Remo Largo ist gestorben: Ein Nachruf
Redaktionsblog

Zum Tod von Remo Largo

Er war der berühmteste Kinderarzt der Schweiz. Und einer der wichtigsten Erziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Am letzten Mittwoch ist Remo Largo im Alter von 76 Jahren gestorben. Ein Nachruf von Chefredaktor Nik Niethammer.
Text: Nik Niethammer
Bilder: Christian Grund / 13 Photo
Seine Bücher wurden in über 30 Sprachen übersetzt; sie werden bis heute immer wieder neu aufgelegt und begleiten Millionen von jungen Eltern durch anspruchsvolle Zeiten mit ihren Kindern.
 
Remo Largos bekanntestes Buch «Babyjahre» kam 1993 auf dem Markt. Es steht bis heute in praktisch jeder Schweizer Bibliothek. Die Botschaft ist beruhigend für alle Eltern: Das Kind durchlebt Phasen. Es gibt für Eltern keinen Grund, sich Sorgen zu machen, wenn es später läuft als andere Kinder. Oder öfter schreit. Sich nicht im selben Tempo entwickelt wie der Nachbarsbub oder das Nachbarsmädchen. Die Spannweite der kindlichen Entwicklung ist enorm.

Remo Largo hat uns Eltern stets zu einem unvoreingenommenen Umgang mit unseren Kindern ermuntert. Er nahm Druck weg. Das ist sein grösstes Verdienst.
Herr Largo, woran fehlt es in unserem Bildungssystem?Lesen Sie hier das ausführliche Gespräch von Evelin Hartmann im März 2018, in dem sie mit Remo Largo unter anderem über die heutige Massengesellschaft, überforderte Kinder und neue Formen des Zusammenlebens sprach.
Lesen Sie hier das ausführliche Gespräch von Evelin Hartmann im März 2018, in dem sie mit Remo Largo unter anderem über die heutige Massengesellschaft, überforderte Kinder und neue Formen des Zusammenlebens sprach.
In seinen Büchern und Vorträgen spürte er immer wieder diesen Fragen nach: Wie gelingt eine sichere Eltern-Kind-Bindung? Wie viel Nähe und Freiheiten braucht es in der Erziehung? Was können Mütter und Väter tun, damit Kinder sich zu sozialkompetenten Wesen mit eigenen Moral- und Wertvorstellungen entwickeln können?
 
Remo Largo war dem Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi seit seiner Gründung vor 19 Jahren eng verbunden.«Wir haben sehr grossen Handlungsbedarf, damit die Schweiz familien- undkindgerechter wird. Es braucht daher Kräfte wie die Stiftung Elternsein und den Elternratgeber Fritz+Fränzi, um die Familien nachhaltig zu unterstützen. Fritz+Fränzi ist eine der ganz wenigen Elternzeitschriften im deutschen Sprachraum, die Kinder und Eltern ernst nimmt.»

Ellen Ringier, Juristin, Gründerin und Präsidentin der Stiftung Elternsein nannte Ramo Largo einmal «den Anwalt der Kinder» – sie schätzte ihn sehr.
«Was wir in der Schweiz an Bindungszeit haben, ist ein Skandal!» Bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte bei einer Veranstaltung von Fritz+Fränzi im März 2019 sagte Remo Largo: «Was wir in der Schweiz an Bindungszeit haben, ist ein Skandal!». Mit seinen gefühlvollen und starken Worten begeisterte er den ganzen Saal. Sie können sich seinen kompletten Vortrag hier nochmal ansehen.
«Was wir in der Schweiz an Bindungszeit haben, ist ein Skandal!»
Bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte bei einer Veranstaltung von Fritz+Fränzi im März 2019 sagte Remo Largo: «Was wir in der Schweiz an Bindungszeit haben, ist ein Skandal!». Mit seinen gefühlvollen und starken Worten begeisterte er den ganzen Saal. Sie können sich seinen kompletten Vortrag hier nochmal ansehen.
Remo Largos Schaffenskraft war bis zuletzt enorm. Sein jüngstes Buch «Zusammen leben» erschien im Frühjahr. Bei unserem letzten Treffen wirkte er bedrückt. Er haderte mit vielem, vor allem damit, dass seine zahlreichen Apelle und Mahnungen sowenig erhört würden. Es spüre kaum Willen zur Veränderung, vor allem in den Schulen, beklagte er.
 
Am Mittwoch ist Remo Largo kurz vor seinem 77. Geburtstag zu Hause in Üetliburg SG gestorben. Er hinterlässt seine Frau und drei Töchter.
 
Danke, lieber Remo Largo, für alles. Sie fehlen.
<div><strong>Chefredaktor Nik Niethammer</strong> stand mit Remo Largo regelmässig in Kontakt. Zuletzt sahen sich die beiden im März vergangenen Jahres bei einer Veranstaltung im Kulturpark Zürich. Sein Liebings-Bonmot von Remo Largo lautet: «Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht».</div>
Chefredaktor Nik Niethammer stand mit Remo Largo regelmässig in Kontakt. Zuletzt sahen sich die beiden im März vergangenen Jahres bei einer Veranstaltung im Kulturpark Zürich. Sein Liebings-Bonmot von Remo Largo lautet: «Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht».

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1 Kommentar

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Von Rüdiger am 14.11.2020 07:47

Menschen wie Remo Largo strahlen wegweisenden Halt und Vertrauen wachsen lassende Orientierung aus, wo Bildungssysteme und Schulen als Instanz versagen. Wenn Eltern sozial kompetente Lebensbegleiter/innen für die Kinder seien könnten, müssten wir nicht so viel am ‚Gras‘ ziehen,- könnten wachsen lassen. Danke Remo Largo!

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