Elternbildung

«Warum, warum? Frag nicht immer so blöd!»

Viele Eltern nervt es, wenn ihre Kinder alles hinterfragen. Der Wunsch nach Begründungen entspringt aber dem Bedürfnis, unsere Umwelt und das Handeln anderer zu ­verstehen. Warum-Fragen helfen einem Kind, sein eigenes Leben und Tun als sinnvoll zu begreifen.
Text: Fabian Grolimund
Illustration: Petra Dufkova/Die Illustratoren
Warum muss ich das lernen? Wozu diese Regel? Viele Erwachsene reagieren geradezu allergisch auf Warum-Fragen von Kindern und Jugendlichen. Sie empfinden diese als frech und fühlen sich angegriffen. Oft wird dabei der Standpunkt vertreten, dass Kinder und Jugendliche lernen müssten, «einfach mal zu tun, was man ihnen sagt», da sie später im Beruf auch spuren müssten, wenn der Chef ihnen etwas aufträgt. Oft wird auch ungläubig gefragt, ob «man jetzt eigentlich für alles einen Grund liefern muss».

Wenn wir etwas tun sollen – etwas lernen, uns an Regeln halten, eine Aufgabe erledigen –, möchten wir eine Begründung dafür erhalten.

Dahinter steht das Bedürfnis, die Welt um uns herum zu verstehen und unser Handeln als sinnvoll zu begreifen. Wie wichtig diese Aspekte sind, beschrieb der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky bereits in den Achtzigerjahren. Er stellte sich die Frage, wie Gesundheit entsteht und machte drei Faktoren aus, die wesentlich dazu beitragen, dass wir psychisch und physisch gesund bleiben: Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Bedeutsamkeit. Damit es uns langfristig seelisch gut geht, brauchen wir somit das Gefühl, Zusammenhänge des Lebens zu verstehen, die Überzeugung, das eigene Leben gestalten zu können und den Glauben, dass unser Leben und das, was wir tun, einen Sinn ergeben.
Wann immer ein Kind die Warum-Frage stellt, bietet sich uns die Möglichkeit, seine Persönlichkeit und sein seelisches Wohlbefinden zu stärken.
Wann immer ein Kind die ­Warum-Frage stellt, bietet sich uns die Möglichkeit, seine Persönlichkeit zu stärken und etwas zu seinem psychischen Wohlbefinden beizutragen. Wenn wir gemeinsam Antworten suchen, fördern wir die Motivation, sich auf eine Arbeit oder einen Lerninhalt einzulassen, und das Engagement, diese mit der nötigen Ausdauer umzusetzen.

Ich habe einige Eltern gebeten, ihre Kinder zu fragen, weshalb sie Rechnen lernen. Die 7- bis 10-jährigen Schüler/innen meinten: 

  • Damit man beim Rezept die doppelte Menge berechnen kann.

  • Man kann dann ausrechnen, was günstiger ist.

  • Rechnen macht einfach Spass. Alles auf der Welt kann man errechnen, das ist unglaublich.

  • Man lernt, sich zu konzentrieren.

  • Man übt, selbständig zu werden und wenn man eine Aufgabe geschafft hat, fühlt man sich wie ein Held.

  • Rechnen fördert das logische Denken. Man lernt, gute Ideen zu entwickeln.

  • Da muss man mitdenken, und wenn man mit anderen zusammen übt, muss man sich absprechen.

  • Rechnen ist wie ein Abenteuerland, bei Rechenaufgaben kann man sich Sachen vorstellen.

Wow! Merken Sie, wie ein Schulfach durch jeden einzelnen dieser Punkte plötzlich an Sinn gewinnt? Und wie dadurch die Motivation steigt, sich darauf einzulassen?

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