Die Lehre aus der Pandemie
Schule

Die Lehren aus der Pandemie

Die Corona-Krise stellt Schulleitungen und Lehrerschaft vor grosse Herausforderungen. Als zentrales Element für deren Bewältigung hat sich die Mitwirkung der Eltern herausgestellt.
Text: Lisa Lehner und Thomas Minder
Bild: Rawpixel / zVg
Nach dem Lockdown mit dem Wechsel auf Fernunterricht im März 2020 haben viele Schulleitungen zusammen mit den Lehrpersonen umfassende Analysen vorgenommen. Zur Vorbereitung auf erneute Pandemiewellen und lokale Lockdowns entwickelten sie daraus angepasste Pläne für den Schulbetrieb in Corona-Zeiten. Nebst kompletten Hygienekonzepten wurden auch Massnahmen zum Fernunterricht überprüft und neu aufgegleist. Als ganz wichtig hat sich dabei erwiesen, die Kommunikationswege zwischen Eltern, Schule, Lehrpersonen und Kindern einfach, sicher und flexibel zu gestalten. Ziel ist es, ­Hauruck-Aktionen wie im März 2020 zu vermeiden und das Gefühl des Miteinanders zu stärken.

Schmerzhaft vermisste Gespräche

Denn eine Erkenntnis aus den ­Analysen ergab, dass die Nähe zwischen Schule und Eltern in der Corona-Krise etwas in den Hintergrund rückte. Elterngespräche wurden abgesagt und auf unbestimmte Zeit verschoben, dringliche Besprechungen fanden per Telefon statt. Schulfeste oder andere Rituale zum Schuljahresende wurden ersatzlos gestrichen. Das schmerzte, sind doch solche Anlässe wichtig, um Schule auch einmal etwas anders zu erleben. Kinder können vor einem Publikum ihre Talente zeigen und Lehrpersonen kommen mit Eltern ins Gespräch – jenseits von Schulfächern, Kompetenzen und Noten.
«Eltern können für den Schulbetrieb ein Netz sein, das hilft, die schwierige Situation aufzufangen.» (Lisa Lehner)
«Eltern können für den Schulbetrieb ein Netz sein, das hilft, die schwierige Situation aufzufangen.» (Lisa Lehner)
Leider wurden mit dem Aufkommen der zweiten Pandemiewelle auch Besuche der Eltern in der Schule wieder schwieriger. Sie können nicht mehr bei Geburtstagsfeiern dabei sein oder einfach für eine kleine Visite reinschauen, um einen Einblick ins Schulgeschehen zu bekommen. In der Schule werden wir gefordert sein, Ihnen als Eltern auf eine andere Art und Weise zu ermöglichen, sich selbst einen Eindruck vom Unterrichtsalltag zu verschaffen. Auch die Beteiligung von Schulklassen am kulturellen Quartier- oder Dorfleben wird auf eine andere Weise passieren müssen – unsere Kreativität ist gefragt.
«Die Nähe zwischen Schule und Eltern rückte in der Corona-Krise etwas in den Hintergrund.» (Thomas Minder)
«Die Nähe zwischen Schule und Eltern rückte in der Corona-Krise etwas in den Hintergrund.» (Thomas Minder)
Dabei ist auch die Mitwirkung der Eltern sehr wichtig, trotz erschwerter spontaner Kontakte. So wie es in einer Quartierschule in Baden AG beispielhaft geschehen ist: Dort wurde kurz vor dem Lockdown die Aufbauarbeit für eine aktive Elternmitwirkung in Angriff genommen. Als dann keine Sitzungen mehr stattfinden konnten, mussten die Arbeiten wohl oder übel gestoppt werden. Eine motivierte Gruppe von Eltern hat dann unmittelbar nach den Schulöffnungen innert Kürze ein tragfähiges Konzept für die Elternpartizipation erstellt. Darin wurde festgehalten, wie die Eltern die Schule im Falle eines erneuten lokalen oder regionalen Lockdowns unterstützen können. Die Elternmitwirkung gab sich sinnigerweise den Namen Elternnetz. Damit haben diese Eltern klar ausgedrückt, dass sie für den Schulbetrieb auch eine Art von Netz sein können, welches in schwierigen ­Zeiten helfen kann, die herausfordernde Situation aufzufangen.
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Mit Hilfe aller werden wir neue Routinen entwickeln. Einen Teil davon werden wir liebgewinnen und ­beibehalten, auch wenn das Virus verschwunden ist. 
Vielleicht ist das auch eine gute Idee für Sie, liebe Eltern, und die Schule Ihrer Kinder. Dieses Zusammenrutschen – derzeit wohl nur im übertragenen Sinne – stärkt das gegenseitige Vertrauen, in Corona-­Zeiten und weit darüber hinaus.

Mit Hilfe aller werden wir eine neue Routine entwickeln. Einen Teil davon werden wir liebgewinnen und beibehalten, auch wenn eine Impfung Entspannung bringt oder das Virus einfach verschwindet, wie schon andere vor ihm. Wichtig ist, dass wir weiterhin eine Schule-­Eltern-Kind-Beziehung leben können, die geprägt ist von gegen­seitigem Vertrauen und grosser Wertschätzung. Wir sind zuversichtlich und danken allen für ihr Mitwirken.

Learnings für die Zusammenarbeit Eltern / Schule in der Pandemie:

  • Die traditionelle Elternbriefpost weicht der Eltern-Mail oder der Messenger-Nachricht.
  • Eltern gewinnen Einblicke in den Schulbetrieb durch digitale Plattformen wie Padlet, welche von Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schülern gestaltet werden.
  • Elternabende und -gespräche sind im Rahmen der erforderlichen Hygieneregeln und Vorschriften in den Kantonen möglich (max. Gruppengrösse, Masken usw.). Im äussersten Notfall geht das auch per Telefon oder Videokonferenz.
  • Motivierend für die Eltern und die Lehrpersonen können kurze, positive oder konstruktive Rückmeldungen per Klapp oder an­dere Messenger sein. 
  • Nicht nur Unterricht kann im Freien stattfinden, es könnte auch einmal ein Elternanlass im Freien sein, vorausgesetzt, die Witterung spielt mit und die allgemeinen Regeln lassen das zu.

Die beiden Autoren: 

<div><strong>Lisa Lehner </strong>ist Schulleiterin in Baden AG und Vizepräsidentin des Verbands Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz VSLCH.&nbsp;</div>
Lisa Lehner ist Schulleiterin in Baden AG und Vizepräsidentin des Verbands Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz VSLCH. 
<div><strong>Thomas Minder</strong> ist Schulleiter in ­Eschlikon TG und Präsident des VSLCH.</div>
Thomas Minder ist Schulleiter in ­Eschlikon TG und Präsident des VSLCH.

Mehr zum Thema Schule und Corona: 

  • «Wir müssen auch die Lehrpersonen schützen»
    Schulschliessungen gelten in der Schweiz nach wie vor als «Ultima Ratio», als letzte Massnahme im Kampf gegen das Coronavirus. Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands der Lehrerinnen und Lehrer LCH, über mögliche Alternativen zu Schulschliessungen, besondere Schutzmassnahmen für Lehrpersonen und welche Art von Unterricht ihre Töchter bevorzugen. 

  • Wir müssen mehr Freiräume schaffen, um Talente zu fördern
    Welche Folgen hatte der Lockdown für den Lernstand unserer Kinder? Keine allzu negativen, sagt der oberste Schulleiter der Schweiz, Thomas Minder, und plädiert dafür, Schülerinnen und Schülern mehr Raum zur freien Entfaltung zuzugestehen.

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