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Berufswahl

Kind, wähl einen Beruf, den kein Roboter machen kann!

Die Frage, welchen Beruf sie ein Leben lang ausüben wollen, stellt sich den heutigen Schulabgängern nicht mehr. Eher müssen sie sich fragen, welche Berufe in zwanzig Jahren noch existieren. Und welche neuen Chancen sich auftun. 
Text: Stefan Michel 
Bilder:
Roshan Adhihetty / 13 Photo 
Selbstfahrende Autos, Roboter, die Kranke pflegen, Drohnen, die Pakete ausliefern – der technische Fortschritt wartet zurzeit mit spektakulären neuen Maschinen auf. Sie werden uns das Leben erleichtern, und sie werden einen immer grösseren Teil der Arbeit übernehmen, mit dem bisher Menschen ihr Geld verdient haben. Die viel zitierte Studie der beiden Oxford-Wissenschaftler Carl Frey und Michael Osborne prognostiziert, dass bis in zwanzig Jahren 47 Prozent der Berufe der Digitalisierung zum Opfer fallen. Das Erstaunlichste an der 702 Tätigkeiten umfassenden Liste: In den obersten dreissig Rängen dominieren Bürojobs: Einkäufer, Telefonverkäufer, Versicherungssachbearbeiter.

In Fabriken haben Roboter eine lange Entwicklung hinter sich und werden immer genauer und geschickter. Im Gesundheitswesen sind es eher Prototypen, die zum Beispiel schweren Patienten aufhelfen. «An vielen Orten werden Roboter im Tandem mit Menschen arbeiten», sagt Oliver Bendel. Der Professor sieht sich regelmässig die neusten Roboter an und entwickelt zusammen mit seinen Studierenden autonome, digital gesteuerte Maschinen.
 
Bereits im Einsatz sind laut dem deutschen Experten Transport- und Lieferroboter als Testgeräte sowie Sicherheits- und Überwachungsroboter in Einkaufszentren und auf Betriebsgeländen. Die selbständig arbeitenden Maschinen sind das Gesicht der vierten industriellen Revolution, wie die jüngste Phase der Digitalisierung genannt wird. 

Im Büro sind es nicht Roboter, sondern autonome Computer­programme, die Geschäftsberichte schreiben, Lohnbuch­ha­ltung führen, Bestellungen entgegennehmen und vieles mehr. An personalisierte Werbung im Internet haben wir uns längst gewöhnt. Software beobachtet unser Verhalten und zeichnet daraus ein immer genaueres Profil unserer Bedürfnisse und Vorlieben. In ähnlicher Weise lernen Programme, Arbeiten wie die oben genannten auszuführen. Menschliches Feedback hilft ihnen dabei, immer mehr zu verstehen und immer weniger Fehler zu machen. 

Werden mehr Jobs zerstört oder mehr geschaffen?

Übernehmen also bald die Maschinen? Was bleibt für uns Menschen? In der Vergangenheit entstanden stets mehr neue Arbeitsstellen, als alte verloren gingen, wenn sich der technische Fortschritt beschleunigte. Der Übergang von der Landwirtschafts- zur Industrie- und schliesslich zur Dienstleistungsgesellschaft hat Einkommen und Wohlstand in den Ländern des Nordens vervielfacht.
Ob auch die Digitalisierung mehr Jobs schafft, als sie zerstört, ist umstritten. Die enorm gestiegene und weiterhin steigende Leistungsfähigkeit der Computer hat bis jetzt jedenfalls nicht für weniger Arbeit gesorgt. Alt-SP-Nationalrat und Ökonom Rudolf Strahm hält die Angst vor der Digitalisierung für unbegründet. Er diagnostiziert ein «Roboter-Syndrom bei profilierungssüchtigen amerikanischen Professoren und Buchschreibern». Die digitale Revolution werde massenhaft Fachkräfte brauchen, um voranzukommen, ist Strahm überzeugt.
Welche Berufe haben Zukunft? Wie haben sich Jugendliche entschieden und vor allem, wie unterstützen Sie als Eltern Ihre Kinder bei der Berufswahl? Alles zu diesem Thema in unserem Berufswahl-Spezial, das der Mai-Ausgabe beiliegt! Bestellen Sie jetzt das Magazin.
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Einer der von Strahm angesprochenen Autoren ist Martin Ford. Er ist IT-Unternehmer und schrieb das preisgekrönte Buch «Aufstieg der Roboter», in welchem er Massenarbeitslosigkeit voraussagt. Gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung» anerkennt er, dass weiterhin neue Geschäftsfelder entstehen. Diese seien aber nicht sehr arbeitsintensiv. Ein Beispiel dafür ist Google, das 2015 einen vergleichbaren Umsatz erwirtschaftete wie der Industriekonzern Siemens (74,98 Milliarden Dollar bei Google, 75,69 Milliarden Euro bei Siemens), dies jedoch mit weniger als einem Fünftel Angestellten (rund 61.000 Mitarbeiter bei Google, 348.000 Mitarbeiter bei Siemens). 
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In welchem Beruf ist man für die Zukunft gewappnet?

Wenn Roboter immer wichtiger werden, sind Leute gefragt, die Roboter konstruieren, bauen und programmieren können, also Kon­strukteure, Automatiker, Informatiker und Ingenieure. Doch auch in Design und Entwicklung macht die Software rasch Fortschritte. Wo persönlicher Kontakt gefragt ist, können Maschinen die Menschen nicht ersetzen, ist eine gängige Vorstellung. Doch wie wir unserem Smartphone mündlich erklären, was es für uns tun soll, so geschieht das bereits an einzelnen Hotelrezeptionen und in bestimmten Einkaufszentren, wo Roboter die Kunden informieren. Er sei in San Francisco dem Roboter Pepper begegnet, der auch bald im Glattzentrum bei Zürich eingesetzt werde, erzählt Oliver Bendel.

Doch die Vorstellung, dass Berufsleute von der Digitalisierung einfach beiseitegeschoben und entsorgt würden, ist sicherlich zu einfach. Aus dem Auto­mechaniker ist der Automobil-Mechatroniker geworden, der von Apps und Updates ebenso viel versteht wie von Zylindern und Vergasern. Technische Zeichnerinnen üben heute einen anderen Beruf aus als die Generation vor ihnen. Trotzdem gibt es sie weiterhin.

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