Sexualität

Herr Rauchfleisch, warum wird «schwul» als Schimpfwort gebraucht?

Woran erkennen Eltern, ob ihr Kind homosexuell ist? Der Basler Psychiater Udo Rauchfleisch erklärt, warum es Mädchen einfacher fällt, sich zu outen, wie Eltern ihr Kind beim Coming-out unterstützen können und warum «schwul» bis heute als Schimpfwort gilt.
Interview: Nicole Gutschalk

Herr Rauchfleisch, ist es für Jugendliche einfacher geworden, sich als homosexuell zu outen?

Man könnte meinen, dass ein Coming-out für junge Menschen heutzutage kein Problem mehr darstellt. Es hat sich ja einiges getan in den letzten Jahren wie etwa die gleichgeschlechtliche Ehe oder die sogenannte Stiefkindadoption. Dennoch ist das Outing für pubertierende Jugendliche nach wie vor ein sehr schmerzhafter Prozess. Zahlreiche Untersuchungen besagen, dass lesbische und schwule Jugendliche häufiger unter Depressionen, Angststörungen und Suizidgedanken leiden als gleichaltrige Heterosexuelle.

Wie schwierig ist es für Eltern, wenn sich das eigene Kind als homosexuell outet?

Für viele ist es immer noch ein Schock. Wobei Mütter anders reagieren als Väter.
Udo Rauchfleisch ist emeritierter Professor für Klinische Psychologie der Universität Basel und Buchautor. Zu seinen Schwerpunkten gehört das Thema Homosexualität und Transsexualität. Daneben widmet er sich seiner Leidenschaft, dem Schreiben von Kriminalromanen mit schwulen Protagonisten. www.udorauchfleisch.ch
Udo Rauchfleisch ist emeritierter Professor für Klinische Psychologie der Universität Basel und Buchautor. Zu seinen Schwerpunkten gehört das Thema Homosexualität und Transsexualität. Daneben widmet er sich seiner Leidenschaft, dem Schreiben von Kriminalromanen mit schwulen Protagonisten. www.udorauchfleisch.ch

Inwiefern?

Mütter sagen Sätze wie «Das habe ich mir schon irgendwie gedacht»; die Väter fallen meist aus allen Wolken. Das liegt unteranderem daran, dass Mütter in traditionellen Familienkonstellationen ihren Kindern meist näher stehen und mehr Gespür dafür haben, was in ihnen vor sich geht. Es ist belegt, dass Frauen grundsätzlich weniger homophob sind als Männer.

Woran liegt das?

Das hat gesellschaftliche Gründe: Männer hängen in der Regel stärker an traditionellen Männer- und Frauenrollen in unserer Gesellschaft. Ein Leben als gleichgeschlechtliches Paar stellt ihre Grundeinstellung infrage, denn innerhalb einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft müssen diese Rollen ja neu definiert und ausgehandelt werden. Hinzu kommt, dass Frauen viel selbstverständlicher mit Nähe, Emotionen und Zärtlichkeiten umgehen. Auch ohne lesbisch zu sein, umarmen sich Frauen oder halten sich an den Händen. Bei Männern in unserem Kulturkreis hingegen ist das undenkbar und verpönt, für manche sind solche Vertrautheiten suspekt und unangenehm.
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1 Kommentar

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Von Leonie am 06.09.2019 23:52

Also ich als lesbisches Mädchen glaube nicht das wir es unbedingt einfacher haben, denn die Tatsache das es einfach nicht ernst genommen wird kann auch sehr belastend sein außerdem im Alltag werden uns vielleicht keine großartigen Beleidigungen entgegen geworfen aber es wird nachgerufen und Männer/Jungs sehen uns als Herausforderung oder halten uns für eine Art wahr gewordenen Porno...

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