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Mediennutzung

Soziale Medien – soziale Algorithmen?

Teenager mögen Instagram und Co.,weil sich hier ihre Freunde tummeln und weil sie Inhalte finden, die sie ansprechen. Doch wer entscheidet, was sie sehen?
Text: Michael In Albon

In Zusammenarbeit mit der Swisscom
Teenager verbringen viel Zeit in den sozialen Medien: 80 Prozent der Schweizer Jugendlichen besuchen sie gemäss der JAMES-Studie der ZHAW von 2016 täglich oder mehrmals die Woche. Sie tauschen sich hier mit Menschen aus, welche die gleichen Interessen teilen – weltweit. Und, besonders wichtig: Sie erhalten Feedback auf ihre Posts. Denn sie wollen wissen, wie sie in der Online-Community ankommen. 

Der Star unter den sozialen Netzwerken ist Instagram: 81 Prozent der Jugendlichen besitzen hier gemäss der JAMES-Studie 2016 ein Profil. Gleichzeitig lesen immer weniger Teenager Zeitungen oder schauen Fernsehnachrichten. Unsere Kinder informieren sich also vorrangig in den sozialen Medien. Hier erhalten sie Nachrichten in Form von Informationshäppchen, die auf ihre Interessen zugeschnitten sind – so das Versprechen der sozialen Netzwerke.

Instagrams Geheimnis

Wer aber selektiert die ausgewählten Nachrichten? Wer steuert den Informationsfluss? Und besonders aktuell: Wer schützt die Nutzer vor Falschmeldungen? Denn Instagram, Facebook, Snapchat und Co. haben ja keine Redaktion, die wichtige Nachrichten von unwichtigen oder richtige von falschen trennt. Diese Aufgabe übernehmen Programme, sogenannte Algorithmen. Und wie diese genau funktionieren, bleibt das Geheimnis der Plattform-Betreiber: Die Algorithmen von Instagram, Facebook und anderen Plattformen sind nicht öffentlich einsehbar.

Nach 300 Likes weiss Facebook Bescheid

Was dennoch bekannt ist: Neueste Beiträge erscheinen nicht zwangsläufig an erster Stelle und es werden auch nicht alle News der abonnierten Personen und Seiten angezeigt. Denn heute zählt die Relevanz. Laut eigenen Angaben bemisst Instagram diese nach drei Kriterien: Interesse, Aktualität und Beziehung. «Interesse» bewertet, wie viele Reaktionen ein Beitrag hervorruft – Likes also oder Kommentare.

«Aktualität» bedeutet, dass einem User, der sich neu einloggt, eher Beiträge angezeigt werden, die eben erst gepostet wurden. Und «Beziehung» ermittelt die Beziehung zwischen Nutzer und Absender. Also etwa: wie lange sie sich kennen und wie oft sie miteinander interagieren. Weiter berücksichtigt der Algorithmus, wie lange ein Nutzer bei einem Beitrag verweilt und wie intensiv er darauf reagiert. Auch wenn die Algorithmen geheim gehalten werden, klar ist: Abweichende Meinungen und umfassende Informationen werden dem Nutzer vorenthalten. Und Algorithmen können laut Experten bereits anhand von rund 300 Likes ein Bild des Users zeichnen, das private Informationen enthält wie etwa, ob die Eltern geschieden sind.

Wer Google, Whatsapp und Co. nutzt, hinterlässt Daten. Sie werden kombiniert und interpretiert – mit dem Ziel, jeden Nutzer so genau wie möglich zu kennen und zu erkennen. Für Jugendliche heisst es deshalb: Überlege gut, was du von dir preisgibst, was du postest, wo du wie lange verweilst und was du wie kommentierst. Für Eltern heisst es: Werden Sie nicht müde, mit Ihren Kindern über das Thema digitale Medien zu reden.

Bild: Adobe Stock

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Michael in Albon ist Jugendmedienschutzbeauftragter und Medienkompetenzexperte von Swisscom.
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