Gaby Staehli, 38, Tagesmutter, Leiterin einer Eltern-Kind-Gruppe und Musikgrundschullehrerin, und Ruedi, 40, Pfarrer, wohnen mit Lorena, 12, Dario, 10, und Micha, 9, in Windisch AG.
Gaby: «Ruedi und ich sind noch ohne Handy gross geworden. Wir fanden das toll. Für unsere Kinder wünschen wir uns, dass sie noch möglichst lange lieber draussen in der Natur sind und Zeit miteinander verbringen, als in die digitale Welt abzutauchen. Sie sollen lernen, Langeweile und Frustration auszuhalten. Wenn man ein Handy hat, ist das schwer, das merke ich bei mir selbst. Man lenkt sich einfach schnell damit ab.»
Ruedi: «Für Kinder gibt es so viel zu lernen – von der Motorik über die Sprache bis hin zu sozialen Dingen. Für das Handy ist auch später noch Zeit.»
Gaby: «Und trotzdem wird Lorena zu ihrem 13. Geburtstag und mit dem Wechsel in die Oberstufe ein eigenes Handy bekommen. Ich hätte gern noch damit gewartet. Zwischen 13 und 16 Jahren gibt es so viele andere Themen, die einen als Familie beschäftigen. Und nun kommt noch das Handy dazu und nimmt sehr viel Raum ein. Aber irgendwann wird der Druck von aussen halt immer grösser.»
Lorena: «Ich und meine Freundinnen können einander auch über die Handys unserer Mütter schreiben, aber das ist ein bisschen mühsam. Da ist es schon besser, wenn alle ein eigenes Handy haben.»
Ich kenne Familien, da muss man die Erlaubnis für mehr Handyzeit bei der Tante oder dem Götti holen. Das finde ich spannend.
Gaby, Mutter
Ruedi: «Man lernt dabei ja auch, sich selbst zu organisieren und selbständiger zu werden. Ich finde es schon wichtig, das auch irgendwann zu unterstützen.»
Gaby: «Gleichzeitig könnte man sich ja auch in der Schule verbindlich verabreden, auf dem Festnetz anrufen oder einfach vorbeikommen.»
Ein Tablet für alle
Dario: «Bei mir und meinen Freunden funktioniert das noch gut so, weil viele bei uns in der Nähe wohnen. Aber auch in meiner Klasse hat schon mehr als die Hälfte ein eigenes Handy. Die meisten nutzen es zum Gamen. Wir können das auf dem Tablet machen.»
Lorena: «Aber das ist für die ganze Familie da. Wenn meine Brüder es gerade haben und ich damit Musik hören möchte, ist das doof. Oder kürzlich war ich auf einem Probenwochenende. Fast alle hatten ein Handy dabei und beschäftigten sich während der Freizeit damit. Da musste ich dann für mich was anderes machen. Solche Situationen sind schon blöd.»
Gaby: «Aber ich bin super froh, dass du viele Hobbys hast und dir gar nicht so viel Zeit bleibt, um digitale Geräte zu nutzen. Mal schauen, wie sich das mit dem eigenen Handy entwickelt.»
Der Sonntag ist bildschirmfrei
Ruedi: «Wir werden für die Begleitung zu Beginn sicher viel Zeit aufwenden. Regeln wie kein Handy beim Essen oder im Schlafzimmer gibt es bei uns für alle schon länger. Wir haben bei einem Familienrat auch mal Zeiten für die Mediennutzung eingeführt, also fürs Gamen am Tablet, für Hörspiele, für Fernsehen. Der Sonntag ist bildschirmfrei.»
Gaby: «Ich kenne Familien, da muss man mehr Handyzeit oder die Erlaubnis für ein Game nicht bei den Eltern einholen, sondern bei der Tante oder dem Götti. Das finde ich spannend, weil es familiäre Konflikte im Alltag reduzieren kann und nicht alles auf den Eltern lastet. Für Lorena gibt es sicher erst einmal kein Tiktok und kein Insta, davon halte ich überhaupt nichts! Da verbringt man viel zu viel Zeit damit, ohne es steuern zu können. Und das Gehirn von Kindern entwickelt sich noch so stark.»
Ruedi: «Ich habe Instagram selbst mal eine Weile genutzt, aber es hat mich von zu vielen anderen Dingen abgehalten. Jetzt habe ich es nicht mehr. Vielleicht hilft es auch, wenn wir unseren Kindern zeigen, dass man auch ganz gut ohne solche Dinge klarkommt.»





