Der Wechsel zwischen Papa und Mama ist für die Kinder zentrak, sagen Kinder- und Jugendpsychiater Thomas Hess und die Psychotherapeutin Claudia Starke. Die beiden wissen aus Erfahrung, wovon sie sprechen: Sie arbeiten gemeinsam in einer Praxis in Wädenswil ZH und sind spezialisiert auf Patchworkfamilien. Privat sind sie ein Paar und leben selbst als Patchworkfamilie. Folgende Punkte sollten Eltern laut Hess und Starke beachten:
1. Ruhig und sachlich bleiben
Kinder sollten bei den Übergaben erleben, dass die Eltern ruhig und sachlich miteinander sprechen können.
Themen, die zu Konflikten führen könnten, nicht im Beisein der Kinder ansprechen, sondern ein separates Gespräch dafür vereinbaren.
2. Höflich sein, wie bei einem Arbeitskollegen
Bei schwierigen Situationen hilft folgendes Gedankenexperiment: Mit dem oder der Ex so umgehen wie mit jemandem bei der Arbeit, den man nicht sonderlich mag – höflich grüssen, sich die Hand geben und anständig miteinander sein.
3. Konfliktreiche Themen separat besprechen
Themen, die zu Konflikten führen könnten, nicht im Beisein der Kinder ansprechen, sondern ein separates Gespräch dafür vereinbaren.
4. Ein Übergaberitual etablieren
Übergaberituale etablieren: Zusammen einen Kaffee trinken oder gemeinsam essen. Bei dieser Gelegenheit kann auch Organisatorisches oder Erlebtes besprochen werden.
5. Parentifizierung vermeiden
Der Austausch über Relevantes für den Alltag oder den Gesundheitszustand der Kinder liegt in der Verantwortung der Eltern. Kinder können ansonsten in die Rolle gedrängt werden, dies zu übernehmen.
6. Keine Gartenzaun-Übergaben
Keine Gartenzaun-Übergaben, also Übergaben ohne Kontakt zwischen den Erwachsenen.
7. Übergangszeit einplanen
Übergangszeit einplanen: Kinder benötigen Zeit, in der Welt des anderen Elternteils anzukommen. Dazu braucht es Abstand vom Elternteil, der zurückbleibt. In dieser Zeit können sie aufgeregt, überdreht oder weinerlich sein.
Dieses Verhalten darf nicht dem Ex-Partner angekreidet werden, indem man zum Beispiel sagt: «Das Kind tut immer blöd, wenn es vom Vater kommt, weil dieser es verwöhnt hat oder zu streng war.» Vielmehr ist es ein Zeichen, dass das Kind die Papi-Welt noch loslassen muss, um sich langsam auf die Mami-Welt einstellen zu können.







