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Elternbildung

«Herr Zimpel, was halten Sie von Spielzeugwaffen?»

Der Pädagoge André Frank Zimpel ist europaweit der bekannteste Forscher, der die frühkindliche Entwicklung und insbesondere das Spiel untersucht. Warum zu viele Spielsachen dem Kind schaden – jetzt im Interview. 
Interview: Claudia Landolt

Herr Zimpel, wie viele Spielsachen braucht ein Kind wirklich? 

Im Vorschulalter sind es maximal vier. Generell gilt: Weniger ist mehr. Allerdings sind Kinderzimmer ohne Plüschtiere und Spielzeug trostlos. Deshalb gehören in jedes Kinderzimmer Spielsachen.

Ist zu viel Spielzeug schlecht? 

Problematisch wird es, wenn zu viele Spielsachen rumliegen. Denn auch diese strahlen aus der Sicht des Kindes eine Erwartung aus, nämlich die, mit ihnen zu spielen. Eine Überreizung führt dazu, dass Kinder gar nicht in ihr Spiel versinken können, weil sie dauernd diese Aufforderung spüren.

Was halten Sie von Lego und Playmobil?

Das Schöne an diesen Spielen ist ihre vielseitige Anwendbarkeit. Kinder konstruieren in jeder Phase ihres Lebens etwas anderes. Als Baby nehmen sie ein Spielzeug in den Mund, werfen es herum. Später wird aus einem Baustein ein Auto. Und noch später kommen die Rollenspiele. In der Regel sind solche Spiele immer besser als festgelegte Spiele. Deshalb
gehören Bälle oder Klötze zu den beliebtesten Spielsachen, weil sie der kindlichen Fantasie Raum lassen.

Sollen Eltern ihren Kindern Spielzeugwaffen kaufen? 

Mein Sohn war sehr an Waffen interessiert, aber ich hatte sie ihm verboten, weil ich damals sehr friedensbewegt war. Da fing er an, alles zu einer Waffe umzubauen, und ich erkannte, wie sinnlos mein Verbot war. Heute ist er Arzt und kein bisschen aggressiv. Spielt ein Kind gerne mit Laserpistolen oder Waffen, sollte man sich besser fragen, woher dieser Wunsch rührt. In der Regel verbirgt sich dahinter das Bedürfnis, respektiert und beachtet zu werden. Ein Kind, das sich bewaffnet, möchte sich einen Kopf grösser machen. 
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Wie können Eltern ihren Kindern die Freude am Spielen vermitteln?

 Ein Papier zu falten, ist für ein Kind nicht spannend, weil es den Sinn nicht erkennt. Wird aus einem Papier aber ein Flugzeug, ist das Interesse plötzlich da. Eltern sollten sich beim Spielen also stets fragen, woran das Kind interessiert ist. Bei älteren Kindern empfehle ich folgenden Trick: Man macht etwas, wovon man möchte, dass es das Kind auch tut. Dann sagt man: «Ach, das ist eigentlich noch nichts für dich.» So ist das Kind umso motivierter.

Soll man Spielzeug mit dem Kind zusammen wegräumen? 

Es ist pädagogisch wertvoller, dies mit dem Kind zusammen zu tun. Sortieren kann ein Kind auch schon in jungen Jahren, die Fähigkeit zum Teilen entwickelt es aber erst später. Eltern sollten es unterlassen, klammheimlich Spielsachen des Kindes wegzuschaffen, selbst wenn es für einen guten Zweck ist. Es hilft, wenn man ein Foto des Kindes zeigt, das man gerne beschenken möchte. Da werden fast alle Kinder sehr freigiebig.

fotolia.com

Zur Person


André Frank Zimpel ist Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg. Er befasst sich seit 20 Jahren mit der geistigen Entwicklung von Kindern, insbesondere mit Spieldiagnostik und Spielförderung.

Mehr lesen?
Dies ist ein Artikel aus dem Dossier zum Thema Spielen aus unserem August-Magazin (08/16). Dieses können Sie hier nachbestellen. 

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