«Hilfe, die Freundin meiner Tochter ist ein Drückeberger!»

Es ist die Frage aller Elternfragen: Darf ich Kinder erziehen, die ich nicht selber auf die Welt gestellt habe? Selbstverständlich! So hätte vor ein paar Jahrzehnten die Antwort noch gelautet. Selbstverständlich hat uns die Nachbarin zurechtgewiesen, wenn wir draussen zu laut waren und sie gestört haben. Heute machen die Leute die Faust im Sack, wenn im Zug Kinder in nassen Winterschuhen auf den Sitzen herumturnen, und schweigen genervt. Ich finde: Bei Ihnen zu Hause gelten Ihre Regeln. Eine halbe Stunde bevor die Freundin heim muss, wird aufgeräumt. Und wer Bauchschmerzen hat, muss leider auch auf das Bonbon zur Belohnung verzichten.

Wahrscheinlich fühlt sich das Mädchen ähnlich überfordert wie wir Erwachsene, wenn wir in einer fremden Küche beim Abwasch helfen möchten. Sie dürfen erwarten, dass der Besuch mit aufräumt, sollten aber genau formulieren, wie. Geben Sie dem Mädchen jeweils eine klare Teilaufgabe: «Bitte lege ... hier in ... Danke. Jetzt ...» Mit guter Musik lässt sich mehr Schwung in die Sache bringen. Wie wäre es, den Spielnachmittag mit einer kurzen Geschichte, einem einfachen Brettspiel oder einer heissen Schokolade gemütlich ausklingen zu lassen? Darauf können sich die beiden schon während des Aufräumens freuen.

Ja, Sie können. Beim nächsten Mal sagen Sie der kleinen Simulantin gleich bei der Begrüssung, dass dieser Besuch bei Ihrer Tochter – an dieser Stelle machen sie einen bedauernden Gesichtsausdruck – leider ihr letzter gewesen sein wird, wenn sie nicht am Abend mithilft aufzuräumen. Am Abend sagen Sie den beiden Mädchen dann etwa eine halbe Stunde vor Schluss, dass es nun Zeit fürs Aufräumen ist, und achten mindestens beim ersten Mal auch darauf, dass der befreundete Faulpelz auch mit anpackt.

