Fabian Grolimund: Aus Fehlern lernen – wirklich?
Elternbildung

Aus Fehlern lernen – wirklich?

Fehler müssen korrigiert werden – nur auf diese Weise lernt man dazu. Das ist eine grundlegende Überzeugung, die viele kaum in Frage stellen. Es lohnt sich aber, genau das zu tun.
Text: Fabian Grolimund
Illustration:
Petra Dufkova / Die Illustratoren
Welche Assoziationen und Emotionen wecken bei Ihnen die folgenden Aussagen? «Nein!», «falsch», «Das stimmt so nicht!», «Das schreibt man gross», «Schau mal, da hast du einen Fehler gemacht», «Oh, da gibt es aber noch einiges zu verbessern».

Vielleicht merken Sie, wie Sie sich innerlich verschliessen? Dann geht es Ihnen wie den meisten Menschen.

In einer Reihe von Studien sollten 1600 Erwachsene verschiedene Lernaufgaben bewältigen und sich dazu beispielsweise Fakten über ihr Unternehmen einprägen. 
Vor allem jüngere Kinder lernen nach einem negativen Feedback langsamer und machen mehr Fehler.
Einem Teil der Probanden wurde in den Übungsdurchgängen jeweils bei ihren richtigen Antworten die Rückmeldung «Ihre Antwort war richtig» angezeigt, bei der anderen Gruppe bei Fehlern «Ihre Antwort war falsch».

Jene Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die auf Fehler hingewiesen wurden, konnten sich bei einer ­späteren Testung schlechter an die Inhalte erinnern und gaben an, dass ihr Selbstwertgefühl gelitten habe – und dies, obwohl das Feedback relativ nüchtern gehalten wurde.

Negative Rückmeldungen wirken sich negativ auf die Leistung aus

Wie gut wir aus Fehlern lernen, hängt auch vom Alter ab. In einer Studie aus den Niederlanden untersuchte eine Forschergruppe, wie sich positive und negative Rückmel­dungen bei drei Altersgruppen (8–9 / 11–13 / 18–25 Jahre)auf das Lernen und die Leistung auswirken. Den Teilnehmenden wurden auf einem Monitor jeweils Bildkombinationen mit unterschiedlichen Formen und Farben angezeigt. Die Versuchspersonen sollten logisch schlussfolgern, welche Regeln den Bildkombinationen zugrunde liegen. Eine Teilgruppe erhielt jeweils nur eine Rückmeldung, wenn sie richtig lag, die andere bei falschen Antworten. Alle Altersgruppen profitierten stärker von einer Bestätigung bei richtigen Antworten.

Aber: Die jüngeren Kinder lernten nach negativem Feedback nicht nur langsamer, sie machten auch viel mehr Fehler. Ihre Leistungen verschlechterten sich!

Ein Blick in das Gehirn mittels bildgebender Verfahren zeigte zudem, dass bei jüngeren Kindern nach positiven Rückmeldungen diejenigen Gehirnbereiche, die für das Arbeitsgedächtnis, die Planung sowie abstraktes und flexibles Denken zuständig sind, viel stärker aktiviert wurden.

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1 Kommentar

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Von Eva am 10.03.2021 15:48

Herzlichen Dank für diesen Artikel!!!
Ich unterrichte seit bald 30 Jahren auf der Unterstufe und kämpfe seit Jahren darum, dieses Wissen und diese Erkenntnisse an die Frau/den Mann zu bringen...!!
Hoffentlich wird es nun salonfähig, nicht alles verbessern zu lassen (oder auch gar nichts).
Ich lasse die Kinder oft auf Folien schreiben - und mache dann nur Stichproben, d.h. ich überfliege das Gelöste und kommentiere dann die richtigen Antworten. Das empfinden die SuS als sehr ermutigend. :-)
Die Schiefertafel von früher wurde vielleicht auch so benutzt...
Freundliche Grüsse

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