Suisse zählt über 40 Prozent Kunden, die mit dem Auto verreisen.

Was passt zu uns?

«Familien wollen zurück zur Natur», da ist sich ST-Sprecher Suter sicher, «der Bio-Lifestyle liegt voll im Trend.» Wenn Ihnen da jemand aus der Seele spricht, freuen Sie sich, denn es gibt eine ganze Menge von Ferienangeboten im Grünen. Die umfassendste Übersicht bietet www.agrotourismus.ch mit sämtlichen Übernachtungsmöglichkeiten auf Schweizer Bauernhöfen, vom Schlafplatz im Stroh bis zur komfortabel eingerichteten Ferienwohnung.

Eine weitere Möglichkeit, Tiere und Natur hautnah zu erleben, sind Ferien mit Pferd und Planwagen. Der Veranstalter www.eurotrek.ch bietet das Abenteuer im Jura und im Ausland an. Die Familie bereist mit Pferd und Wagen eine Route ihrer Wahl und lernt mit ein paar Kniffen das Kutscherhandwerk. Geschlafen und gegessen wird bei Bauernfamilien.
Erleben Familien im Urlaub dasselbe wie zu Hause, sind Spannungen vorprogrammiert.
Wem die Rösser nicht geheuer sind, der setzt auf den Drahtesel. Spezialisten in Sachen Familien-Veloferien sind www.baumeler.ch oder www.twerenbold.ch. Beim Anbieter www.swisstrails.ch ist der Gepäcktransport inklusive, Kooperationspartner sind unter anderem Schweizer Ferien-Bauernhöfe, die sportlichen Familien ein gemütliches Nachtlager bieten.

Auch auf Sonnenhungrige wartet eine Riesenauswahl, buchbar etwa auf www.hotelplan.ch oder www.tui.ch. Am günstigsten sind Pauschalreisen, im Preis inbegriffen sind wahlweise nur Flug und Übernachtung oder gleich jeder Drink an der Bar. Im Allinclusive-Resort wird die Rasselbande dauerbespasst und ist irgendwann so hundemüde, dass den Eltern nur noch der Job bleibt, sie ins Bett zu schaffen. Das gibt Müttern und Vätern mehr Freiraum – den aber nicht alle geniessen können, weil in manchem Familienresort die Betriebsamkeit einer Bahnhofshalle herrscht.
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Kinder wollen im Urlaub Spass haben – und etwas erleben.
Kinder wollen im Urlaub Spass haben – und etwas erleben.

Wer bestimmt?

Der Spass der Kinder steht zuoberst auf der Prioritätenliste, die Erholung der Eltern zuunterst. Dies legt eine Umfrage der deutschen Ferienhausvermittlung FeWodirekt nahe, die letztes Jahr 1800 Mütter zu ihren Sommerferien befragte. 60 Prozent der Frauen war es am wichtigsten, dass die Kinder glücklich sind, nur ein Drittel von ihnen dachte auch an die eigene Erholung, und magere 13 Prozent erhofften sich etwas Zweisamkeit mit dem Partner. Tobias Wann, Deutschland-Chef von FeWo-direkt, erklärt: «Familien befinden sich im ständigen Spagat zwischen Beruf, Schule, Kinderbetreuung und Hausarbeit. Sie haben nur wenige Gelegenheiten, das Zusammenleben ausgiebig zu zelebrieren. Ein Urlaub ermöglicht es ihnen.» Die Beweggründe sind nachvollziehbar, doch wenn Eltern dasselbe erwartet wie zu Hause – kochen, putzen, alles im Auge behalten – sind Spannungen vorprogrammiert.

Ein schlauer Mittelweg bei erschöpflichem Budget könnten zum Beispiel Ferien in einem Reka-Dorf sein. Da hat sich in Sachen Wohnkomfort viel getan, und vielerorts gibt es noch mehr Entlastungsangebote für Eltern. Dazu gehören neben der kostenlosen Kinderbetreuung neuerdings auch gastronomische Angebote für alle, die nicht selbst kochen wollen. Auch viele Schweizer Jugendherbergen haben sich ein neues Kleid verpasst und dürften vor allem Teenager begeistern. Um- oder neugestaltete Häuser wie in Gstaad, Basel oder Saas-Fee sind die Würfe gefeierter Architekten. Grosses Design für kleines Geld – auch darin kann für Eltern ein Mehrwert liegen.

Was darf es kosten?

Der Preis bleibt für Schweizer eines der Hauptkriterien, wenn es um Ferien geht. Das zweitwichtigste sogar, wenn es nach dem «Tourismus Monitor Schweiz 2013» geht. Familien geben diesem zufolge rund zehn Prozent weniger aus als der Durchschnittstourist, die meisten von ihnen zwischen 50 und 99 Franken pro Tag. Auch der Reiseveranstalter Hotelplan Suisse analysierte 2012 die Ausgabebereitschaft von Familie Schweizer und kam auf 3000 Franken pro Jahr, die eine vierköpfige Familie mit einem Monatseinkommen von 4500 Franken für Ferien ausgeben kann. Dem Durchschnittsschweizer liegt der gute Deal am Herzen. Geht es Ihnen genauso, kommen Sie leider nicht umhin, das Internet zu durchforsten. Unsere Tipps (siehe Box 1 unten) erleichtern dieses Unterfangen.

Für Sparfüchse lohnt sich ausserdem ein Besuch bei unseren Nachbarn: Gemäss Angaben von Österreich Tourismus etwa sind Ferien für Schweizer rund 20 Prozent billiger geworden, seit der fixe Franken-Wechselkurs zum Euro aufgehoben wurde. Schöne Angebote finden Familien auf www.familien-kinderhotels.at oder www.austria.info/familienferien. Unter dem Motto «Bachbett statt iPad» etwa erleben Gross und Klein die Natur mit allen Sinnen, machen Feuer und baden in Wildbächen, und auf Wunsch geht’s mit dem Wildnis-Pädagogen ab in den Wald, wo die Kinder Tiere beobachten und lernen, deren Spuren zu lesen.
Für Sparfüchse lohnt sich ein Besuch bei unseren Nachbarn in Österreich.

Was heisst kinderfreundlich?

Früher waren Kinder ein lästiges Anhängsel, heute bezeichnen Touristiker sie als Gäste von morgen. Das ist schön – wer böse Überraschungen vermeiden will, tut trotzdem gut daran, seinen Gastgeber im Vorfeld unter die Lupe zu nehmen. Mit dem Gütesiegel «Swiss Family Hotels» etwa dürfen sich nur Häuser schmücken, die Sie mitsamt Rasselbande willkommen heissen – und die für diese auch ausgerüstet sind. Ausserdem hat der Schweizer Tourismus-Verband bisher 21 Ferienorte als familienfreundlich gekürt, sie tragen das Label «Familien willkommen» und garantieren eine familienfreundliche Infrastruktur im Dorf, zu der Kinderbetreuung, vielfältige Erlebnismöglichkeiten und preiswerte Pauschalangebote gehören. Hotels und Ferienorte sind einsehbar auf www.myswitzerland.com/familien

Was gibt's für Alleinerziehende?

«Mama/Papa hat Vortritt» heisst das Angebot, mit dem die Reka alleinerziehenden Müttern und Vätern mit Kindern ab drei Jahren günstige Ferien ermöglicht. Auch im malerisch über dem Bodensee gelegenen Seminarhotel Sonneblick Walzenhausen (www.sonneblick-walzenhausen.ch) sind Einelternfamilien willkommen. Viel Abenteuer für kleines Geld gibt’s ausserdem im Singleparentshouse Amden (www.singleparentshouse.ch), wo Eltern und Kinder mitten im Wander- und Skigebiet wohnen. Wer in die Ferne schweifen möchte, findet neuerdings auch beim Reiseveranstalter Hotelplan Suisse Arrangements für Alleinerziehende.

Wie gelingen Ferien zu Hause?

Auch Ferien auf Balkonien machen Spass, wenn die Eltern gute Ausflugsideen auf Lager haben. Tolle Anregungen geben die Portale www.familienleben.chwww.freizeit.ch oder die kostenlose App «Family Trips» von Schweiz Tourismus mit über 1200 Ausflugszielen, zum Herunterladen auf www.myswitzerland.com/mobile. Im Kanton Zürich warten auch die lokalen Verkehrsbetriebe mit einer aufschlussreichen Webseite auf: www.ausflugstipps.zvv.ch. Viel zu erleben gibt’s ausserdem am Hallwilersee, wo die Sozialpädagogin Christine Güttinger die Seite www.momo-erlebnisse.ch betreibt und Familien aussergewöhnliche Erlebnisse in der Natur ermöglicht. Für Tagesausflüge mit dem Velo lohnt sich ein Blick auf www.velokids.ch. Die Routen sind allesamt familienfreundlich.

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Virgina Nolan
dachte einmal, dass sich Familienferien und Erholung ausschliessen. Der Erstversuch mit Kind und Hund ist aber gut gelungen.

Fotos: Swiss-Image



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