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Familienleben

Eine Mama, zwei Papas

Max lebt in zwei Teilfamilien – Denn er hat eine Mama und zwei Papas. Wie kam es dazu und wie gut funktioniert diese Konstellation? Wir haben sowohl bei den Vätern als auch bei der Mama selbst nachgefragt.
Text:Virginia Nolan
Bilder: Désirée Good und Sally Montana / 13 Photo

Marc, 37, und Matthias, 33, wünschten sich ein Kind. Das Männerpaar hat sich dafür mit Sonja, 39, zusammengetan:

«Matthias wusste schon immer, dass er Kinder haben wollte; er war da die treibende Kraft. Als unser Kinderwunsch spruchreif wurde, gab es verschiedene Optionen. Klar war, dass wir keine Götti-Rolle übernehmen wollten, sondern ein Modell anstrebten, das uns die gleichen Rechte ermöglichte wie der Mutter des Kindes.

Für uns war es naheliegend, uns mit einer Frau zusammenzutun. Wir finden es wichtig, dass unser Kind ein Mami hat – was aber nicht bedeutet, dass wir andere Modelle weniger gut finden. Wir haben uns zunächst im Internet nach einer Co-Mutter umgesehen und uns dann mit Frauen getroffen. Das war lustig, passte aber nicht. Sonja lernten wir über Freunde kennen – oder besser gesagt: noch besser kennen. Wir hatten schon vor Jahren gemeinsam eine Studentenparty organisiert. Es war schnell klar, dass wir ähnliche Wert- und Familienvorstellungen haben. Wir liessen uns dennoch Zeit, uns kennenzulernen, trafen uns regelmässig, verreisten gemeinsam, um zu sehen, wie wir zu dritt funktionieren. Das Wichtigste war für uns, Sonjas Vertrauen zu gewinnen, schliesslich würde das gemeinsame Kind zur Hälfte bei uns wohnen.
«Unser Sohn wächst in zwei Teilfamilien auf»
Marc und Matthias
Nach etwas mehr als zwei Jahren wollten wir es wagen. Gemeinsam erarbeiteten wir einen Familienvertrag, der festhielt, wie wir vorgehen wollen. Als wir unseren Familien eröffneten, dass wir Väter würden, waren sie etwas überrumpelt, aber die Freude war gross.

Kürzlich ist unser Sohn ein Jahr alt geworden. Dass er in zwei Teilfamilien aufwächst, beschert uns die eine oder andere logistische Herausforderung, die wir aber ganz gut meistern. In der Erziehung müssen wir nicht alles genau gleich handhaben, wichtig ist, dass wir im Kern dieselben Werte teilen. Als Teilfamilien üben wir noch, das richtige Mass an Nähe und Distanz zu finden. Manchmal hat man zum Beispiel das Gefühl, man habe jetzt noch eine Schwiegerfamilie. Das ist schön, aber manchmal auch anstrengend.»
«Es war ein Glücksfall, die beiden Papas zu finden», schwärmt Sonja von Matthias und Marc.
«Es war ein Glücksfall, die beiden Papas zu finden», schwärmt Sonja von Matthias und Marc.

Sonja, ist froh, dass Sie Marc und Mathias gefunden hat:

«Mein Kinderwunsch war so stark, dass er in meinen früheren Beziehungen immer zu Uneinigkeit geführt hatte. Es ist ein grosses Glück, dass ich mit Matthias und Marc Gleichgesinnte gefunden habe. Von der Idee bis zur Geburt dauerte es fast vier Jahre. Mit unserem Sohn ging mein grösster Traum in Erfüllung. Als ich schwanger war, zog ich bei Marc und Matthias gegenüber ein. Für unseren Sohn ist die räumliche Nähe wichtig, und unser Familienvertrag sieht vor, dass wir sie aufrechterhalten, solange er ein Kind ist.

Marc und Matthias haben mich liebevoll durch die Schwangerschaft begleitet und waren bei der Geburt dabei. Nach der Geburt durfte ich für zwei Wochen bei ihnen einziehen, das war schön. Wir haben uns für wechselnde Obhut, also ein 50:50-Modell entschieden. Am Anfang war es für mich schwierig, das Baby abzugeben. Marc und Matthias zeigten viel Verständnis. Ich war dann häufiger zu Besuch bei ihnen und ging zum Stillen vorbei. 
«Drei Eltern können einander gut entlasten, davon profitiert auch das Kind.»
Mittlerweile bin ich sehr glücklich mit unserem Familienmodell. Zu dritt können wir einander optimal entlasten, davon hat nicht nur der Einzelne, sondern auch das Kind etwas. Mein Umfeld freute sich riesig, als ich Mutter wurde. Als in meiner Schulklasse ein Schüler fragte, warum mein Baby zwei Väter habe, meinte ein anderes Kind ganz selbstverständlich: ‹Na, weil beide Papas das Baby lieben!› Was für eine schöne und einleuchtende Erklärung.»
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Virginia Nolan lebt die klassische Mama-Papa-Kind-Variante – und findet es dennoch an der Zeit, dass die Gesellschaft ihr traditionelles Familienbild überdenkt.

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2 Kommentare

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Von Marco am 22.02.2018 18:27

Und ist einer der Väter der biologische Vater?

Von Fritz+Fränzi Redaktion am 23.02.2018 16:40

Guten Tag,

besten Dank für Ihren Kommentar. Die Familie möchte diese familieninterne Angelegenheit, nicht öffentlich zu machen.

Herzliche Grüsse
Das ElternMagazin Fritz+Fränzi

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