Berufswahl

So wird die Berufswahl keine Qual

Die Entscheidung, wie es nach der Oberstufe weitergeht, prägt nicht das ganze Leben, aber immerhin die nächsten Jahre. Eine stimmige Berufsperspektive zu finden, kann man lernen. 
Text: Stefan Michel
Bild: Pexels
Abends im Restaurant: Die Menükarte ist überlang, vieles klingt gut, aber keine Speise springt
mich direkt an. Ist die beste Wahl vielleicht eine, unter der ich mir nicht viel vorstellen kann? Die Begleitung hat gewählt und klappt die Karte zu. Der Kellner blickt in unsere Richtung. Gleich wird er an unserem Tisch stehen, und dann muss ich mich entscheiden. Aber was soll ich bloss nehmen?

So ähnlich geht es vielen jungen Menschen bei der Berufswahl. Die Auswahl ist riesig, einige Metiers kennt man gar nicht und auf den Lehrbetrieb kommt es auch noch an. Was ist, wenn einem das dauernde Lernen im Gymi zu stinken beginnt? Grundsätzlich hat man genug Zeit, um sich zu entscheiden. Doch die Uhr tickt, und je länger man braucht, desto kleiner wird die Auswahl an offenen Lehrstellen.
Die Berufswahl ist eine völlig neue Situation.
Wenn wir im Restaurant die Speisekarte studieren, wissen wir wenigstens, welche Geschmacksrichtungen und Konsistenzen wir mögen. Schliesslich essen wir schon länger, als wir uns erinnern können. Die Berufswahl hingegen ist eine völlig neue Situation und auch die Jugendlichen selber sind gerade dabei, sich zu verwandeln. Das Kind hat sich verabschiedet, der oder die Erwachsene ist erst in Ansätzen präsent.

Um herauszufinden, was man die nächsten Jahre tun will, muss man sich selber kennen – wissen, was man gerne tut, wie man es gerne tut, in welchen Situationen man sich wohlfühlt und was einen eher verunsichert. Den meisten fällt es leichter, zu benennen, was sie nicht mögen, als was sie wollen. Doch genau darum geht es: herauszufinden, was man will.
Dieser Beitrag stammt aus unserem Berufswahl-Sonderheft, das der September-Ausgabe 2019 von Fritz+Fränzi kostenlos beiliegen wird. Diese ist ab dem 27. August bestellbar beziehungsweise am gut sortierten Kiosk in der Schweiz erhältlich. 

Sich selber kennenlernen – wie geht das?

Die wenigsten Jugendlichen wissen, ob sie gerne Schaltpläne zeichnen, Injektionen vorbereiten oder Zahlungseingänge verbuchen, weil sie das noch nie gemacht haben. Hingegen lässt sich ein gutes Bild der eigenen Interessen und Fähigkeiten zeichnen, wenn man festhält, was man im Alltag gerne tut oder welche Aufgaben man erst nach mehrmaliger Aufforderung erledigt.

Die einen kochen leidenschaftlich gern, andere schreiben Tagebuch, wieder andere produzieren Videos für ihr Profil in den sozialen Medien oder pflegen ein Pferd. All dies sind Hinweise darauf, in welcher beruflichen Richtung jemand glücklich werden kann. Das Gleiche gilt für die Schulfächer, die man mag, und jene, mit denen man sich freudlos abmüht.

Berufswahltagebuch oder Finder

Die Autoren Daniel Jungo und Erwin Egloff haben ein «Berufswahltagebuch»  herausgegeben. Es enthält einen Interessenfragebogen, mit dem Jugendliche ihre Vorlieben und Neigungen in neun Interessensfeldern ermitteln sollen. Diese werden am Schluss in einem Schema dargestellt, das mit einer Farbfläche zeigt, in welchem Tätigkeitsbereich die eigenen Stärken und Interessen liegen. Es lohnt sich, die Berufe näher anzuschauen, die diesem Sektor zugeordnet sind.

Einen Schritt weiter geht die Lehrstellen-Plattform yousty: Der «Berufs-Finder» auf der Website stellt 33 Fragen zu Interessen und Neigungen und gibt danach eine Rangliste der passendsten Berufe aus. Interessant ist die statistische Auswertung: In den rund 50'000 Abfragen von der Lancierung des Berufs-Finders im Oktober 2018 bis Mitte Juni 2019 wurde Tierpfleger/-in am häufigsten empfohlen, gefolgt von Hotelfachfrau/-mann und Fachfrau/-mann Betreuung. Kauffrau/-mann, der am häufigsten gewählte Lehrberuf, erscheint in dieser Rangliste der Empfehlungen erst auf Platz 26. Auf Rang 44 liegt Detailhandelsfachfrau/-mann, ein weiterer der am meisten erlernten Berufe in der Schweiz.
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Bei der Berufswahl berücksichtigen Jugendliche auch was ein vielversprechender Start ins Berufsleben scheint.
Das heisst nicht, dass die Mehrheit der jungen Menschen völlig an ihren Interessen vorbei einen Beruf wählt. Schliesslich wurden im gleichen Zeitraum auf yousty über 400'000 Abfragen nach Berufen oder Lehrstellen getätigt. Gut möglich, dass jene, die ihren Wunschberuf Kauffrau/-mann bereits gefunden hatten, den Berufs-Finder nicht durchspielten. Man darf das Resultat dennoch als Hinweis darauf lesen, dass sich nicht alle von ihren eigentlichen Neigungen leiten lassen, sondern ebenso sehr davon, was sie als vernünftigen, vielversprechenden Start ins Berufsleben anschauen.

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