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Entwicklung

Das kannst du doch nicht anziehen!

Zu enge Hosen, zu viel Make-Up und auf jedem Rücken der gleiche Rucksack: Warum Mode für Jugendliche so schwierig ist und wie Eltern sie unterstützen können, haben wir Fashion Consultant Melanie Albisser gefragt.
Interview: Bianca Fritz

Frau Albisser, wäre ich mit 15 Jahren in Ihre Modeberatung gekommen, hätte ich weite tiefsitzende Hip-Hop-Hosen getragen, die den Bund der Unterhose freigeben. In meinem Fall hätte auf dem Bund nicht Calvin Klein gestanden, sondern Backstreet Boys. Und dazu ein enges, bauchfreies Top. Hätten Sie mir das ausgeredet?

Nein, nicht grundsätzlich. Aber ich hätte vermutlich nach ihrem Freundeskreis gefragt und versucht herauszufinden, ob Sie sich denn nun mehr als Hip-Hopper oder als Girlie sehen. Was ist Ihre Lebenssituation? Zu welchen Gruppen möchten Sie dazu gehören? Das hätte ich dann als Anhaltspunkt genommen, um nach einem Look zu suchen, in dem Sie sich wirklich wohl fühlen und glücklich sind. 

Aber ich sah doch unmöglich aus!

Ja, aus heutiger Sicht. Jeder kennt das Phänomen, dass man Fotos von früher sieht und sich sagt: Wie konnte ich nur? Aber wir werden geprägt von dem, was wir sehen. Daher brauchen die Looks von den Laufstegen auch zwei bis drei Jahre, bis wir wirklich bereit sind, diese zu tragen.
«Bei Mädchen sind Eltern oft besorgt, dass sie sich zu sexy anziehen», weiss Melanie Albisser. Sie berät Erwachsene und Teenager als Stylistin und Fashion Consultant.
«Bei Mädchen sind Eltern oft besorgt, dass sie sich zu sexy anziehen», weiss Melanie Albisser. Sie berät Erwachsene und Teenager als Stylistin und Fashion Consultant.

Warum kommen Teenager zu Ihnen?

In erster Linie werden Sie von Ihren Eltern geschickt – denn die haben das Budget. Gerade bei Jungs ist das Motiv meist das erste Vorstellungsgespräch. Besonders wenn sie bis anhin nur legere Klamotten getragen haben. Bei Mädchen sind Eltern oft besorgt, dass sie sich zu sexy anziehen, andere Eltern spüren bei ihren Kindern Unsicherheiten betreffend der Figur. Oder, dass die Kinder nur Marken-Kleider tragen wollen, weil sie nicht wissen, was ihnen gefällt.

Und wo sehen Sie selbst die grössten Probleme? 

Aus Unsicherheit werden oft Problemzonen zu fest betont, wenn es diese denn gibt. Vor allem tragen Mädchen meist die falschen Hosenschnitte. Sie verstehen noch nicht, dass man nicht jedem Trend folgen muss und kann. Keiner kann alles tragen was angesagt ist. Es ist abhängig von der Figur und von der eigenen Persönlichkeit. Und gerade bei den Mädchen ist das Problem tatsächlich auch, dass sie stark übertreiben, wenn sie ausgehen: Sehr viel Haut, sehr viel Schminke.
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Ist das denn so schlimm?

Nicht, wenn die Mädchen diese Kleider bewusst wählen. Viele Eltern kommen auch mit übertriebenen Sorgen zu mir, und dann bremse ich sie. Mit den Mädchen spreche ich dann – ohne Eltern - darüber, welche Kleidung was kommuniziert. Sie dürfen selbstverständlich anziehen, was sie möchten. Aber ich möchte, dass sie sich fragen, was sie mit ihrer Kleidung ausdrücken.

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