Arztbesuch

«Würmer – igitt!»

Darmparasiten erregen bei vielen Ekelgefühle und sind deshalb ein Tabuthema. Dabei lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn sie sind verbreiteter, als man denkt – und treten vor allem bei Kindern auf. 
Text: Anja Lang 
Lena* kann nicht schlafen. Sie quengelt und weint, denn es juckt sie ganz schrecklich am Po. Als ihre Mutter nachsieht, stellt sie fest, dass sich die 7-Jährige im Analbereich stark aufgekratzt hat. Bei näherer ­Inspektion des Pyjamas findet sie den Übeltäter: einen winzigen weissen Wurm.
Die Vorstellung von Würmern im Körper ist zugegebenerweise ziemlich eklig. Dabei leben die Parasiten schon seit über 150 Millionen Jahren extrem gut angepasst in enger Symbiose mit ihren Wirten Mensch und Tier. Weltweit schätzt man, dass etwa zwei Milliarden Menschen von parasitären Würmern, fachsprachlich Helminthen, besiedelt sind. Die allermeisten Fälle werden jedoch in deutlich wärmeren Klimazonen mit vergleichsweise niedrigen Hygienestandards verzeichnet. Hierzulande sind Wurmerkrankungen seltener. «Da Wurmerkrankungen nicht meldepflichtig sind, liegen uns keine konkreten Zahlen vor», sagt Dr. Bernhard Beck, Facharzt für Tropen- und Reisemedizin in Zürich, spezialisiert auf die Behandlung von Wurmerkrankungen. 

Der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst des Gesundheitsdepartements des Kantons Basel-Stadt erwähnt in seinem Merkblatt «Wurm­erkrankungen durch Madenwürmer (Oxyuris vermicularis)» jedoch die Schätzung, dass weltweit gesehen etwa 50 Prozent der Menschen mindestens einmal im Leben befallen werden. 

Es gibt sehr viele unterschiedliche Wurmarten, die den Menschen besiedeln können. «In unseren Breitengraden sind Infektionen mit dem sogenannten Madenwurm am häufigsten», erklärt Beck. «Etwas seltener kommen noch Peitschen- und Spulwürmer vor. Extrem selten beobachten wir den Befall mit dem Fisch-, Rind- Schweine- oder Fuchsbandwurm sowie dem Leberegel.» 

Kinder sind besonders häufig von Wurmerkrankungen betroffen, wie die 7-jährige Lena. Das hat mehrere Gründe. «Zum einen ist das Immunsystem von Kindern noch nicht so trainiert wie das von Erwachsenen», weiss der Wurm­experte. «Zum anderen nehmen Kinder Spielzeuge, Sand, Erde und vor allem ihre Finger häufig ungewaschen in der Mund. Das begünstigt die Ansteckung.»

Infektion erfolgt von Mensch zu Mensch

Wenn Kinder eine Wurmerkrankung bekommen, steckt meist eine Infektion mit Madenwürmern dahinter. Der Madenwurm gehört zur Gruppe der sogenannten
Fadenwürmer, die sich auf das Leben im menschlichen Darm spezialisiert haben. 
Die Übertragung von 
Madenwürmern geschieht unter 
anderem über Spielsachen, Plüschtiere oder Türfallen.
«Madenwürmer sind weiss, etwa zehn Millimeter lang und erinnern an einen Nähfaden», sagt Beck. «Die Infektion erfolgt in der Regel von Mensch zu Mensch über die Aufnahme von Wurmeiern in den Mund.» Damit kommen mit Wurmeiern verschmutzte Spielsachen, Plüschtiere, ungewaschenes Biogemüse, aber auch kontaminierte Türfallen, gemeinsam benutzte Handtücher, Bettwäsche und so weiter für die Übertragung infrage. 

Im Darm entwickeln sich aus den Eiern innerhalb von Stunden Larven, die dann in Richtung Dünndarm wandern. «Die Kinder merken davon nichts», erklärt Beck. Nach etwa einem Monat entstehen aus den Larven ausgewachsene Madenwürmer. «Zur Eiablage kriechen die erwachsenen Weibchen nachts aus dem After und legen viele winzige Eier in einer ­extrem gut haftenden klebrigen Hülle in den Falten des Anus ab. Dies kann zu heftigem Juckreiz in dieser Region führen, weshalb betroffene Kinder sich vor allem abends und nachts anhaltend kratzen und deshalb nicht schlafen können. 
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In der Folge beginnt ein Teufelskreis, da beim Kratzen immer wieder Wurmeier an die Finger und unter die Fingernägel gelangen. «Werden die Finger dann in den Mund genommen, gelangen die Eier wieder in den Darm, wodurch es zur ständigen Neuinfektion kommt», betont der Tropenmediziner. «Über die Hände gelangen die Wurmeier ausserdem auf Spielsachen, Türfallen, Toilettensitze und so weiter, sodass sich andere Personen ebenfalls infizieren können.»
«Eine Infektion mit Fadenwürmern ist in der Regel mehr lästig als gesundheitsgefährdend, da die Würmer nicht durch die Darmwand gehen», sagt Beck. «Komplikationen kann es in seltenen Fällen bei Frauen und Mädchen geben, wenn Madenwürmer auch die Vagina befallen, was zu Entzündungen führen kann.

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