Hotel Mama: Wenn der Sohn wieder zuhause einzieht
Elternbildung

Wenn der Sohnemann wieder Zuhause einzieht

He's back! Der Sohn unserer Bloggerin Irma Aregger ist soeben wieder eingetroffen im Hotel Mama. 
Text: Irma Aregger
Bild: Pexels (Symbolbild)
Vier Jahre lang waren beide Kinder im Internat. Nach kurzzeitiger Leere, in die ich in den ersten Wochen eingetaucht bin, dem sogenannten Empty-Nest-Syndrom, haben mein Mann und ich unser teilzeitkinderloses Leben gut aufgefüllt. Und gönnen uns unter der Woche abendliche Ausgänge, von denen wir gar nicht mehr wussten, dass es solche überhaupt gibt. Nun aber hat der Sohnemann das Abitur geschafft und ist mit Sack und Pack wieder daheim eingezogen. So hat unser elterliches Lotterleben ein jähes Ende genommen.
Natürlich haben wir gewusst, dass sich unsere Kinder nicht einfach auflösen, wenn sie ihre Schule in einem Internat absolvieren. An Wochenenden, in den Ferien und auch zwischendurch waren wir mit allerlei Rat und Tat immer für sie da. Nur gab es da zwischendurch diese Zeitfenster, an denen wir Eltern tatsächlich machen konnten, was wir wollten. Ohne jemanden darüber zu informieren, dass wir einfach eine Nacht auswärts bleiben oder dass wir heute kein Znacht auf den Tisch stellen wollten, weil wir ins Kino gingen. Wir hatten unser Leben wieder, so als Paar, das Badezimmer gehörte nur uns, vor der Haustüre standen bloss zwei Paar Schuhe und die erst noch geordnet. 

Wie es anfänglich, als unser Nachwuchs frisch von zu Hause weg war, uns fast das Herz zersprengt hat, so hat selbiges später Purzelbäume geschlagen ob der frischgewonnen Freiheit. Seit diesem Sommer ist der Sohnemann nun wieder zurückgekehrt. Den Abschluss in der Tasche mit zusätzlich ganz viel Internatsgerümpel, der sich über die Jahre angehäuft hat. Er strahlt uns an: «Ich ziehe wieder bei euch ein!» Denn nach all der harten geistigen Arbeit und dem vielen emotionalen Stress muss ein chilliges Zwischenjahr eingelegt werden. Ausruhen, auftanken, herausfinden, wohin das Leben einen führen wird. Aha.

Kost und Logis frei im Hotel Mama

Das Hotel Mama haben wir selbstverständlich gerne wieder geöffnet: Wir haben die Frühstücks- und anderen Essenszeiten ausgedehnt, die Badetücher vom Boden aufgehoben (jedoch der Umwelt zuliebe bloss bei Bedarf gewechselt), die weissen Socken und T-Shirts von den Hawaii-Hemden getrennt voneinander gewaschen. Seine Primarschul-Freunde schlurfen inzwischen als Zweimetermänner durch unseren Flur – hatten sie mir nicht erst kürzlich bis knapp unter die Achseln gereicht? Die Musik wummert bis tief in die Nacht und die Kühlschranktür geht im Takt auf und zu. Küchendämpfe dringen unter der Tür hervor, unabhängig, wie dunkel es draussen ist. Und auf einen Schlag ist die elterliche Freiheit wieder eingeschränkt. 

Klar wolle er nicht für immer bei uns wohnen, sagt der Junge, doch im Moment spare er auf eine kleine Reise, da wäre ein Leben ausserhalb des Familiennest natürlich sinnfrei. Logo. Und nach dem Rucksacktripp dann vielleicht nochmals ein paar Monate bei uns chillen, wäre schon recht cool. Aber nur, wenn er nicht gestört würde. In seinem Leben. Sonst könne er es glaubs nicht mehr bei uns aushalten. Aha.

Anzeige
0 Kommentare

Zugehörige Tags

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren

Diese Webseite nutzt Cookies. Cookies werden zur Benutzerführung und Webanalyse verwendet und helfen dabei, diese Webseite zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit unserer Cookie-Police einverstanden. Mehr Infos hier.