Zuhause

Unsere Buchtipps für den Sommer 2019

Ferien! Endlich Zeit wieder in eine Geschichte abzutauchen und den Kindern die Liebe für Bücher nahezubringen. Ob auf dem Balkon oder in der Ferne: diese persönlichen Lieblingsbücher empfiehlt unsere Redaktion diesen Sommer. Welcher Autor hat wohl gleich zwei Herzen erobert?
Text: Fritz+Fränzi-Redaktion
Foto:  Perfecto Capucine / Pexels

Biografien für Kids

Isabel Sánchez Vegara: Jane Austen, 32 S. Insel Verlag, 2019 (Auf Deutsch erscheint das Buch Ende September 2019), ca. 24 Fr. 
Isabel Sánchez Vegara: Jane Austen, 32 S. Insel Verlag, 2019 (Auf Deutsch erscheint das Buch Ende September 2019), ca. 24 Fr. 
Keiner zu klein für eine Biografie! Die Reihe «Little People, Big Dreams» ist der Hit: Die toll illustrierten Bilderbücher erzählen die Biografien bekannter Persönlichkeiten wie David Bowie oder Frida Kahlo. Mir hat es besonders Jane Austen angetan, als ehemalige Englische Literaturstudentin habe ich die Geschichte weitergesponnen und weitere Details dazu erzählt und erzählt, bis mich die Kinder irgendwann gefragt haben, ob das eine Freundin von mir sei, diese «Dschein» ...  Florina Schwander

Wortgewaltiges über unser Bewusstsein für die Eltern

T.C. Boyle: Das Licht. Hanser Verlag, München 2019, ca. 30 Fr.
T.C. Boyle: Das Licht. Hanser Verlag, München 2019, ca. 30 Fr.
Ich liebe und verehre T.C. Boyle. Ich habe die meisten der bisher 16 Romane des amerikanischen Autors gelesen – «Wassermusik», «Talk Talk», «Drop City» und natürlich «World’s End». Ich mag Boyles wortgewaltige Sprache, seine Liebe zum Detail und seine oft realistischen, mitunter absurden Geschichten.
 
Nach historischen Romanen über den Cornflakes-Erfinder John Harvey Kellogg («Willkommen in Wellville») und den Sexualforscher Alfred Charles Kinsey («Dr. Sex») kümmert sich Boyle in seinem jüngsten Werk erneut um eine reale Figur der amerikanischen Kulturgeschichte. In «Das Licht» erzählt er die Geschichte von Professor Timothy Leary, der in den frühen Sechzigerjahren an der Harvard Universität mit Drogen experimentierte und später LSD-Kommunen gründete.
 
Zweite Hauptfigur in Boyles Stück ist der aufstrebende wissenschaftliche Assistent Fitzhugh Loney, der auf eine LSD-Party seines Professors Leary eingeladen wird. Fitz erhofft sich davon einen wichtigen Karriereschritt, merkt aber bald, dass Learys Ziele weniger medizinischer Natur sind; es geht dem Psychologen um eine Revolution des Bewusstseins. Fitz wird mitgerissen von dieser Vision, mit Frau und Sohn schliesst er sich der Leary-Truppe an: Sie leben in Mexiko, später in der berühmten Kommune in Millbrook, mit Drogen und sexuellen Ausschweifungen ohne Ende.
 
Boyles neustes Buch ist eine Wucht, ein Donnerschlag, ein kreischend greller Trip an die Grenzen des Bewusstseins und darüber hinaus. T. C. Boyle at his best.
 
Boyle war nach eigenen Angaben früher selber Teil der Drogenkultur. Seine LSD-Trips seien aber fast alle schrecklich gewesen, hat er neulich der «NZZ» anvertraut. Wenn er nicht arbeiten könnte, wäre er innerhalb von zwei Woche ein Junkie – «ich würde aus Langeweile Drogen nehmen, aus Selbstverachtung und aus Hass auf die Gesellschaft.»
 
Die Frage «Warum brauchen wir Drogen oder Alkohol?» hat Boyle neulich so beantwortet: «Weil unser Bewusstsein so bedrückend ist. Wir müssen dem entfliehen. Speziell in unserer ständig eingestöpselten Gesellschaft. Wie viele Menschen haben noch Naturerlebnisse? Gehen Sie raus, ziehen Sie die Stöpsel aus den Ohren! Riechen Sie mal, wie gut das duftet.» Nik Niethammer

Zärtliche Freundschaftgeschichte für Mamas und Lehrerinnen

Zsuzsa Bánk: Schlafen werden wir später. Fischer Taschenbuch, 2017, 688 Seiten, ca. 15 Fr.
Zsuzsa Bánk: Schlafen werden wir später. Fischer Taschenbuch, 2017, 688 Seiten, ca. 15 Fr.
Eine Sache, die ich an meiner Wahlheimat Basel liebe, ist, dass immer wieder Bücher am Strassenrand liegen und neue Besitzer suchen. So habe ich auch «Schlafen werden wir später» gefunden. Zum Glück, denn sonst wäre dieser Roman ungelesen geblieben. Die Vorbesitzer hatten das nagelneue Buch eindeutig nicht einmal angelesen.

Es handelt sich um einen E-Mail-Roman zweier Freundinnen Mitte 40 deren Leben unterschiedlicher kaum sein könnte. Die eine ist Lyrik-Autorin in Frankfurt mit drei Kindern und Dauerchaos. Die andere ist kinderlos und wohnt nach einer Trennung und Krebserkrankung allein im Schwarzwald und führt ein ruhiges Leben, das sie immer wieder auf sie selbst zurückwirft. Beide verbindet eine gemeinsame Kindheit. Und die grosse Liebe zur Literatur.

Und die Liebe zur Sprache spürt man in jeder Zeile der E-Mails, die die Freundinnen sich nachts und früh am Morgen schreiben. Dafür, dass der Roman fast 700 Seiten stark ist, passiert erstaunlich wenig und doch hatte ich nie das Bedürfnis, ihn zur Seite zu legen, weil er sich liest wie Streicheleinheiten. Die Frauen sind so weit voneinander entfernt und sich zugleich so nah, wie zwei Menschen es nur sein können. Bei jedem Schicksalsschlag, jeder Wende, jedem sich in eigenen Gedanken verfangen, ist die andere da. Ein wunderschönes Buch zum selbst lesen oder der besten Freundin schenken. Bianca Fritz

Mädchenpower geht auch in rosa

Annette Roeder: Rosa Räuberprinzessin. cbj Verlag 2018, 176 Seiten, ca. 25 Fr.
Annette Roeder: Rosa Räuberprinzessin. cbj Verlag 2018, 176 Seiten, ca. 25 Fr.
Rosa – Sie meinen, der Name ist Programm? Nicht bei Familie Rangel. Die Eltern haben ihre einzige Tochter zwar auf den Namen Rosa getauft, stehen aber ganz und gar nicht auf die Klischee-Mädchen-Farbe. Ganz anders als Rosa selbst, die die T-Shirts und Latzhosen ihrer drei älteren Brüder auftragen muss, sich aber nichts sehnlicher wünscht, als ein rosa Prinzessinnenkleid. 

Ihr Motto:
 Rosa, Rüschen, Rausche-Roben find ich richtig toll!
 Meine Eltern klagen, fragen, was der Unfug soll?
 Sie wollen, dass ich mach, was nur ein cooles Mädchen tut …
 doch rennen, raufen, rempeln kann ich ganz genauso gut!


Auf das Verständnis ihrer Eltern braucht Rosa aber erst mal nicht hoffen. Zum Glück hat sie ein eigenes Einhorn – einen Esel, in dem nur sie das Zauberwesen sieht – und der ihr mit Rat und Tat zur Seite steht.

Rosa zeigt sehr deutlich, dass Rosa nur eine Farbe unter vielen ist, die nicht ihr Wesen bestimmt. Auch wenn ihre (ziemlich alternativen) Eltern sich ein wenig sträuben, darf Rosa am Ende alle Facetten ihres Mädchenseins ausleben. Lustige, manchmal spannende Geschichte, die mit dem Rosa-Mädchen-Klischee spielt. Für Mädchen (und Buben) ab 6 Jahren. Evelin Hartmann
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Kurzgeschichten, die hängen bleiben

Benedict Wells: Die Wahrheit über das Lügen. Diogenes 2018, 256 Seiten, ca 34 Fr. 
Benedict Wells: Die Wahrheit über das Lügen. Diogenes 2018, 256 Seiten, ca 34 Fr. 
Ich bin ein grosser Fan von Benedict Wells und lese alles vom sympathischen Jungautor mit Schweizer Wurzeln, was mir unter die Augen kommt. «Die Wahrheit über das Lügen» besteht aus zehn Kurzgeschichten, die ich innert kürzester Zeit verschlungen habe. Und das will etwas heissen, bin ich abends doch meist zu müde zum Lesen.  Wells schreibt packend und man ist schneller drin in den Kurzgeschichten. Einige der Geschichten hängen mir bis heute nach – Kurzfutter mit Langzeitwirkung, quasi. Florina Schwander


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