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Redaktionsblog

«Die Gefahr sitzt  vor dem Gerät!»

Am Freitag haben wir erstmals in der Geschichte von Fritz+Fränzi Eltern zu einem Seminar geladen: Hochkarätige Experten wie der Datenschützer Martin Hellweg und der Medienjurist Matthias Schwaibold sind gekommen, um Eltern die Frage zu beantworten, wie ihre Kinder sicher durchs Internet surfen können.
Text und Bilder: Bianca Fritz
Mit so mancher Eltern-Hoffnung nach einer einfachen Lösung, räumte Datenschutzexperte Martin Hellweg gleich zu Beginn auf: «Es gibt kein Programm, dass sie einfach aufspielen können und alles ist gut», betonte er. Auch wolle er den Eltern im Seminar nicht vorzeigen, wie man in einer App oder Sozialen Netzwerken die Sicherheitseinstellungen verändere. Denn: «Das kann morgen schon wieder ganz anders aussehen! Und ich traue Ihnen allen zu, dass sie es googeln und die vielen Anleitungen im Netz finden.»

Dem Datenschutzexperten ging es am Freitagnachmittag vor allem darum, eine bestimmte Denkweise zu vermitteln, eine grosse Vorsicht, was die eigenen Daten angeht. «Die grösste Gefahr sitzt nicht im Gerät, sondern davor», ist Hellweg überzeugt. Der Mensch mache es Datenbrokern, Hackern und auch rachesüchtigen Ex-Partnern zu einfach.

Zum Beispiel wenn er bequem sei: «Jedes neue Gerät ist eine neue Chance», so Hellweg. «Spielen Sie nicht einfach eine Kopie ihres alten Rechners auf den neuen, sondern kopieren Sie nur Ihre Daten. Laden Sie nur die Programme, die sie wirklich brauchen neu und checken sie dort die aktuellen Sicherheitsbestimmungen.»

Neben der Bequemlichkeit sei auch die Freizügigkeit mit der Menschen ihre Daten teilen problematisch. Und das gelte besonders für Jugendliche. Hellweg: «Bringen Sie ihren Kindern bei, sich jedes Mal zu fragen, ob sie dieses Bild jetzt wirklich posten müssen. Überwiegt das kurze Vergnügen, die Bestätigung der anderen, wirklich den langfristigen Schaden? Kann ich zu diesem Bild auch noch stehen, wenn ich mich für eine Ausbildung bewerbe?» 
Wie bildet man ein wirklich sicheres Passwort? Martin Hellweg demonstrierte im Seminar seine Methode. Sein Trick: 3 Fragen, intelligent kombiniert. Lesen Sie ihn unter Tipp 3 in unserem Artikel nach.
Wie bildet man ein wirklich sicheres Passwort? Martin Hellweg demonstrierte im Seminar seine Methode. Sein Trick: 3 Fragen, intelligent kombiniert. Lesen Sie ihn unter Tipp 3 in unserem Artikel nach.
Hellweg zeigte auf, wie einfach Datenbroker sehr genaue Profile einer Person mitsamt ihren sexuellen und politischen Vorlieben erstellen können. Dazu bedienen sie sich der Freundeslisten, werten Facebook-Likes aus und programmieren scheinbar harmlose Spiele wie «Welcher Schlumpf bist du?» 

An dieser Stelle wurde auch die Frage gestellt, die sich vielen aufdrängt: «Ist das denn so schlimm, wenn Datenbroker wissen, ob ich schwul bin und dass ich rauche?» Die nächsten Folien brachten die Antwort: Schlimm wird es, wenn die Informationen zum Beispiel an die Krankenkasse verkauft werden, und diese somit Menschen in unterschiedliche Tarife eingliedern könnte. Und natürlich könne niemand vorhersagen, wohin sich die Schweiz in den kommenden Jahrzehnten politisch entwickle, ob sie immer so tolerant bleibe, wie sie heute ist.
Matthias Schwaibold erklärt eindrücklich das Recht am eigenen Bild: «Wenn ich nicht reagiere, wenn mich Fritz+Fränzi so offensichtlich fotografiert, dann erkläre ich mich indirekt damit einverstanden. Komme ich allerdings SO auf die Fotografin zu, sieht es ganz anders aus...»
Matthias Schwaibold erklärt eindrücklich das Recht am eigenen Bild: «Wenn ich nicht reagiere, wenn mich Fritz+Fränzi so offensichtlich fotografiert, dann erkläre ich mich indirekt damit einverstanden. Komme ich allerdings SO auf die Fotografin zu, sieht es ganz anders aus...»
Neben dem politischen System, verändert sich auch das rechtliche laufend. Hier gab der Medienjurist Matthias Schwaibold einen Überblick. Dabei wurde klar: Zivilrechtlich hat man viele Möglichkeiten, zu handeln, wenn man im Netz angegriffen oder gehackt wird. Allerdings nur, wenn man weiss, wer der Täter war. Strafanzeige kann hingegen auch anonym erstattet werden – allerdings muss hier oft ein gravierenderer Tatbestand vorliegen. 

Zudem lassen Gesetzestexte Eltern oft ein bisschen ratlos zurück, wie Schwaibold aufzeigt. So werde zum Beispiel die «Handlungs- und Urteilsfähigkeit» eines Kindes im Netz im Einzelfall entschieden. «Wer einen Artikel sucht, der im aufzeigt, ab welchem Alter ein Jugendlicher zum Beispiel eine Dating-App wie Tinder nutzen dar, sucht vergeblich.»
Wie schütze ich meine Kinder im Internet? Aufzeichnung des Live-Interviews mit Martin Hellweg vom 20. März.

Datenschutz für Kinder im Internet - 11 Tipps:

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