Mediennutzung

Always online? Jugendliche reflektieren Mediennutzung besser als Erwachsene!

Junge Menschen denken mehr über ihre Internetnutzung nach als Erwachsene. Das ergab eine aktuelle repräsentative Umfrage der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Die befragten 16- bis 25-Jährigen erleben das permanente Online-Sein vorwiegend positiv, sind sich aber bewusst, dass es Regeln und Grenzen braucht. 
Redaktion Fritz+Fränzi
Heute veröffentlichte die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) die Broschüre «Always on. Wie erleben Jugendliche das ständige Online-Sein?». In dieser werden die wichtigsten Ergebnisse einer Umfrage von 1001 Schweizer Jugendlichen im Alter von 16 bis 25 Jahren präsentiert – sowie von einer Kontrollgruppe von 40-55-Jährigen.

Jugendliche sind deutlich häufiger online als Erwachsene. Aber ...

Digitale Medien haben bei Jugendlichen einen hohen Stellenwert und werden intensiv und vielfältig genutzt. In ihrer Freizeit sind die 16- bis 25-Jährigen durchschnittlich vier Stunden am Tag online, im Vergleich zu zweieinhalb Stunden bei den 40- bis 55-Jährigen. Instant Messaging, soziale Medien, E-Mail und Videoportale werden rege verwendet. Die Jugendlichen schätzen es vor allem, mit anderen Personen in Kontakt zu stehen, Informationen für Schule und Beruf zu suchen oder einfach Spass zu haben. 

Es wurde auch abgefragt, wie sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit ihrem Online-Verhalten fühlen. «Die Studie zeigt, dass junge Menschen an ihren Displays nicht schutzlos und verloren sind, sondern dass sie insgesamt mehr über ihre Internetnutzung nachdenken als Erwachsene. Sie machen sich viele Gedanken über die Folgen des ständigen Online-Seins», erklärte Sami Kanaan, Präsident der EKKJ.

«Die Hälfte der Jugendlichen findet <Always on> positiv. Ambivalenter sieht es die andere Hälfte: Zwar sehen sie die positiven Aspekte, betonen aber auch den Stressfaktor. So fühlt sich beispielsweise jeder dritte Jugendliche durch Anwendungen, die den regelmässigen Gebrauch belohnen unter Druck gesetzt und jeder Vierte wird nervös, wenn er für einige Zeit nicht online ist», präzisiert Sami Kanaan. 

Fast alle Jugendlichen haben Tipps & Tricks zur Selbstregulierung 

Die Umfrage ergab, dass 95 Prozent der Jugendlichen mindestens eine Strategie verfolgen, um die vielen Online-Benachrichtigungen zu bewältigen. Sie sagen zum Beispiel:

  •  «Ich bin mir bewusst, dass ich Nachrichten nicht sofort beantworten muss, bei dringenden Fragen kann man mich ja anrufen.»
  •  «Apps mit denen ich zu viel Zeit verwende, lösche ich wieder.»
  • «Ich benutze Apps, die die Zeit begrenzen, die ich vor dem Bildschirm verbringe.»
  • «Ich deaktiviere überall die Benachrichtigungsfunktion.»

Zwei von fünf Jugendlichen legen Regeln fest, wann und wie lange sie online sind: Jugendliche (16–20 Jahre) setzen vermehrt auf Selbstregulierung und sind häufiger offline als junge Erwachsene (21–25 Jahre).

Vielnutzer machen sich auch mehr Gedanken 

Im Fokus der Studie standen auch die zehn Prozent der Jugendlichen, die im Vergleich zu Gleichaltrigen intensiver online sind (durchschnittlich 5,4 Stunden pro Tag). Die Studie verdeutlicht, dass diese Gruppe von Jugendlichen die negativen und positiven Auswirkungen des dauerhaften Online-Seins stärker in Frage stellt. Sie setzen sich mehr Regeln, haben aber Entzugssymptome, wenn sie nicht online sind.

«Junge Menschen machen sich viele Gedanken und haben viel Erfahrung. Es geht nicht darum, die Herausforderungen einer intensiven Online-Nutzung herunterzuspielen, sondern aufzuzeigen, wie wichtig und gewinnbringend es ist, junge Menschen in die Diskussion oder bei Entscheiden über entsprechende Thematiken einzubeziehen. Sie bringen eine wertvolle Expertise ein, welche den Erwachsenen andere Sichtweisen eröffnet», sagt Sami Kanaan. 
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«Always on»: Informationen zur Umfrage 

Im Auftrag der EKKJ führte die Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) mit Unterstützung von M.I.S. Trend eine repräsentative Umfrage bei 1001 Jugendlichen zwischen 16 und 25 Jahren sowie einer Vergleichsgruppe von 390 Personen im Alter von 40 bis 55 Jahren durch. Die Fragen bezogen sich auf die Art und Dauer der Online-Aktivitäten, die Bedeutung, die ihnen beigemessen wird, sowie die Regulierungsstrategien, die für den Umgang mit dem ständigen Online-Sein gefunden wurden. 

Die wichtigsten Ergebnisse werden in der Broschür
e «Always on. Wie erleben Jugendliche das ständige Online-Sein?» vorgestellt auf der EKKJ-Webseite. Ein ausführlicher Forschungsbericht wurde von der FHNW veröffentlicht und ist unter www.alwayson-studie.ch verfügbar. 

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