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Ernährung

Alle an einen Tisch!

Die Geschmäcker sind verschieden. Aber wer zu jeder Mahlzeit
gleich mehrere Gerichte kocht, hat viel Arbeit und riskiert, dass seine 
Kinder einseitige Esser werden.
Text: Vera Kessens
In Zusammenarbeit mit Betty Bossi
«Nein, ich mag keine Rüebli!» Der 7-jährige Marco bleibt standhaft in seiner Ablehnung, während die zwei Jahre ältere Lisa genussvoll das letzte Stück Rüebli auf Ihrem Teller vertilgt. Lisa ihrerseits verweigert dafür den Kartoffelgratin – das Lieblings­essen ihres Bruders. 
Die Geschmäcker sind verschieden.Und dies macht das gemeinsame Essen nicht gerade einfach. Doch auch wenn die Geschmäcker in Ihrer Familie weit auseinandergehen – es gibt Möglichkeiten, dafür zu sorgen, dass alle auf ihre Kosten kommen.

Kein Wunschkonzert

Ob gross oder klein, der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Beginnen Sie damit, für jedes Familienmitglied einzeln zu kochen, kostet das sehr viel Zeit und führt dazu, dass es zur Normalität wird. Ihr Kind gewöhnt sich an seine gewohnten Lieblingsessen und wird dadurch weniger experimentierfreudig.

Zeitsparender und entspannter ist es, gemeinsam mit der ganzen Familie einen Wochenplan zu erstellen, bei dem jedes Familienmitglied ein bis zwei Wünsche anbringen darf. Mit Jokerkarten können Lebensmittel, die man nicht mag, gestrichen werden. Diese können durch eine Alternative ersetzt werden. Ein Beispiel: Lisa legt die Jokerkarte Spinat auf den Tisch – und isst dafür ein Rüebli. So können Sie leichter verschiedene Geschmäcker berücksichtigen, ohne dafür fünf verschiedene Menüs zu kochen.

Gerichte mit einzelnen Komponenten sind oft beliebter bei Kindern als Eintöpfe, in denen sich Gemüsesorten verstecken könnten, die sie nicht gerne mögen. Für die Vertrauensbeziehung zu Ihrem Kind ist es wichtig, immer alle Zutaten zu nennen, wenn es danach fragt, und nicht ein Gemüse unterzujubeln oder zu verstecken.

Probieren, probieren, probieren

Darf Ihr Kind beim Kochen und Würzen dabei sein, nimmt es Gerüche war, es sieht das Lebensmittel vor und nach dem Kochen und schmeckt die Veränderung der Konsistenz. So kann bereits vor dem Essen eine positive Beziehung zum Essen hergestellt werden und die Chance ist grösser, dass Ihr Kind zum Allesesser wird.

Zwang auszuüben beim Essen ist hingegen nicht sinnvoll. Ermutigen Sie Ihr Kind stattdessen, immer wieder zu probieren. Es heisst, ein Kind muss ein neues Lebensmittel über zehn Mal probieren, bevor es dieses mag. Vor allem Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren leiden oftmals unter einer Angst vor Neuem und Unbekanntem, der sogenannten Neophobie. Sie verweigern beispielsweise alles Essbare, das bitter oder säuerlich schmeckt. Die Vorliebe für Süsses ist bei Kindern hingegen angeboren. Ein süsser Geschmack wird mit der Muttermilch in Verbindung gebracht und vermittelt Sicherheit – nicht giftig – und eine hohe Nährstoffdichte.

Geschmacksvorlieben entwickeln und verändern sich bei Kindern. Abneigungen gegen Gemüse, aber auch gegen Fleisch sind bei den kleinen Geniessern ganz normal. Solche Phasen sind meist nicht von langer Dauer. Im besten Fall wird der Kinderteller mit einem grossen Anteil an Kohlenhydraten wie Teigwaren, Reis, Kartoffeln oder Brot bestückt.

Des Weiteren gehören ein bis zwei Portionen Gemüse oder Früchte auf den Teller. Bevorzugt Ihr Kind momentan Früchte statt Gemüse oder generell nur wenige Gemüsesorten, ist das nicht weiter schlimm, solange eines dieser Lebensmittel täglich konsumiert wird. Die Eiweissportion in Form von Fleisch, Fisch, Milch- und Milchprodukten, Eier, Tofu oder Quorn ergänzt den optimalen Kinderteller. Es gibt viele pflanzliche Alternativen für Kinder, die kein Fleisch oder Fisch mögen.

Sobald sich eine gewisse Einseitig­keit einschleicht und Ihr Kind nur noch eine sehr kleine Lebensmittelauswahl essen möchte, können Sie es auf neue Geschmacksrichtungen neugierig machen. Dies gelingt, indem alle Sinne angesprochen werden. Denn Kinder schmecken, riechen und fühlen vielfältiger und empfindsamer als Erwachsene: Sie wollen «auf allen Kanälen» etwas geboten bekommen. Das Essen soll also nicht nur gut schmecken, sondern auch schön aussehen, sich gut anfühlen und gut riechen. Knusprige und knisternde Gerichte sind spannend für den Kindermund und die Kinderohren und schmecken automatisch besser. Geschnitzte und geformte Gemüse und Früchte können die Fantasie und die Neugier Ihrer Kinder wecken und schmecken ebenfalls mindestens doppelt so gut.

Bild: iStock

Die Autorin:

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Vera Kessens ist BSc Ernährungsberaterin SVDE  bei Betty Bossi AG.


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