Familienleben

Mit Ämtli Verantwortung lernen?

Blumen giessen, den Abwasch machen, das Auto waschen – es gibt viele Gelegenheiten für Kinder, im Familienalltag mitanzupacken. Aber sollen sie dafür entlöhnt werden?
Text: Kathrin Wehrli
Bilder: Liam Norris / Getty Images, iStockphoto

In Zusammenarbeit mit Credit Suisse
Kinder dürfen entlöhnt werden, wenn sie Zusatzaufgaben zu Hauseerledigen. Bei alltäglichen Arbeiten wäre dies aber das falsche Signal.
Kinder dürfen entlöhnt werden, wenn sie Zusatzaufgaben zu Hauseerledigen. Bei alltäglichen Arbeiten wäre dies aber das falsche Signal.
Finanzielle Belohnungen sind ein zweischneidiges Schwert: Einerseits können sie Kinder motivieren, Aufgaben zu übernehmen, die sie ungern machen. Andererseits können damit falsche Anreize gesetzt werden. Bei der Entlöhnung von Ämtli und Aufgaben ist daher ein sorgsames Abwägen gefragt.

Das Bett machen, den Geschirrspüler ausräumen oder den Tisch decken – solche kleinen Ämtli können Eltern gut Kindern übertragen, findet Kinder- und Jugendpsychologin Sabine Brunner. «Oft dauert das zwar etwas länger, als wenn man die Arbeit selbst erledigt, aber Kinder lernen dadurch nicht nur die Haushaltsaufgaben kennen, sondern auch, Verantwortung zu übernehmen.» Ihr Tipp: Jeder sollte für etwas zuständig sein. So entsteht die Grundstimmung, dass jedes Familienmitglied etwas zur Gemeinschaft beiträgt.

Wann macht eine Entlöhnung Sinn?

Natürlich gilt es dabei, die Ämtli dem Alter anzupassen: Die Kleineren können beispielsweise die Papierkübel leeren, die Grösseren ein einfaches Essen zubereiten. Ein 6-jähriges Kind versteht gut, dass die kleinere Schwester eine einfachere Aufgabe bekommt.

Diese alltäglichen Ämtli zu entlöhnen, davon rät Sabine Brunner ab: «Geld ist in der Familie eine schlechte Währung. Bei den täglichen Aufgaben wie Abwaschen oder Aufräumen zählen Hilfsbereitschaft und Vertrauen. Sie gehören zum gemeinsamen Familienleben, ohne dass dafür Geld bezahlt wird. Kinder sollten Alltagsaufgaben als Selbstverständlichkeit wahrnehmen.»

Doch was, wenn das Kind keine Lust auf sein Ämtli hat? Hier empfiehlt Sabine Brunner, gemeinsam mit dem Kind nach dem Grund für die Ämtli-Unlust zu suchen und allenfalls zu überlegen, ob es eine andere Tätigkeit gibt, die es lieber macht. Schliesslich sollten Ämtli weder Machtmittel noch Strafe sein.

Stehen besondere Aufgaben an wie Laubrechen im Garten oder Garageausräumen, dürfen Eltern den Kindern ruhig ein paar Franken dafür geben. Das motiviert und zeigt dem Kind, dass es sich um eine spezielle Aufgabe handelt. Im Idealfall sind solche Zusatzaufgaben aber freiwillig, sodass sich das Kind auch gegen die Erledigung und damit gegen die Entlöhnung entscheiden kann, sagt Sabine Brunner.
Eine finanzielle Belohnung kann die ursprüngliche Motivation untergraben.
Es gilt aber immer abzuwägen, wann ein kleiner Zustupf Sinn macht und wann nicht. Denn oft macht Helfen sogar Spass: Wenn ein Kind einfach Freude daran hat, den Grosseltern bei der Gartenarbeit zu helfen, wäre eine finanzielle Belohnung nicht förderlich – im Gegenteil: Sie könnte die ursprüngliche Motivation «Ich möchte etwas für Grosi und Grosspapi tun» untergraben und dazu führen, dass das Kind entweder nicht mehr hilft oder in Zukunft erst fragt: «Was bekomme ich dafür?» Die Familie sollte deshalb genau hinschauen, wann finanzielle Anreize sinnvoll sind. Natürlich spricht nichts dagegen, dass die Grosseltern sich zum Beispiel mit einem gemeinsamen Zoobesuch für die Hilfe bedanken.

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