Erinnerungen: Momente, die bleiben
Psychologie

Momente, die bleiben

Stellen Sie sich vor, Ihre Kinder sind mittlerweile erwachsen und erzählen Ihren Enkeln aus der Kindheit und Jugendzeit. Welche Momente sind ihnen wohl in besonders schöner Erinnerung geblieben? Welche Erlebnisse haben sie geprägt? Bei der Suche nach Antworten hilft eine einfache Formel.
Text: Stefanie Rietzler
Illustration: Petra Dufkova/Die Illustratoren
Wenn wir auf unser Leben zurückblicken, stellen wir fest, dass durch den Alltagstrott die meisten Tage verblasst sind. Unser inneres Archiv besteht nicht aus einem Durchschnitt aller Tage, sondern aus einzelnen, besonderen Momenten, die wir auch nach vielen Jahren noch lebendig in uns heraufbeschwören können.
Die Pandemie stiehlt uns Momente, die uns stolz und glücklich machen und die 
 uns Aha-Erlebnisse bescheren.
Dabei handelt es sich um Erlebnisse, die mit starken Emotionen verknüpft sind. Aber nicht nur das: Sie weisen auch eine bestimmte Textur auf, wie die Brüder Chip und Dan Heath, Autoren des Buchs «The Power of Moments», nachweisen konnten. Die beiden fanden vier Elemente, die bleibenden Erlebnissen gemeinsam sind und uns auf positive Weise prägen. Sie haben sie in der sogenannten EPIC-Formel zusammengefasst.

Vier Elemente machen positive Erlebnisse prägend 

Sehen wir uns die vier einzelnen Aspekte genauer an:
Elevation: Darunter versteht man Momente, die aus dem Alltag herausstechen. Diese tauchen auf, wenn die gewohnte Routine durchbrochen wird und etwas Unvorhergesehenes oder Ungewöhnliches passiert. Wir erinnern uns vielleicht an den ersten Schultag, die ersten Verliebtheitsgefühle, an ein Naturschauspiel wie eine Sonnenfinsternis oder einen Kometenschauer, den man als Familie verzückt verfolgt hat, oder eine aufregende Übernachtung im Kindergarten oder in der Schule.

Pride: Erlebnisse, auf die wir stolz sind, prägen sich besonders gut ein. Wahrscheinlich können Sie Ihre Abschlussfeier mit der Zeugnisübergabe vor Ihrem inneren Auge sehen. Auch kleinere, persönliche Meilensteine bleiben uns: der Moment, in dem wir uns zum ersten Mal überwinden konnten, eine Halfpipe herunterzusausen, vom Sprungturm zu springen, oder endlich den schweren Endgegner in einem Computerspiel bezwungen haben und es sofort unseren Freunden erzählen mussten. Momente, in denen wir vor Publikum etwas präsentiert haben: ein Vortrag in der Schule, eine Theateraufführung, Vorspielen mit dem eignen Instrument oder das gewonnene Finale mit anschliessender Sieger­ehrung. Vielleicht denken wir auch mit Stolz an Situationen zurück, in denen wir uns behaupten mussten und den Mut hatten, für uns oder andere einzustehen.

Insight: Auch Aha-Erlebnisse haben das Potenzial, sich in unserem Gedächtnis einzunisten und uns zu prägen. Wir erinnern uns besonders gut an Lerninhalte, wenn wir uns einem Thema widmen und dabei plötzlich neue Zusammenhänge entdecken oder nach langem Ringen endlich verstehen, wie ein bestimmter Aufgabentyp gelöst werden kann. Noch intensiver sind Aha-Momente, wenn sie unser Leben betreffen: Wenn wir in einem Augenblick der Klarheit plötzlich erkennen, was uns wirklich wichtig ist, und daraufhin bedeutsame Entscheidungen treffen: auf eine Schule wechseln, die besser zu uns passt, uns auf eine Lehre festlegen oder uns endlich aus einer toxischen Freundschaft lösen können.

Connection: Wenn wir unser inneres Fotoalbum durchsehen, merken wir, dass die meisten bleibenden Erinnerungen Augenblicke sind, in denen wir uns auf besondere Weise mit anderen verbunden gefühlt haben. Da flackern Momente auf, in denen sich ein Elternteil Zeit für uns alleine genommen hat und wir über persönlichere Dinge gesprochen haben als im Alltag; mit Freunden verbrachte Urlaubstage; ein Ausflug mit der Patentante oder dem Patenonkel ohne Eltern und Geschwister im Schlepptau; die heimliche Hausparty mit der Clique, als die Eltern übers Wochenende verreisten; Gespräche, in denen uns jemand ein Geheimnis anvertraut hat. 

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1 Kommentar

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Von Nicole am 26.04.2021 11:55

Sehr schöner und lehrreicher Artikel. :)

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