Desktop ellen girod chez mama poule
Mediennutzung

Wenn Mama bloggt

Über seine Kinder im Internet zu schreiben, liegt im Trend. Ein Grund: An einem Blog kann Mama von zu Hause aus arbeiten. Aber Blogs zu Geld machen, ist ein hartes Geschäft.  
Text: Bianca Fritz
Während Ellen Girod (Bild oben) ihre Tochter stillt, tippt sie auf ihrem Handy Textentwürfe. Nachts sitzt sie dann an ihrem Laptop, überträgt Texte in ihren Blog, bastelt an Fotos und am Webdesign und tüftelt an Strategien, mit denen ihr Blog «Chez Mama Poule» bekannter werden und Geld einbringen könnte. Die 33-Jährige hat einen Traum: «In zwei Jahren möchte ich vom Bloggen leben können», sagt die freie Journalistin und Mutter. Ein Traum, den viele Mamablogger und sicher auch einige der wenigen Papablogger teilen. Denn Bloggen verspricht Freiheit: «Beim Bloggen kann ich orts- und zeitunabhängig arbeiten – und immer dann für meine Kinder da sein, wenn sie mich brauchen», erklärt Ellen Girod.
Andrea Jansen in ihrem Café-Büro. Bild: Bianca Fritz, Bild oben: zVg
Andrea Jansen in ihrem Café-Büro. Bild: Bianca Fritz, Bild oben: zVg
Ein ähnliches Ziel verfolgt auch Reisefan und Dreifachmama Andrea Jansen. Die Journalistin und ehemalige TV-Moderatorin ist 2016 mit ihrem Blog «anyworkingmom» gestartet und hatte schon am ersten Tag 1000 Besucherinnen und Besucher. «Wenn man öffentlich bekannt ist, kann man sich nicht einfach mal ausprobieren – da muss jeder Text sitzen – von Anfang an», sagt sie. Mit ihrem Blog anyworkingmom ist sie ein Shootingstar in der Schweizer Elternblogger-Szene. Schon nach einem Jahr hat sie rund 30'000 Leserinnen und Leser pro Monat und mit Anja Knabenhans eine Partnerin mit an Bord.

Anyworkingmom entstand auch nie neben dem Wickeltisch. Andrea Jansen geht zum Schreiben ins Büro – in ihrem Fall in einen hippen Co-Working-Space in Zürich. Bloggen passiert in ihrer offiziellen Arbeitszeit von etwa 60 Prozent. Der Blog ist, neben Beratungstätigkeiten, Vorträgen und journalistischen Artikeln, zu einem beruflichen Projekt geworden – und das war auch von Anfang an so geplant. Nach einigen Werbekooperationen wollen die beiden Frauen im nächsten Jahr auf langfristige Partner setzen und versuchen, mit innovativen Ideen den Blog zu finanzieren. So zum Beispiel mit einem eigenen Produkt: lustigen Karten für Mütter, die dem Mutterberuf mit einem Augenzwinkern huldigen.

Unsere Liste mit Schweizer Mama-, Papa- und Elternblogs. Fehlt noch jemand? Dann schreiben Sie uns gerne eine E-Mail mit dem Link an: online(at)fritzundfraenzi.ch

Elternblogs liegen im Trend – in den USA und in Deutschland schon lange, aber auch in der Schweiz werden es immer mehr. Offizielle Zahlen gibt es nicht, und sie sind schwierig zu erheben: Viele Schweizer Blogs fischen auch in Deutschland nach Leserinnen und umgekehrt. Über 2000 deutschsprachige Familienblogs sind in einer Datenbank der Frauenzeitschrift Brigitte verzeichnet. In der Schweiz zeigt sich das wachsende Interesse auch an der Teilnehmerzahl der speziell für Familienblogger ins Leben gerufenen Konferenz Swiss Blog Family: Kamen 2016 bei der ersten Durchführung noch knapp 50 Mütter (und ein Vater) zusammen, um sich über Bildrechte, Privatsphäre und Vermarktung auszutauschen, haben die Veranstalter diesmal 100 Plätze locker besetzt. 

Obwohl die Familie bei den Bloggern  im Zentrum ihres Schaffens steht, krabbelt nur ein einziges Kleinkind durch den grossen Seminarraum eines Kongresshotels in Basel – alle anderen haben ihre Kinder zu Hause gelassen. Die Sponsoren mit Buntstiften und Malbüchern warten vergeblich auf gelangweilte Kinder. Unter den Frauen (und vereinzelten Männern) herrscht die fröhliche Stimmung eines grossen Klassentreffens. Man kennt und liest ja viel Persönliches voneinander. 
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2 Kommentare
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Von Martin @pokipsie am 01.12.2017 15:08

Vielen Dank, das ihr auch über die #SwissBlogFamily geschrieben habt. Gerne möchte ich aber (als #QuotenMann) noch eine Korrektur angeben. Ich war diesesmal das erste mal bei der Organisation dabei. Im letzten Jahr aber auch schon als Gast.

In dem Sinne auch da schon der #QuotenMann 😁

Von Fritz+Fränzi Redaktion am 01.12.2017 16:28

Hoppla! Da haben wir wohl, obwohl wir letztes Jahr auch schon da waren, den einen Mann übersehen - tut uns unendlich leid. Wir korrigieren das im Text. Danke für den Hinweis und liebe Grüsse aus der Redaktion.

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