«Hilfe, mein Sohn fotografiert seinen Penis!»

Wahrscheinlich will Ihr Sohn ja bloss wissen, wie sein gutes Stück aus einer anderen Perspektive ausschaut. Das kann man nachvollziehen und ist per se noch kein Grund zum Verzweifeln. Im Kontext der ganzen #MeToo-Debatte kann ich Ihre Sorge allerdings nachvollziehen. Die einzige Art damit umzugehen ist, mit Ihrem Sohn zu sprechen und ihm klarzumachen, dass Geschlechtsteile kein gutes Sujet für SMS sind. Erzählen Sie ihm, dass Nackt-Selfies schon den Badener Stadtammann Geri Müller und noch weit mächtigere Männer zu Fall gebracht haben.

Sie haben Ihren Sohn in einer Situation angetroffen, die Ihnen beiden unangenehm war. Wahrscheinlich gibt es einen Teil in Ihnen, der dem Sohn gerne vertrauen möchte und auf seine Vernunft baut, und einen anderen Teil, der sich Sorgen über «jugendlichen Leichtsinn» mit ernsthaften Folgen macht. So schwer es Ihnen fallen mag: Fassen Sie sich ein Herz und sprechen Sie Ihren Sohn darauf an. Sie können sich entschuldigen, dass Sie so hereingeplatzt sind, und Verständnis zeigen, dass der Moment peinlich war. Fragen Sie, zu welchem Zweck er die Bilder aufgenommen hat, und besprechen Sie Ihre Bedenken.

Peinlich für alle Beteiligten. Aber Shit happens, und wenn er denn einmal geschehen ist, muss man ihn schmieden, solange er noch warm ist. Also: Erklären Sie Ihrem Sohn, dass das Verfertigen und vor allem Versenden von Dick Pics nicht nur eine grassierende Unsitte ist, sondern dass man sich damit ziemlich gewaltig in die Scheisse (s. o.) reiten kann. Nennen Sie Beispiele: Anthony Weiner (sitzt zurzeit wegen Sexting im Knast), Geri Müller (wurde abgewählt) usw. Seien Sie deutlich, aber unhysterisch.

