Desktop sonnenmilch m dchen m
Arztbesuch

Angeschmiert: Warum zu viel Sonnencreme gefährlich sein kann

Schweizer Kinder werden zu oft mit Sonnencreme eingeschmiert. Es drohen Allergien und Hormonveränderungen. Wie sieht ein gesunder Sonnenschutz aus?
Text: Bianca Fritz
Aufschrauben, eincremen, sicher fühlen – das ist ein Mechanismus, der sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten eingeschlichen hat. Sonnencremes mit einem Lichtschutzfaktor (LSF) unter 6 sind inzwischen nicht mehr im Handel zu haben. Verbraucher greifen immer häufiger zu Cremes mit LSF 30 und darüber. Dermatologinnen, Apotheker und die Hautkrebslobby haben ein Bewusstsein dafür geschaffen haben, dass wir unsere Haut schützen müssen. Immerhin gilt die Schweiz mit jährlich rund 2000 neu diagnostizierten Patienten mit schwarzem Hautkrebs und geschätzten 15.000 mit hellem Hautkrebs als eines der besonders stark von Hautkrebs betroffenen Länder. Dagegen ist Sonnenschutz die wichtigste Präventionsmassnahme. Ganz besonders für Kinder und Jugendliche. Denn wie gross unser Hautkrebsrisiko sein wird, entscheidet sich bereits in jungen Jahren.

Aber es gibt auch kritische Stimmen gegen die Sonnencreme. Zum einen vermittelt sie eine trügerische Sicherheit:  Die Wirkung des Eincremens wird häufig überschätzt. Das fand die Universität Basel bei einer Befragung von Jugendlichen im Jahr 2012 heraus. Eincremen galt für viele als selbstverständlich – den Schatten aufzusuchen und sich zu bedecken allerdings nicht. So ist zu erklären, dass das selbstverständliche Eincremen die Zahl der Sonnenbrände gar nicht reduziert hat. Mehr als die Hälfte aller Schüler und Schülerinnen gab an, im Vorjahr mindestens einen Sonnenbrand erlitten zu haben. Viele gehen offenbar davon aus, man müsse sich nur eincremen und könne dann gefahrlos schulterfreie Oberteile tragen und in der Sonne an einer schönen Bräune arbeiten.
Sie möchten sich diesen Artikel merken? Dann pinnen Sie doch dieses Bild hier auf ihr Pinterest-Board. Wir freuen uns, wenn Sie uns auch auf Pinterest folgen.
Sie möchten sich diesen Artikel merken? Dann pinnen Sie doch dieses Bild hier auf ihr Pinterest-Board. Wir freuen uns, wenn Sie uns auch auf Pinterest folgen.
«Sonnencremes sind chemische Mittel, die eine Wirkung auf den Körper haben.» 
Nathalie von Götz, Senior Scientist ETH Zürich
Die Fehleinschätzung ist nicht die einzige Gefahr aus der Sonnencremetube: Wer nach den Begriffen Sonnenmilch und Gefahr googelt, kann schnell das Gefühl bekommen, dass wir uns pures Gift auf die Haut schmieren, das erst recht für Krebs sorgt, unsere Haut allergisch aufschwellen lässt und unseren Hormonspiegel durcheinander bringt. Alternative Gesundheitswebseiten raten dazu, sich doch lieber mit Sesam- oder Kokosöl einzuschmieren. Sie bleiben aber eine Prognose schuldig, wie lange man sich dann in die Sonne legen dürfe.

Die gute Nachricht zuerst: Viele der Substanzen, die im Verdacht stehen, gesundheitsschädigend zu sein, sind in der Schweiz ohnehin verboten. Und zumindest Produkte für sensible Haut und Kinderhaut verzichten weitgehend auf allergieauslösende Parfumstoffe.

«Sonnencreme nützt definitiv mehr, als dass sie schadet», sagt Natalie von Götz, Senior Scientist und Dozentin an der ETH Zürich am Institute of Chemical and Bioengineering. Sie hat 2015 untersucht, wie viel Sonnencreme die Schweizer verwenden und ob dabei chemische UV-Filter in bedenklichen Mengen aufgetragen werden. Dabei fand sie heraus: Schweizer cremen sich und insbesondere ihre Kinder zu häufig mit bedenklichen Stoffen ein.

Anzeige
2 Kommentare

Zugehörige Tags

Diesen Artikel kommentieren

Von Susi am 26.07.2017 11:16

Ist es denn dann besser die Kinder auch möglichst oft im Schatten spielen zu lassen? Im Schatten ist die UV-Strahlung ja auch deutlich geringer als in der prallen Sonne, da braucht man weniger Sonnencreme.
Macht es denn dann Sinn Markisen aufzubauen, um möglichst viel Schatten im Garten zu generieren?

lg Susi

> Auf diesen Kommentar antworten
Von Andrea am 23.07.2017 15:44

Es gibt ja auch mineralische, natürliche Sonnencremes, die nicht schädlich sind. Wäre schon, wenn auch sowas erwähnt würde.

> Auf diesen Kommentar antworten