Medienerziehung

Influencer als Erziehungshelfer

Viele Kinder und Jugendliche folgen Influencern, die eine Scheinwelt aus Schönheit und Konsum vortäuschen. Ein Problem? Nein, eine Chance!  
Text: Michael In Albon
In Zusammenarbeit mit Swisscom

Bild: Instagram @zoepastelle
In der Influencer-Welt dreht sich alles um den schönen Schein. Mode, Kosmetik, Food: Das ist die heilige Dreifaltigkeit, in der sich die Instagram- und Youtube-Szene der Influencer bewegt. Die Währung sind Follower und Klicks: Je mehr Follower eine Influencerin oder ein Influencer hat, desto mehr Geld verdient sie oder er mit geschickt platzierter Werbung. 

Früher, im Fernsehen und im Kino, nannte man dies Schleichwerbung. Aber Instagram sieht das alles nicht so eng – genauso wenig wie die Influencer selbst. Solche Werbeverträge bringen Influencern oft Millionen ein.

Die Begeisterung ernst nehmen

Viele der Follower sind jung bis sehr jung. Für Eltern stellt sich die Frage: Kann mein Kind zwischen der schönen Scheinwelt der Influencer und der Realität unterscheiden? Oder nimmt es die Bilder und Videos als reale Vorlagen für sein eigenes Leben?

Instagram, Youtube und Influencer gehören zur Jugendkultur. Ist so. Dies als Eltern abzulehnen oder zu belächeln, bringt nichts. So provoziert man höchstens eine Trotzreaktion – und den heimlichen Konsum der Posts und Videos. Es empfiehlt sich, die Begeisterung der Buben und Mädchen ernst zu nehmen und sich für deren digitale Vorbilder zu interessieren.

Ernst nehmen heisst Fragen stellen: Was tut diese Person? Was gefällt dir speziell gut an ihr? Warum findest du diese Person interessant? Möchtest du auch so sein? Die Antworten erzählen viel über das Kind. 

Lass uns reden!

Auf diese Art ergibt sich vielleicht sogar die Möglichkeit, über Sehnsüchte und Ängste zu sprechen und Themen anzuschneiden, die zwischen Pubertierenden und Eltern schwierig sind. Viele Influencer strahlen eine aufgesetzte gute Laune aus, sehen wahnsinnig gut aus und haben ganz tolle Freunde. Diese Stossrichtung ist eiskalt kalkuliert: Pubertierende (und auch junge Erwachsene) sind sehr häufig in diesen Bereichen stark verunsichert und suchen sich diesbezüglich Vorbilder.

Das Kind muss Helden haben, zu denen es hochblicken kann. Wir Eltern müssen aber schauen, dass sie dies nicht blind tun. Viele Influencer übertreiben es mit ihren Botschaften und die Posts sind häufig nicht mehr als plumpes Product-Placement. Darauf dürfen, nein, müssen Eltern hinweisen.

So gesehen haben Influencer einen positiven Effekt: Sie lassen uns in den Familien mit einiger Distanz über Werte, Interessen und Wünsche sprechen, ohne dass es immer gleich ein «Kind, wir müssen reden!»-Gespräch wird.

Auf Medienstark finden Sie Tipps und interaktive Lernmodule für den kompetenten Umgang mit digitalen Medien im Familienalltag.
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Michael In Albon ist Beauftragter Jugendmedienschutz & Experte Medienkompetenz von Swisscom.
facebook.com/michaelinalbon
twitter.com/MichaelInAlbon

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