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Schule

Digitale Medien: «Schule soll besser aufklären»

Stefan Bienz findet, dass die Schule das Potenzial digitaler Medien zu wenig ausschöpft. Der Vater zweier Teenager aus Rapperswil SG wünscht sich, dass man vorwärtsmacht – nicht nur, was die Nutzung digitaler Medien angeht, sondern auch in Sachen Risikoaufklärung
Protokoll: Virginia Nolan
Bild: Rita Palanikumar / 13 Photo
«Ich bin Fotograf und war früher Infor­matiker – beide Berufe bedingen, dass ich mich stark mit digitalen Medien beschäftige. Ich sehe in der Schule grosses Potenzial dafür, aber da gibt es viel Luft nach oben. Es beginnt schon damit, dass Kinder und Jugendliche mit Rucksäcken unterwegs sind, die so schwer beladen sind, als ginge man damit auf Weltreise. Ist das noch zeit­gemäss, wo eigentlich sämtliche Lehr­bücher auf ein Tablet geladen werden könnten? Wohl kaum. Einige werden jetzt argumentieren, das käme zu teuer. Dieser Meinung bin ich definitiv nicht. Ich denke sogar, die elektronische Lösung würde auf lange Sicht weniger kosten als Bücher, sie würde – als weiterer Vorteil – zudem eine einfachere Aktualisierung der Lehrmittel erlauben. Es muss auch niemand Ablenkung durchs Internet befürchten, wenn das Tablet entsprechend eingestellt wird. Ich per­sönlich bin dafür, dass es ausschliesslich als Arbeitsinstrument genutzt wird. 

Lernen funktioniert digital besser

Die meisten Kinder beschäftigen sich gerne mit digitalen Medien. Das hat einen motivierenden Effekt, der umso stärker ist, wenn interaktiv und spielerisch gelernt wird. Dieses Potenzial sollte die Schule besser ausschöpfen. Mir scheint, unsere Tochter Chiara lerne motivierter, wenn sie Mathe am Computer üben kann, auch die Plattform Toporopa, die sie in Geografie nutzt, ist toll: Die Kinder schulen ihr Wissen in einem Quiz, wo sie Länder­, Fluss­ oder Städtenamen per Mausklick zuordnen. Wenn ich daran denke, wie mühsam Geografielernen zu meiner Schulzeit war: Karten kopieren, Ländernamen abdecken, alles neu einzeichnen – das macht keinen Spass. Elektronische Medien sind ergiebig, der Computer kann ständig neue Auf­ gaben generieren, wo ein Übungsbuch irgendwann durchgearbeitet ist. Bei Chiara ist derzeit die Lehrstellen­suche aktuell. Mich erstaunt, wie viele Betriebe bereits eine Online-­Bewerbung erwarten. Dokumente einscannen, PDFs generieren und zusammenfügen – wir als Eltern mussten unserer Tochter zeigen, wie es geht. Das wäre doch Aufgabe der Schule. Ich frage mich, was Kinder machen, denen zu Hause niemand weiterhelfen kann. 
«Es mangelt 
an Aufklärung» 
Stefan Bienz, zweifacher Vater
Ich bin digitalen Medien gegenüber in jeder Hinsicht aufgeschlossen, woran es mir in der Schule aber ganz klar mangelt, ist Aufklärung. In der Schule unserer Tochter musste es zuerst zu einem tragischen Vorfall von Cybermobbing kommen, damit das Thema überhaupt auf den Tisch kam und auch die Eltern vorbeikommen mussten, um sich etwas über Risiken im Internet anzuhören. Kindern ist nicht bewusst, dass das Internet nichts vergisst. Dass ihnen zum Verhängnis werden kann, was sie von sich preisgeben. Auch Eltern sind zu wenig sensibilisiert. Meine Frau und ich versuchen, es unseren Kindern so zu erklären: Verschickt nur Inhalte, die ihr ohne Bedenken auch ans schwarze Brett beim Hauseingang hängen würdet. Alles andere gehört ins persönliche Gespräch.» 
Weiterlesen: 

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  • Herr Wampfler, machen digitale Medien Schule besser? Er arbeitet mit digitalen Tafeln, Smartphones, lässt seine Schülerinnen und Schüler Youtube-Videos drehen und Aufsätze in Google-Docs schreiben: Philippe Wampfler gilt als Vorreiter und Experte für den Einsatz neuer Medien an Schulen. Wir sprachen mit ihm über die Ängste und Vorurteile von Lehrpersonen und die Grenzen des Digitalen. 
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