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Medienerziehung

Halten Sie den Streit aus!

Digitale Medien führen immer wieder zu Streit. Mit dem ersten Smartphone Ihres Kindes bekommen Sie oft endlose Debatten gratis dazu. Und das ist gut so. Lesen Sie hier wieso. 
Text: Michael In Albon
«Eigentlich verstehe ich mich mit meiner Tochter super – wenn das Thema Handy nicht wäre.» 
Der Vater einer 13-Jährigen trifft den Nerv vieler Familien, wenn er sagt: «Eigentlich verstehe ich mich mit meiner Tochter super – wenn das Thema Handy nicht wäre.» Denn ständig gibt es Auseinandersetzungen um die Nutzung der Bildschirmgeräte. Selbst bei den grundlegendsten Regeln wie etwa der Medienzeit.

Eine Stunde sind 60 Minuten, sollte man meinen. Wann jedoch so eine Stunde beginnt und wann sie endet, ist keineswegs eindeutig. Gehört etwa das YouTube-Tutorial über Bruchrechnen dazu? – «Das ist ja Lernen.» Oder das Sportpanorama – «Das willst ja eigentlich du schauen». Und was ist mit den Minuten, in denen Ihr Kind zwischendurch, während seiner Medienzeit, auf die Toilette muss? Das gilt es auszuhandeln.
«Halten Sie als Eltern den Streit aus – gerade mit Teenagern.»

Macht Streiten unabhängig?

Solche Diskussionen drücken auf die Stimmung, hören nicht auf – und sind anstrengend. Denn trotz klarer Regeln und Abmachungen versuchen Kinder und Jugendliche immer wieder, längere Nutzungszeiten herauszuschlagen. Häufig argumentieren sie damit, dass alle anderen ihre Geräte viel länger nutzen dürfen – alle Freunde, alle Klassenkameraden, ja die ganze Welt! Das ermüdet, frustriert und ist normal. Vor allem aber ist es positiv. Halten Sie als Eltern den Streit aus – gerade mit Teenagern. Er gehört zu ihrer Entwicklung. Schwierig ist dabei, dass Sie in einem konstruktiven Dialog bleiben.

Das heisst: Lassen Sie Ihr Kind seinen Standpunkt vertreten und legen Sie Ihren dar. So lernen Teenager argumentieren und entwickeln ein gesundes Selbstbewusstsein. Dieses stärkt sie; vor allem um dem Gruppendruck von Gleichaltrigen standzuhalten. Jugendliche, die sich häufig fundierte Streitgespräche mit ihren Eltern liefern, sind weniger anfällig für negative Einflüsse. Sie entwickeln zu Hause eine gesunde Selbständigkeit, die sich auf die Beziehung mit Gleichaltrigen überträgt.
«Streiten Sie um die Sache, nicht um die Beziehung.» 
Legen Sie also Ihre Erfahrungen dar, pochen Sie auf das Einhalten von Regeln und scheuen Sie den Konflikt mit Ihrem Kind nicht. Aber streiten Sie richtig: Streiten Sie um die Sache, nicht um die Beziehung. Überzeugen Sie mit sachlichen Argumenten; vermeiden Sie Dauermonologe oder Beschimpfungen. Und lassen Sie Ihre Teenager ihre Argumente vorbringen. Denken Sie nun, diese strengere Haltung lässt Kindern und Jugendlichen weniger Freiräume? Bedenken Sie: Diese Haltung vermittelt Ihren Kindern gleichzeitig Orientierung und schützt sie vor Überforderung. Denn Kinder, die sich im Schutz einer funktionierenden Familie auseinandersetzen können, haben die besseren Chancen, sich ihr Erwachsenwerden zu «erstreiten». Dabei kann es ruhig mal heftiger zur Sache gehen.

Bild: zVg

Zum Autor:

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Michael In Albon ist Beauftragter Jugendmedienschutz und Experte Medienkompetenz von Swisscom.

Auf Medienstark finden Sie Tipps und interaktive Lernmodule für den kompetenten Umgang mit digitalen Medien im Familienalltag. swisscom.ch/medienstark
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