Medienerziehung

Ist mein Kind fit für die Berufswelt?

Vielen Jugendlichen fehle es heute an Umgangsformen und Durchhaltevermögen, beklagen Ausbilder. Dies hängt nicht zuletzt mit ihrer mangelnden Medienkompetenz zusammen, sagt unser Kolumnist. 
Text: Thomas Feibel
Illustration: Petra Dufkova/Die Illustratoren
Die heutige, internet­affine Jugend ist bestens auf die digitale Berufswelt vorbereitet – so könnte man meinen. Dass dem nicht so ist, bekomme ich während meiner ­Vorträge auf Ausbildungskongressen regelmässig bestätigt.

Beschränkte sich ihr Schulalltag weitestgehend auf Zuhören, Lernen und Prüfungenschreiben, treten Jugendliche mit dem Beginn einer Ausbildung in eine neue Welt ein. Der Arbeitstag umfasst mehr als acht Stunden und wird nicht mehr in derselben Häufigkeit durch Pausen unterbrochen; auf Pünktlichkeit, gute Umgangsformen und gepflegtes Äusseres wird viel mehr Wert gelegt als in der Schule; und während Engagement und Fleiss im Unterricht eher punktuell eingefordert wurden, ist diesbezüglich im Ausbildungsbetrieb Kontinuität gefragt. 
Viele Jugendliche haben heute eine eingeschränkte Kontakt- und Konzentrationsfähigkeit.
Dies alles ist anstrengend, ungewohnt und bedeutet im Leben junger Menschen eine grosse Umstellung. Insbesondere auch deswegen, weil viele Jugendliche zwar eine Ausbildung beginnen, aber trotzdem unsicher sind, ob sie die richtige Branche gewählt haben. Das ist erst einmal nichts Neues. Im Internetzeitalter sind diese Zweifel jedoch besonders gross, da einem im Netz ständig eine Vielzahl an Möglichkeiten vor Augen geführt werden.

Jugendliche sind heute ­unselbständiger

Ausbilder treffen auf junge Menschen, die sich anders verhalten als Generationen vor ihnen, da sie sehr viel Zeit im Internet beziehungsweise in den sozialen Medien verbringen. Dort holen sie sich ihre Informationen, dort kommunizieren sie. Der deutsche Sozialwissenschaftler und Universitätsprofessor Klaus Hurrelmann schätzt die digitalen Fähigkeiten dieser Generation, sieht aber auch ihre Defizite.

So seien Angehörige dieser Generation zwar sehr selbstbewusst, stellte er in der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» fest, aber unselbständig. «Diese jungen Leute haben eine ­eingeschränkte Konzentrations­fähigkeit, Ausdauer und Kontakt­fähigkeit. Viele sind schnell abgelenkt und sich durch virtuelle Umgangsformen nicht mehr gewohnt, sich in realen sozialen Situationen angemessen zu verhalten.» Ein konkretes Beispiel dazu ­lieferte mir kürzlich eine Mutter an einem meiner Vorträge. Ihre ­17-jährige Tochter hätte beinahe ihren Schülerjob verloren, weil ihre Teamleiterin sich über deren «arrogante Nachrichten» geärgert hatte. Dabei war der Text – «Wann soll ich morgen da sein?» – nicht herablassend, sondern nur platt und unhöflich. Es fehlte eine freundliche Anrede- beziehungsweise Abschiedsformel. Das Mädchen hatte mit ihrer Chefin wie mit einer Freundin kommuniziert. 

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