Berufswahl

So bestehen wir gegen die Roboter

Was erwartet heutige Jobanfänger in ihrem Berufsleben? Werden sie Gehilfen der Maschinen sein, wenn sie denn überhaupt noch eine Stelle finden? Oder wird ihre Arbeit gar interessanter und angenehmer als jene der Generationen vor ihnen? 
Text: Stefan Michel
Bild: Roshan Adhihetty / 13 Photo
Die Zukunft war früher auch besser, wie Karl Valentin kalauerte. Tatsächlich wurden der
technische Fortschritt und seine Bedeutung für die Arbeitswelt schon mit mehr Vorfreude aufgenommen, als das heutzutage geschieht. Grund ist die Digitalisierung, die neben Faszination auch Ängste weckt. Intelligente Maschinen, die präziser als jede menschliche Hand arbeiten, ständig das gesamte Wissen der Menschheit abrufbereit haben, nie müde werden und auch noch ständig dazulernen, konkurrieren mit Menschen um Arbeitsplätze. Zumindest warnen einige Beobachter dieser Entwicklung vor einem solchen Szenario, vom Philosophen Richard David Precht über den Siemens-Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser bis zum Silicon-Valley-Unternehmer Martin Ford.

Diverse Studien prognostizieren, wie viele Stellen der Digitalisierung zum Opfer fallen werden – andere wiederum, wie viele neue Jobs entstehen. Dabei lässt sich mit keiner wissenschaftlichen Methode präzise berechnen, wie viele Arbeitskräfte in welchen Branchen in zehn oder zwanzig Jahren benötigt werden.

Entscheidend für die heutigen Berufseinsteiger: Der Wandel durch die Digitalisierung findet statt. Es gilt sich so auszubilden, dass man gute Chancen auf dem Stellenmarkt hat.

Tun, was Computer nicht können

Die entscheidende Frage ist somit: Was muss man können, um auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft zu bestehen? Mit Blick auf Digitalisierung und Automatisierung lautet die Antwort: das, was Maschinen und Computerprogramme nicht können. Diese werden für Aufgaben und Arbeitsschritte eingesetzt, die sich wiederholen. Sei es in der Herstellung von Autos, im Sortieren von Paketen oder im Verfassen von Berichten, indem sie etwa Textdokumente nach bestimmten Stichwörtern und Zahlenwerten durchsuchen. Die Roboter haben in den letzten Jahren deutlich an Fingerfertigkeit und Präzision zugelegt, verstehen geschriebene Wörter und Sprachsignale immer besser. Bestimmte Computerprogramme werden sogar kreativ und gestalten nach bestimmten Vorgaben Grafiken oder schreiben Texte.
Den Maschinen fehlen Menschenkenntnis,
Einfühlungsvermögen und Improvisationstalent.
Was Maschinen und Softwarenicht haben, sind Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen, Improvisations­talent, um nur einige menschliche Fähigkeiten zu nennen. Gerade jene Roboter, die etwas ganz besonders gut können, beherr­schen oft nur diese eine Aufgabe. Der Transportroboter im Waren­lager ist unfähig, die Schrauben, die ihm runtergefallen sind, auf­zuheben, zurück in die Schachtel zu legen und dann seinen begonnenen Botengang fortzusetzen. Die Übersetzungssoftware kann keinen Werbeslogan für das eige­ne Unternehmen texten.

Die meis­ten Menschen beherrschen ver­schiedenste Tätigkeiten. Und noch wichtiger: Sie können so handeln, wie es die Situation erfordert, sie sind anpassungsfähig und manche können auch mehrere Dinge gleichzeitig tun.

Seit Jahren fehlt es in der Schweiz an Fachleuten in diversen Berei­chen: in technischen Berufen, vom Handwerker bis zur Ingenieurin, in der Informatik, im Treuhand­ und Rechtswesen, in der Betreuung und Pflege, bei Ärztinnen und Lehrern. In all diesen Branchen ist die Digitalisierung im Gang, wer­den Arbeiten automatisiert. Doch die Menschen ersetzen können die Maschinen und Programme noch lange nicht.

Kollege Roboter?

In vielen Bereichen wird man künftig mit Robotern und auto­nom funktionierenden Computerprogrammen zusammenarbeiten. Sei es, dass der Industrieroboter die Türdichtungen in die Schlitze drückt, nachdem ihm der Arbeiter die Gummis an der richtigen Stelle hingehalten hat; oder dass die Diagnosesoftware dem Arzt Hinweise gibt, welche Krankheit aufgrund der Laborwerte vorliegen könnte. Dieser nutzt sein medizinisches Wissen und seine Kenntnis über das Leben des Patienten, um zur plausibelsten Diagnose zu gelangen.
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Durch Lieferdrohnen, autonome Fahrzeuge und Self-Scanner werden gewisse Berufe verschwinden.
Ohne Zweifel werden gewisse Berufe ganz verschwinden, etwa weil Lieferdrohnen die Paketverteilung übernehmen, autonome Fahrzeuge Chauffeure überflüssig machen oder Self-Scanning-Stationen bediente Kassen ersetzen. Wobei Coop und Migros auf Anfrage mitteilen, dass in keiner Filiale nach der Einführung der unbedienten Kassen Personal abgebaut worden sei.

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