Gastfamilien: Unser Mitbewohner, der Flüchtling
Familienleben
Seite 3

Wer Dankbarkeit erwartet, begegnet seinem Gast nicht auf Augenhöhe

Zu hohe Erwartungen an den Gast sind das häufigste Problem bei der Vermittlung einer Wohngemeinschaft. «Oft wollen die Flüchtlinge vor allem zur Ruhe kommen. Die Gastfamilien versuchen fast zu motiviert, sie überall hin mitzunehmen und wie ein Familienmitglied zu behandeln» , erzählt Vielle. Andere erwarteten grosse Dankbarkeit – auch das sei schwierig, weil so keine Begegnung auf Augenhöhe stattfinden könne. Die Gäste zahlen Miete und bringen vom Sozialamt Geld für Essen mit – alle weiteren Hilfen und Vereinbarungen seien nicht selbstverständlich, sondern müssten individuell abgesprochen werden.

Tatsächlich sind es die Herzlichkeit und die Fröhlichkeit, die Gasteltern Philipp und Anamaria Häuselmann bei Baitullah am meisten überrascht haben. Etwas schwierig sei bisher eigentlich nur der Ramadan gewesen. «Da war Baitullah für alles zu müde und nicht so gut gelaunt», erinnert sich Philipp.

Ansonsten falle der junge Mann vor allem dadurch auf, dass er immer selbständiger werde: Bald wird er sogar allein auf das Haus aufpassen, wenn die Familie verreist. Lieber noch würden sie ihn mitnehmen, versichert Gastmutter Anamaria, aber mit seinem Flüchtlingsstatus darf Baitullah das Land nicht verlassen.

Und die Nachbarn im idyllischen Bäriswil? Was haben die zu der ungewöhnlichen Entscheidung gesagt? Philipp Häuselmann zuckt mit den Schultern: «Keiner war wirklich begeistert von unserer Idee einen Flüchtling als Gast aufzunehmen. Aber wirklich protestiert hat auch niemand.» Als Baitullah dann da gewesen sei, hat es ein Abendessen mit dem ganzen Gemeinderat im Hause Häuselmann gegeben und Baitullah kam dazu. Jetzt sei das alles kein Thema mehr.

Während die Familie ums Haus geht und nachsieht, ob die Wespennester noch an den Jalousien hängen, hält Baitullah sanft seine Hand an die Schulter des kleinen Thomas und schiebt ihn unauffällig ein Stück den Wespen weg. Diese Schutzgeste eines grossen Bruders ist gelernt: Baitullah hatte in Afghanistan selbst drei kleine Brüder. Wo diese heute sind, wissen die Häuselmanns nicht. Und vermutlich weiss es auch Baitullah nicht, denn zu seiner Heimatfamilie hat er nur sehr selten Kontakt.
«Komm doch auch, Baitullah.» Thomas Häuselmann auf dem Trampolin.
«Komm doch auch, Baitullah.» Thomas Häuselmann auf dem Trampolin.

Wo sich Gastfamilien bewerben können

Denken auch Sie darüber nach, einem Flüchtling ein Zuhause zu geben? An folgende Stellen können Sie sich für weitere Informationen wenden:


<div><strong>Bianca Fritz </strong>war tief beeindruckt von Engagement der Familie Häuselmann und Baitullahs Lebensfreude. Nicht nach der Vergangenheit eines Mitbewohners zu fragen, wäre für sie aber sehr schwer.</div>
Bianca Fritz war tief beeindruckt von Engagement der Familie Häuselmann und Baitullahs Lebensfreude. Nicht nach der Vergangenheit eines Mitbewohners zu fragen, wäre für sie aber sehr schwer.

Weiterlesen:


Anzeige
3 Kommentare

Diesen Artikel kommentieren

Von Hiba am 21.02.2019 14:26

wunderschön grossartig , grossherzig <3 , gross und schön ist die welt ,in der inmitten der Enge &Engstirnigkeit von Arroganz und Hass noch Menschen gibt, die Platz haben, Platz genug in ihren herzen und in ihren Häusern um einem erschöpften, verirrten Heimatlosen Heim und Bleibe zu gewähren.
Wir alle sind Fremde niedergelassen und willkomengeheissen in diesem grossen Haus Gottes, der Erde
Baitullah ist arabisch und bedeutet Haus Gottes <3

ps: stellen Sie Grüsse und Segenswünsche an diese Familie aus

> Auf diesen Kommentar antworten
Von Harun am 20.12.2017 09:11

Ich will auch gerne bei einer Familie weiter mehrere Möglichkeiten erhalten so ich wünsche mir auf diesem schRitte viel Erfolg ich freue mich wenn einer Familie mich zu unterstützen

Von Barikzay am 09.07.2018 19:34

Liebe Gastfamilien

Ich suche ein Zimmer bei einer Familie im Kanton AG. Gerne würde ich auch Zugang zur Küche, Badezimmer und Wäschküche haben.
Per sofort könnte ich einziehen.
Zu meiner Person: Ich heiße Ajmal Barikzay und bin 18 Jahre jung. Ursprünglich komme ich aus Afghanistan bin aber seit bald 4 Jahren in der Schweiz. Hier mache ich eine Lehre als Autolackierer in der Garage Galliker in Aarburg (zweites Lehrjahr)

Können Sie mir helfen ein Zimmer zu finden? Ich wohne aktuell in der UMA Unterkunft in Suhr.

Liebe Grüße Ajmal

> Auf diesen Kommentar antworten

Diese Webseite nutzt Cookies. Cookies werden zur Benutzerführung und Webanalyse verwendet und helfen dabei, diese Webseite zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit unserer Cookie-Police einverstanden. Mehr Infos hier.