«Meine Eltern behandeln mich wie ein Baby!»
«Frag doch mal Sarah!»
Meine Eltern behandeln mich wie ein Baby! Das kann ich einfach nicht mehr ertragen! Sie trauen mir überhaupt nichts zu, wollen immer wissen, was ich gerade mache oder wo ich hingehe. Sie erlauben mir nicht mal Dinge, die meine Freundinnen dürfen, wie zum Beispiel nach der Schule im Coop etwas zum Essen kaufen.
Elena, 13
Liebe Elena
Mit 13 Jahren bist du kein Kind mehr, sondern eine Jugendliche. Entsprechend möchtest du nicht wie ein kleines Mädchen behandelt werden – schliesslich befindest du dich längst auf dem Weg zur jungen Frau.
Während das Körperliche für andere sichtbar ist, bleibt dein Innenleben meist verborgen.
Diese Veränderungen prägen dein Äusseres: Dein Körper wächst und nimmt weibliche Formen an. Auch deine Gedanken und Gefühle wandeln sich. Doch während das Körperliche für andere sichtbar ist, bleibt dein Innenleben meist verborgen.
So geht es vermutlich auch deinen Eltern: Sie sehen, dass ihre Tochter sich vom Kind zur Jugendlichen entwickelt hat. Aber vielleicht ist ihnen nicht bewusst, dass du auch reifer und selbständiger geworden bist und eine eigene Meinung hast. Weil sie es nicht bemerkt haben, behandeln sie dich weiterhin wie ein Kind.
Sie meinen es gut und handeln nicht aus Bösartigkeit. Dass dich ihr Beschützerinstinkt dennoch nervt, ist verständlich.
Vom Kleinkind zur Jugendlichen
Der Wandel vom Kind zur Jugendlichen kam für deine Eltern womöglich überraschend. Haben sie den Moment verpasst, um festzustellen, dass du nicht mehr wie ein Kleinkind behütet und umsorgt werden musst? Auf jeden Fall sehen sie immer noch die Kleine in dir, die du früher warst.
Früher wussten deine Eltern genau, was du gerne magst und womit du dich beschäftigst. Heute möchtest du lieber raus, mit deinen Freundinnen am Handy chatten oder neue Styles ausprobieren. Dieser Wandel ist ihnen fremd – und verunsichert sie.
Eltern müssen sich ein Stück weit Sorgen machen, um auf ihr jugendliches Kind aufzupassen.
Aber warum sollten sie sich denn sorgen, fragst du dich vielleicht. Weil sie dich lieben und sich gut um dich kümmern möchten. Da sollte es ihnen tatsächlich nicht egal sein, wo und mit wem du dich aufhältst. Sie möchten ganz sicher nicht, dass du verbotene Substanzen konsumierst - wir sprechen hier zum Beispiel von Tabak, Alkohol und Drogen. Aber auch der Konsum von Social Media kann problematisch sein, da es einen manipulativen Einfluss auf dich haben kann.
Eltern müssen sich also ein Stück weit Sorgen machen, um auf ihr jugendliches Kind aufzupassen. Eltern sind von Gesetzes wegen verpflichtet, die Verantwortung für ihr Kind zu übernehmen - und zwar bis zum 18. Geburtstag. Dann bist du mündig, also erwachsen und kannst selbst auf dich aufpassen. Aber bis dahin dürfen und müssen deine Eltern entscheiden, was sie dir erlauben und zumuten. Normalerweise besprechen Eltern diese Entscheide mit ihrem Kind und man findet eine Regelung, die möglichst für beide stimmt.
Nun aber zurück zu deiner Situation: Du fühlst dich als Baby behandelt und willst, dass sich das ändert.
Wie deine Eltern dich als Jugendliche behandeln
Um das zu erreichen, möchte ich bei dir selbst anfangen: Bitte mach dir klar, dass deine Eltern einfach noch etwas Zeit brauchen, um sich an dein aktuelles Alter zu gewöhnen. Sie werden dich am ehesten als Jugendliche behandeln, wenn du ihnen zeigst, wie verantwortungsvoll du sein kannst. Das heisst zum Beispiel, dass du dich um deine Schulsachen gut und selber kümmerst. Oder dass du an Aufgaben im Haushalt von dir aus dran denkst, ohne dass dich die Eltern erinnern müssten.
Ebenso wichtig ist, dass deine Eltern dir 100-prozentig vertrauen können. Das bedeutet, dass du immer ehrlich bist und auch sofort zugibst, falls dir etwas Blödes passiert ist oder du eine falsche Entscheidung getroffen hast. Wenn du dann auch deinen Eltern erklärst, dass du deinen Fehler einsiehst, werden sie erkennen, dass du reifer geworden bist und auch mögliche Konsequenzen tragen kannst.
Deine Eltern brauchen von dir Zeit und Geduld, damit sie sich an ihre grosse Tochter gewöhnen können.
Rechte und Pflichten wachsen im gleichen Mass
Stell dir einfach mal vor, du hättest ein Haustier. Nehmen wir mal an, das wären Meerschweinchen. Du kennst deine Meerschweinchen in- und auswendig. Du weisst, was sie am liebsten fressen, wo sie sich am liebsten verstecken und wo sie es mögen, gekrault zu werden. Und nun stell dir vor: eines Tages kommst du nach Hause und deine Meerschweinchen sind nicht da. Stattdessen sind da Stachelschweine im Käfig.
Da würdest du grosse Augen machen, oder? Und du müsstest erst einmal herausfinden, wie man Stachelschweine richtig behandelt. Sie sind nämlich genauso tolle Tiere wie die Meerschweinchen. Sie sind faszinierend und definitiv anders. Bis du sie ebenfalls in- und auswendig kennst, braucht es etwas Zeit und Geduld. Zeit und Geduld brauchen deine Eltern auch von dir. Damit sie sich an ihre grosse Tochter gewöhnen können.
Gleichzeitig könntest du mit ihnen darüber reden und sie bitten, dir etwas mehr zu erlauben und zuzumuten. Sag ihnen, dass du auch eigene Erfahrungen machen musst, um gross zu werden.
Mach ihnen Vorschläge, in welchen Bereichen du mehr Freiheit haben und in welchen Dingen du dafür mehr Verantwortung übernehmen möchtest. Mit dem Erwachsenwerden wachsen Rechte und Pflichten im gleichen Mass. Das sehen deine Eltern bestimmt auch so.
Alles Gute!
Frag doch mal Sarah
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