Ernährung

Frau Scharfenberg, warum fahren Kinder so auf Süsses ab?

Eltern kennen diesen Kampf: Kinder wollen am liebsten nur Süsses und nackte Nudeln essen. Die Ärztin und Ayurveda-Praktizierende Janna Scharfenberg hat eine logische, ayurvedische Erklärung dafür. Und sie verrät, warum Routinen Kinder so guttun.
Interview: Bianca Fritz
Foto: Brinkop Foodteam

Frau Dr. Scharfenberg, ayurvedische Ernährung heisst: teure Gewürze zu kaufen, die den Kindern dann eh nicht schmecken, oder?

Das ist leider tatsächlich oft die Vorstellung, die viele vom Ayurveda haben. Sie verstehen darunter sehr spezielle indische Gerichte mit intensiven Gewürzen. Aber das ist nur ein Mini-Anteil im Ayurveda. Hier geht es um ein ganzheitliches Gesundheitssystem, mit dem wir Kinder sehr in ihrer Entwicklung unterstützen können. 

Was können wir vom Ayurveda über eine gesunde Ernährung für Kinder lernen?

Die Kindheit wird im Ayurveda als die Kapha-Phase gesehen, eine Phase in der das Erdelement grosse Bedeutung hat. Die Kinder legen an Substanz zu, das Gewebe vermehrt sich, sie wachsen. Süsse Speisen haben uns seit jeher in dieser Zeit unterstützt, in der Steinzeit zum Beispiel wurden viele Beeren und Honig gegessen. Es ist also logisch, dass Kinder den süssen Geschmack bevorzugen.
Dr. med. Janna Scharfenberg ist praktizierende Ärztin, Online-Unternehmerin, Ayurveda-Expertin und Mutter einer 2.5 Jahre alten Tochter. Sie wohnt in Zürich, arbeitet aber derzeit von verschiedenen Orten aus, da sie mit ihrer Familie im Wohnwagen unterwegs ist. In ihrem ersten Buch «Ayurveda for Life» bricht sie die Prinzipien der alten indischen Wissenschaft auf ein modernes Leben herunter. Bild: Alysa Aesch
Dr. med. Janna Scharfenberg ist praktizierende Ärztin, Online-Unternehmerin, Ayurveda-Expertin und Mutter einer 2.5 Jahre alten Tochter. Sie wohnt in Zürich, arbeitet aber derzeit von verschiedenen Orten aus, da sie mit ihrer Familie im Wohnwagen unterwegs ist. In ihrem ersten Buch «Ayurveda for Life» bricht sie die Prinzipien der alten indischen Wissenschaft auf ein modernes Leben herunter. Bild: Alysa Aesch

Kinder schmeckt Süsses also, weil sie es brauchen. Nun ist aber Schokolade kein gutes Grundnahrungsmittel ...

Bei Süssem ist natürlich nicht von Süssigkeiten die Rede. Und auch nicht von allem anderen, was industriellen Zucker enthält. Der Ayurveda nutzt die natürliche Süsse wie sie zum Beispiel in Karotten, Bohnen, Süsskartoffeln oder in Früchten steckt. 

Haben Sie ein paar Anregungen für gesundes Süsses parat?

Der Klassiker ist das morgendliche Porridge aus Haferflocken oder anderem Getreide. Serviert mit angedünsteten Früchten, vielleicht mit etwas Ahornsirup oder Datteln gesüsst. Hier kann man viel variieren, ein Fruchtmuss oder Nussmuss untermischen zum Beispiel. Und wenn das Kind gerade in der Phase steckt, in der es nur Nudeln möchte, dann gibt es eben hochwertige Vollkornnudeln und man püriert eine Karotte oder Süsskartoffel in die Sauce für den süssen Geschmack. Viele Kindergaumen mögen die eher saure Tomatensosse nicht. Auch Bananenbrot schmeckt süss. Und es gibt tolle Brownies auf Basis von schwarzen Bohnen. Prinzipiell gilt: Kinder essen gerne warm – auch das passt zur Kapha-Qualität und fühlt sich wohlig an. Viele mögen ausserdem eine sämige, breiige Konsistenz. Aber das lässt sich weniger verallgemeinern – es gibt auch die Kinder, die Knackiges zu schätzen wissen.
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Wie wichtig ist die Abwechslung auf dem Teller?

Weniger wichtig, als viele Eltern meinen. Kinder lieben Routinen, es gibt ihnen Sicherheit, wenn sie auf dem Teller Dinge wiedererkennen. Ja, mich kann es auch wahnsinnig machen, wenn meine Tochter mehrmals am Tag Nudeln möchte – aber ich weiss auch, dass es eine Phase ist. Ich brauche ihr nicht zu sagen, dass sie etwas probieren soll, weil es gesund ist. Gesund ist ein viel zu abstrakter Begriff. Wenn ich selbst genussvoll andere Dinge esse, dann wird auch wieder ihre Neugier kommen. Das braucht einfach Zeit und Geduld. Druck zu machen, bringt da meiner Meinung nach gar nichts.

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