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Ernährung

Einkaufen mit Kindern muss kein Albtraum sein

Alles ist bunt, alles ist verführerisch, und das Bunteste und Verführerischste liegt genau auf der Höhe von Kinderaugen und -händen: Einkaufen mit dem Nachwuchs kann zum Stresstest werden. Tipps, wie Sie den Einkauf erträglich machen – oder gar zum sinnlichen Erlebnis.
Text: Vera Kessens
Bild: Alamy

In Zusammenarbeit mit Betty Bossi
Für die Mutter des 7-jährigen Nino fühlt es sich an, als sei sie als Marathonläuferin kurz vor der Zielinie abgefangen worden: Der Wagen ist voll, Nino zufrieden, die Kasse erreicht. Jetzt nur noch schnell bezahlen, dann ... In diesem Moment entdeckt Nino die Kaugummis, Gummibärchen und Schokoriegel im auf Kinderaugenhöhe platzierten Regal an der Kasse. Eltern wissen, was jetzt folgt: Ich will dies, ich will das – Widerstand zwecklos. Aufgrund ihrer Überzeugungskraft, die sie gegenüber den Eltern entwickeln können, werden Kinder von Werbetreibenden auch als «Kaufmotoren der Familie» bezeichnet.

Wollen Eltern die Herrschaft darüber behalten, was und wie viel im Einkaufswagen landet, braucht es Strategien. Zuallererst klare Regeln, die dem Kind kommuniziert werden. Und diese müssen verteidigt werden, auch wenn es laut wird an der Kasse. Bleiben Sie standhaft, so lernt das Kind, die Regeln zu akzeptieren.

Weiter hilft es, wenn Sie Ihre Kinder in die Mission «Einkauf» einspannen: Lassen Sie sie bestimmte Lebensmittel suchen, in vorgegebenem Mass aussuchen oder an der Selbstbezahlkasse einscannen. Durch die Möglichkeit zur aktiven Mithilfe fühlen sich Kinder ernst genommen. Und sie lernen das Angebot an Lebensmitteln kennen und entwickeln damit einen zusätz­lichen Bezug zum Essen.

Verbote helfen nicht

Es ist nicht sinnvoll, ganze Lebensmittelgruppen wie zum Beispiel Süssigkeiten zu verbieten. Denn: Verbote lassen Dinge noch begehrenswerter erscheinen und steigern das Verlangen danach. Zudem kön­nen sich Essverbote in der Pubertät negativ auf das Essverhalten auswir­ken. Es gilt: Besser den Umgang mit verführerischen Produkten lernen, als Verbote aufzustellen, die nicht eingehalten werden können.

Es hilft auch wenig, Kindern Nahrungsmittel schmackhaft zu machen, indem man sie als «gesund» bezeichnet. Kinder wollen sofort nachvollziehen können, warum ihre Eltern ein Produkt kaufen. Erklären Sie dem Kind den Kauf einer Zucchetti damit, dass das Gemüse gesund sei, handelt es sich um eine Konsequenz, die nicht direkt spür­bar und daher für das Kind uninte­ressant ist. Sagen Sie jedoch: «Die Zucchetti brauchen wir für den Gra­tin, den du so gerne isst», weckt das positive Erinnerungen und die Ent­scheidung für das Produkt wird für das Kind nachvollziehbar.

Mit allen Sinnen

Besonders geeignet für den Einkauf mit den Kindern ist der Wochen­markt. Hier wird die Pflicht zum sinnlichen Erlebnis: Sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken – Lebensmittel lassen sich mit allen Sinnen erfahren. Das Gemüse liegt meist unverarbeitet in der Auslage: die Rüebli mit grünem Kraut, die Kartoffeln noch voller Erde. Kinder sehen grüne und gelbe Bananen und lernen, dass die Farbe etwas über deren Reife aussagt. Sie lernen, mit einem roten Apfel eher Süsse und mit einem grünen eher Säure zu ver­binden. Allfällige Bilder vom Bau­ernhof, aus dem die Produkte stam­men, schaffen eine Verbindung zu deren Herkunft: Auf diesem Acker ist mein Rüebli gewachsen, von die­sen Kühen stammt die Milch für meinen Käse.

Auf dem Wochenmarkt können Kinder Gespräche zum Anbau, zur Produktion oder zu Besonderheiten der aktuellen Saison mithören – res­pektive, wenn Ihr Kind alt genug dazu ist, können Sie es auch direkt in solche Gespräche miteinbezie­hen. Und Märkte riechen auch je nach Jahreszeit anders – im Früh­ling und Sommer etwa nach Peterli oder Erdbeeren, an Weihnachten nach Zimt und Nelken. Freundliche oder geschäftstüchtige Verkäufer bieten Ihrem Kind ein Rädli Wurst oder ein Chriesi an – so kommt beim Einkauf sogar der Gaumen auf seine Rechnung.

Keine Frage: Es gibt Tage, da hel­fen alle Vorkehrungen und guten Vorsätze nichts: Kinder haben ihre Launen und ihre Tagesform. Ist die Laune beziehungsweise die Tages­form schlecht, hilft nur, gelassen zu bleiben und zu versuchen, das Gan­ze mit Humor zu sehen.

Zeichnet sich schon am Morgen ab, dass das einer der anstrengen­deren Tage werden könnte, lohnt es sich, spontan verfügbare Bezugs­personen einzuspannen und den Einkauf alleine zu planen, um weniger stressige Zeit im Einkaufs­zentrum und dafür mehr entspann­te Zeit auf dem Spielplatz zu verbringen.

Tipps für entspanntes Einkaufen

• Klare Regeln aufstellen, zum Beispiel: essen nur ausserhalb des Geschäfts, keine Süssigkeiten vom Regal bei der Kasse auswählen

• Genügend Zeit einplanen

• Kinder satt und ausgeschlafen zum Einkauf mitnehmen

• Stosszeiten vermeiden

• Einkaufsliste gemeinsam schreiben, das Kind in die Wochen-Menüplanung einbeziehen

• Kinder mitentscheiden lassen: zwei Produkte zur Auswahl geben, das Kind entscheiden und das Produkt in den Wagen legen lassen
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Zur Person:

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Vera Kessens ist BSc Ernährungsberaterin SVDE bei Betty Bossi AG.

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